Redepult mit Unterlagen

„Zoo geht Sächsisch“:

Phonetisch-phonologische Variation in der Alltagssprache von Leipzig
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Foto: Adobe Stock

Vortrag im Rahmen des JenLing-Kolloquiums: Simon Oppermann (Universität Leipzig)

In der modernen Regionalsprachenforschung stehen drei Dimensionen im Vordergrund: Horizontal-räumlich (z. B. Dialekte), vertikal-situativ (z. B. nach Formalität) und diachron-zeitlich. Nun wurden die historischen Dialekte im obersächsischen Kernraum vielerorts von einem Regiolekt abgelöst, was zu einer relativen Einheitlichkeit der Sprachgemeinschaft in horizontaler, aber auch in vertikaler Hinsicht geführt. Ob dies auch eine sprachliche Homogenität der Einzelpersonen bedeutet, soll nun überprüft werden – mikrodiachron, intersituativ und inter- wie intraindividuell.

Im Zentrum des Forschungsprojektes IVaL steht die Individuelle Variation im Lebenslauf, genauer die (In-)Stabilität phonetisch-phonologischer Merkmale im Lebenslauf ostmitteldeutscher Sprecher*innen. Die empirische Grundlage bilden 480 Episoden der öffentlich-rechtlichen Zoo-Dokusoap „Elefant, Tiger & Co.“ (MDR), welche seit 2003 kontinuierlich den Arbeitsalltag im Leipziger Zoo dokumentiert. Diese lange Laufzeit wurde für das IVaL-Projekt in fünf Erhebungszeiträume unterteilt.

Insgesamt kann die inter- wie intraindividuelle Sprechweise von 280 Einzelpersonen untersucht werden. 118 davon sind in mehreren Zeiträumen aufgetreten, 19 davon sogar an allen fünf Zeiträumen, was Vergleiche zwischen den mikrodiachronen Veränderungen von Einzelpersonen und Sprachgemeinschaft ermöglicht. Zuletzt wird auch die intersituative Dimension beleuchtet, da die menschlichen Akteure nicht nur zur Kamera sondern auch zu ihren Kolleg*innen und zu den Tieren sprechen. 

In formelleren Situationen (zur Kamera) wird meist standardnäher gesprochen, in informelleren Situationen (zu Kolleg*innen) meist dialektaler. Und mit den Tieren? Meist irgendwo dazwischen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Sprachwandel nicht allein als Prozess der Sprachgemeinschaft zur Festigung im Regiolekt zu verstehen ist, sondern sich auch im individuellen Lebenslauf vollzieht. Allerdings wird auch deutlich, dass sich individuelle und kollektive Veränderung nicht notwendigerweise decken.

Simon Oppermann (Universität Leipzig)

WANN und WO: 19.05. um 18:00 Uhr im Fürstengraben 30, SR im 1. OG.