Nordostthüringisch und das Mansfeldische
Kartenausschnitt Nordostthüringisch
Karte: Arbeitsstelle Thüringische DialektforschungNordostthüringisch liegt größtenteils außerhalb der Landesgrenzen Thüringens. Es handelt sich hierbei um ein stark aufgelockertes Dialektgebiet mit sich vielfach überschneidenden Sprachgrenzen. So finden sich hier wie auch im Nordthüringischen zahlreiche niederdeutsche Sprachelemente, doch anders als in jenem sind hier die langen i und u wie im Hochdeutschen zu ei und au diphthongiert 'Wein, Haus'. Merkmale wie die Aussprache von k als g vor Vokalen (Gimmelgerner für 'Kümmelkörner') und von g als j (jut für 'gut') teilt sich das Nordostthüringische auch mit dem benachbarten Osterländischen.
Mit dem Mansfeldischen hat das Nordostthüringische einen kleinen eigenständigen Dialektraum um Hettstedt, Eisleben und Mansfeld. Die Sprache der Mansfelder verrät, dass dieser Landstrich früher zum Niederdeutschen gehörte und später insbesondere durch die wachsende Mobilität, bedingt durch den dort ansässigen Kupferschiefer- und Kalibergbau mehr und mehr mit mitteldeutschen Merkmalen durchsetzt wurde. Heinz Rosenkranz beschreibt das Mansfeldische auch als eine junge mitteldeutsche Mundart auf niederdeutschem Substrat, die wohl im 16. Jahrhundert entstanden ist.
Von der Zugehörigkeit zum mitteldeutschen Sprachraum zeugen Merkmale wie die Verschiebung der Plosive p, t und k in 'ich' (statt niederdeutsch ik), 'aus' (statt niederdeutsch uut) oder 'auf' (statt niederdeutsch up). Beim p ist diese Verschiebung in bestimmten Positionen nicht erfolgt, hier wird noch niederdeutsches Appel oder Strump gesprochen. Auch hat das Mansfeldische vom Thüringischen die mitteldeutsche Gutturalisierung von -nd- wie in fingen 'finden' übernommen oder die Senkung von i zu e generell in offener Tonsilbe (Weese für 'Wiese'). Vom westlichen Nordthüringischen grenzt sich das Mansfeldische durch die Spirantisierung aller anlautenden g vor Vokalen und Konsonanten ab. Man sagt Jans statt 'Gans', Jras statt 'Gras'. Ebenso werden im westlichen Mansfeldischen die alten Längen i und u diphthongiert Zeit, Bauer und nicht wie im Nordthüringischen bewahrt Ziet, Buur. Hingegen ist der östliche Teil mit der Mundart im Raum östlich Halle nahezu identisch.
Auch im Wortschatz finden sich Spuren der Beeinflussung durch das mitteldeutsche Thüringisch: Das thüringische Adjektiv trocken hat das niederdeutsche dreeche mehr und mehr verdrängt.
Rosenkranz verortet das Mansfeldische in den obersächsisch-osterländischen Mundartraum, während Spangenberg von einer Sonderstellung im Nordostthüringischen spricht.