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Studierende der FSU bei Thüringer Poetry-Slam-Landesmeisterschaften
Mehr erfahrenExterner LinkDie Studierenden Ida Müermann und Charlotte Seelinger vertreten den Masterstudiengang Professionelles Schreiben von der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei den XIV. Thüringer Landesmeisterschaften im Poetry Slam. Die Veranstaltung findet vom 21. bis 23. Mai 2026 statt und bringt die 20 besten Slam-Poet*innen aus ganz Thüringen zusammen.
Bei den Landesmeisterschaften treten Slammer*innen in einem literarischen Wettbewerb gegeneinander an. Poetry Slam verbindet Literatur mit Performance und lebt von der Wirkung auf der Bühne. Die vorgetragenen Texte reichen von Lyrik und Kurzprosa über Satire bis hin zu politischen oder autobiografischen Beiträgen. Entscheidend ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Vortrags. Stimme, Rhythmus, Körpersprache und Präsenz spielen eine Rolle.
Typischerweise gelten beim Poetry Slam klare Regeln: Die Texte müssen selbst geschrieben sein, Requisiten sind nicht erlaubt, und es gibt ein Zeitlimit (meist fünf bis sieben Minuten). Das Publikum übernimmt die Juryfunktion und entscheidet direkt über den Erfolg der Auftritte.
Die Veranstaltung findet im Comma in Gera statt und wird vom Hightslammer e.V. organisiert.
Tickets:
21.05., Halbfinale 1: (Auftritt Charlotte Seelinger)
https://www.tixforgigs.com/Event/71355/xiv-thuringer-landesmeisterschaften-im-poetry-slam-halbfinale-1-comma-club-gerExterner Link22.05., Halbfinale 2: (Auftritt Ida Müermann)
https://www.tixforgigs.com/Event/71356/xiv-thuringer-landesmeisterschaften-im-poetry-slam-halbfinale-2-comma-club-geExterner Link23.05., Finale:
https://www.tixforgigs.com/Event/71358/xiv-thuringer-landesmeisterschaft-im-poetry-slam-finale-comma-club-geraExterner Link -
30. Lesemarathon
Seit 1996 organisieren die Ernst-Abbe-Bücherei Jena und der Lesezeichen e.V. jährlich im Herbst den Lesemarathon. Eine vielfältige Auswahl an Autor*innen stellt hier ihre Werke vor: Von Belletristik bis Sachbuch ist alles dabei. Auch zum 30. Jubiläum durften sich Literaturinteressierte wieder auf ein spannendes und abwechslungsreiches Programm freuen. Auch ich habe 2025 drei Lesungen des Lesemarathons besucht.
Anne Sauer präsentiert bei ihrer Lesung am 06.11. ihren Roman Im Leben neben an. Sie beschäftigt sich in ihrem Text mit dem Thema gewollte und ungewollte Mutterschaft, indem sie im Wechsel zwei Versionen eines Lebens erzählt. Sie schafft eine angenehme Atmosphäre im Helene-Petrenz-Saal bei der Ernst-Abbe-Bücherei. Sie erreicht das Publikum mit ihrem Text, bringt uns an mehreren Stellen zum Lachen. „Was für eine universelle Erfahrung Literatur sein kann“, kommentiert sie das wunderbare Gefühl, wenn ihr Text in einem ganzen Raum dieselben Reaktionen hervorrufen kann.
Kahtrin Bach ist u.a. Lyrikerin und ich meine dies in der Art und Weise, in der sie ihren Roman vorliest, erkennen zu können. Am 28.11. hält sie ihre Lesung zu ihrem Roman Lebensversicherung in der Galerie am Stadtspeicher (ein Ort, den es sich auch unabhängig von Lesungen zu besuchen lohnt). Ihr Text hat eine gewisse Rhythmik. Wiederholungen spielen eine wichtige Rolle. Ihre Vorleseweise zieht mich in den Bann, ihre Thematik hält mich dort. Die Eltern von Bachs Ich-Erzählerin sind Versicherungsvertreter*innen zweiter Generation. Die ständige Gewissheit der nächsten Katastrophe, die mit diesem Berufsfeld einhergeht, verursacht in ihr eine ständige Angst. Das Buch ist eine collageartige Zusammenstellung aus Listen und Erinnerungen und eignet sich daher super für ein springendes und erfrischendes Vorleseerlebnis.
Am 09.12., wieder in den Räumlichkeiten der eab, gehe ich zur Lesung von Tamar Noort. Sie stellt ihr Buch Der Schlaf der Anderen vor und spricht dazu auch viel über ihren Schreibprozess. Einst selbst Nachtwache in einem Schlaflabor und auch selbst manchmal an Schlafstörungen leidend, ist der Schlaf ein Thema, dem sich Noort unbedingt zuwenden wollte. Der Schlaf. Dieser Zustand, in dem wir so viel Lebenszeit verbringen und den wir eigentlich doch gar nicht so richtig verstehen. Ihre beiden Hauptfiguren verbringen in dem Buch eine ganze Nacht miteinander, nach der nichts mehr bleibt, wie es einmal war.
Alle drei Autorinnen berühren etwas in mir – mit ihrer Vorleseart, ihrer Thematik, ihrer Offenheit zu ihrem Schreibprozess. Durch die Lesungen zieht sich eine warme, wohlige Stimmung. Es ist stets eine wunderbare Erfahrung, Lesungen zu besuchen, Literatur in einer Gemeinschaft zu erfahren und in Austausch mit Autor*innen zu kommen. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Lesemarathon.
Danielle Martens
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Theaterbesuch "Die kleinen Spitzen des Glücklichseins. Eine Show …"
Mehr erfahrenExterner Link„…oder zehn Versuche über die erlebte sexualisierte Gewalt zu sprechen und damit in der linken Szene und im Theater umzugehen“
Content Note: Im hier besprochenen Theaterstück werden sexualisierte Gewalt und Drogenkonsum thematisiert.
Kostüme wie bei der Met-Gala, ein blauer Buzzer, ein roter Buzzer, eine Couch, eine Konfetti-Kanone, eine Show. Besuch bei einer Aufführung von "Die kleinen Spitzen des Glücklichseins" im Theaterhaus Jena am 04.12.2025.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und ich habe nochmal so richtig Lust auf Theater. Eigentlich setze ich mich gerne in ein Stück und lasse mich überraschen, auf Hinweis des Dramaturgen Josef Bäcker informiere ich mich diesmal jedoch vorher über den Inhalt und kann dies nur jedem empfehlen: Das Stück bespricht die Themen sexualisierte Gewalt und Drogenkonsum offen und direkt und ist dabei doch unerwartet farbenfroh und unterhaltend. An mehreren Stellen wird fast unbeschwert gelacht. An anderen betreten geschwiegen. Diese Ambivalenz der Gefühle zieht sich durch den gesamten Abend.
Die drei Schauspielenden, Mona Louisa-Melinka Hempel, Jonathan Perleth und Christine Tielkes, schaffen es, mich komplett mitzureißen. Sie halten meine Aufmerksamkeit in langen Monologen und schnellen Dialogen, in den kleinen Hintergrundhandlungen, die sich durch das gesamte Stück ziehen – wie das exzessive Putzen von Perleths Figur. Aus den Augen lassen will ich sowieso keinem auf der Bühne: Die von Ryan Flynn gemachten Kostüme ziehen den Blick förmlich auf sich. Sie sind übertrieben, bunt, laut und verleihen dem Stück auch visuell etwas ganz Besonderes. Abgerundet mit Musik von Thari Kaan kann dieser Mix aus Theater, Performance und Show nur ein völlig mitreißendes Erlebnis sein.
Laut und offen sprechen die Figuren in dem Stück darüber, die Nächte auf Pep zu verbringen, über ihre sexuellen Erfahrungen und Vergewaltigung. Sie diskutieren Wochenenden bei IKEA und wie wir in 50 Jahren mit unseren Großeltern über diese Dinge sprechen. Die Szenen scheinen zu springen, wann immer eine Figur den roten Buzzer auf der Bühne drückt. Eine gewisse Rahmenhandlung des Ganzen: Es muss eine Show vorbereitet, Choreografien gelernt und Make-up aufgetragen werden. Zum Ende knallt eine Konfettikanone und der Applaus ist laut. Das breite Lächeln auf meinem Gesicht spiegelt das der Spielenden.
Dann falle ich hinaus aus dem begeisterten Applaus hinein in das Nachgespräch, sitze Rücken an Rücken mit einer Person, die ich nicht kenne und unterhalte mich in dieser sehr ungewohnten Position über das eben Gesehene. In der anschließenden Fragerunde erfahren wir, dass die improvisiert wirkenden Szenen und der Würfelbecher Überbleibsel aus der ca. acht Wochen umfassenden Probenzeit sind. Der Versuchscharakter des Stücks kommt auch hier auf sehr positive Art und Weise hervor. Die Schauspielenden waren am Entstehungsprozess des Stücks intensiv beteiligt, hatten die Möglichkeit, ganze Teile selbst zu schreiben.
Thomas Schmale und Lenni Hofer, welche über ein Jahr am Theaterhaus Jena assistiert haben, schaffen es mit ihrer ersten eigenen Produktion, das Publikum mit offenen Fragen und doch einem guten Gefühl nach Hause zu schicken. Eine Erfahrung, die ich nur herzlichst empfehlen kann.
Danielle Martens
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Bericht zur Lesung „Zerbrochenes Feuer”
Es heißt, dass Gegensätze sich anziehen und diese Veranstaltung hat einen mannigfach in den Bann gezogen: hell und dunkel, laut und leise, zart und hart, verletzlich und gewaltig. Am 05. Dezember 2025 fand in der Villa Rosenthal in Jena die Lesung von Linn Penelope Riegers neuem Essay Zerbrochenes Feuer statt, welcher 2025 im Matthes & Seitz Verlag erschien. Die Veranstaltung wurde von dem Soundkünstler und Musiker Kay Kalytta mit zunächst leisen Tönen, welche nach einem Crescendo in einem pompösen Ausbruch endeten, eröffnet. Das Licht war rot-orange, der Kronleuchter warf Schatten von kleinen Diamantformen an die Wand. Dr. Peter Braun vom Lese-Zeichen e.V. führte durch die Veranstaltung. Dabei wechselten sich Lesung, Gespräch und Musik ab, als würden Erdschichten mit Lava überzogen werden, immer und immer wieder, Schicht für Schicht. Die teilweise lauten, brodelnden Sounds standen im Kontrast zu Riegers emotionalen und verletzlichen Erzählungen.
Die Autorin spricht nicht von einer Naturkatastrophe, wenn sie einen Vulkanausbruch oder einen pyroklastischen Strom, eine Art Glutlawine, beschreibt. Stattdessen benutzt sie den Begriff Naturkraft. Das Wort „Pyroklast" stammt aus dem altgriechischen pyr für „Feuer” und klastós für „zerbrochen”. Und genau darin sieht Rieger die Poetik der Vulkane und findet ihren Arbeits-, sowie späteren Buchtitel. Sie setzt sich in ihrem 132 Seiten langen Essay mit Zukunftsängsten und Zweifel auseinander und, obwohl sie selbst nach ihren intensiven Recherchen niemals selbst auf einen aktiven Vulkan klettern würde, findet sie eine Art Geborgenheit in Vulkanen. So gewaltig und zerstörerisch Vulkane sein können, sind sie doch gleichzeitig Ursprung für neues Leben.
“Der Berg an sich ist keine Verletzung des Erdmantels, […]. Der Vulkan hingegen ist die ewige Wunde – dort wo die Verwundbarkeit und das ewige Aufbrechen der Krust zum Prinzip werden. […] Wenn ich nicht selbst zu Stein werden wollt ob der Veränderung meines Lebensraumes, musst ich vulkanisch werden, Wunde bleiben.” (Rieger, L. P. (2025). Zerbrochenes Feuer: Vulkane und das Ende der Welt. Matthes & Seitz Berlin.)
Corinna •Cörry• Schüller -
Lyrik-Workshop mit Andra Schwarz
Mehr erfahrenpdf, 66 kbSeltene Erden – von der Naturlyrik zur Umweltlyrik: Schreiben im Anthropozän (WS 2025/26)
In dem zweitägigen Workshop am 28.11. und am 12.12.2025 beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Naturbegriff im Zeitalter des Anthropozän und reagieren schreibend mit Kurztexten und/oder Gedichten auf die Veränderungen unserer Umwelt durch den Klimawandel. Ausgehend von Lektüren zeitgenössischer Gedichte zum Thema begeben sich die Studierenden auf die Suche nach ihrem persönlichen Zugang zur Natur und erforschen in eigenständigen Erkundungsgängen ihren Lebensraum. Dabei erhalten sie vielfältige methodische Impulse, unternehmen poetische Streifzüge und erproben in kurzen Übungen verschiedene Techniken des Kreativen Schreibens. Anschließend werden die entstandenen Texte auf freiwilliger Basis präsentiert und in gemeinsamen Feedbackrunden hinsichtlich ihrer literarischen Gestaltung reflektiert.
Für die Teilnahme am Workshop werden Textproben von 3 Gedichten oder Kurztexten erbeten. Diese können gerne an peter.braun@uni-jena.de gesendet werden.
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Willkommenslesung zum Semesterbeginn
Es herrscht gute Stimmung im Gewölbekeller Jena bei der Willkommenslesung 2025/26
Foto: Paula HanneckeEin Leseabend zum Semesterbeginn – Willkommen im Schreibstudium der Universität Jena
„Gather Ye Rosebuds while ye may“ – diese Zeile von Robert Herricks eröffnete den literarischen Kennenlernabend des Masterstudiengang Professionelles Schreiben: Für 9 neue Studierende hat das Studium gerade begonnen.
Am 20. Oktober haben die Drittsemester ihre Neuankömmlinge zu einem Leseabend im Haus auf der Mauer in Jena eingeladen.Bevor in den wöchentlichen Schreibwerkstätten eigene Texte vorgestellt werden, sollte hier das Eis gebrochen werden:
Bei Kerzenschein lasen sich die angehenden Schreibenden im Gewölbekeller Textpassagen vor. Nach Herricks Zeilen folgten Auszüge aus aktuellen Romanen – von juckenden Grindr-Dates über Siebträger-Schnack im österreichischen Dialekt bis hin zu dystopischen KI-Bestsellern. Auf dem Tisch lag eine Sammlung Thüringer Sagen, aber auch mal ein schmaler Lyrikband.
So vielseitig wie die Textauswahl waren auch die Wege, die unsere neuen Erstsemester zum professionellen Schreiben führten. Beim anschließenden Barabend erzählten sie, wie sie das weiterführende Studium gefunden haben: Einige nehmen sich nach einem Bachelor in ganz anderen Fächern nun endlich Zeit zum Schreiben, ein paar kommen auch schon aus der Sprachwissenschaft oder der freien Literaturszene.„Old Time is still a-flying“, heißt es weiter bei Herrick.
Während unsere Master-Erstis ihre erste Schreibaufgabe besprachen, teilten die Drittsemester schon Ideen zu ihren literarischen Abschlussarbeiten.
Aber erstmal wünschen wir unseren Erstsemestern einen inspirierenden Start, Freude an den wöchentlichen Werkstätten, beim Lesen – und auch beim Aktualisieren ihrer Wohnungsinserate in Jena. Viel Glück dabei.
Daniel Drosdek
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Besuch von Hannah Matuschek
Die Online-Marketing-Managerin Hannah Matuschek zu Gast im Studiengang
„Kenne deine Zielgruppe“
Am 23.06.2025, kam Hannah MatuschekExterner Link vom Verlag Kiepenheuer & Witsch nach Jena. Kiepenheuer & Witsch ist ein 1948 gegründeter deutscher Publikumsverlag mit Sitz in Köln. Hannah Matuschek ist dort angestellt als Online-Marketing-Managerin in den Bereichen Newsletter / Redaktion und Performance Marketing.
In der Vorlesung „Berufsfelder für Germanisten“ berichtete sie von ihrem Werdegang vom Studium über Praktika und Volontariat zu ihrer jetzigen Berufstätigkeit. Darüber hinaus stellte sie den Verlag, für den sie arbeitet, genauer vor. Besonders ging sie dabei auf die verschiedenen Abteilungen ein, um verständlicher zu machen, an genau welcher Stelle eines solchen Betriebs Online Marketing verortet ist. Sie erläuterte dann verschiedene Marketingmöglichkeiten für Buchprojekte und die verschiedenen Arbeitsbereiche im Online-Marketing. Abschließend beantwortete sie verschiedene Fragen aus dem Plenum.
In einem exklusiven Seminar für den Studiengang „Professionelles Schreiben“ gab sie einen vertieften Einblick in relevante Textsorten für das Online- und Social-Media-Marketing. Besprochen wurden Vorschautexte, Slogans, Interviews, Rezensionen, Newsletter und Social-Media-Texte wie beispielsweise Captions. Im Zentrum stand die Bedeutung von Zielgruppen und der Anpassung von marketingtechnischen Texten an diese. Sehr intensiv wurden verschiedene Möglichkeiten des Marketings auf Social-Media besprochen. Dabei ging es vor allem um Posts auf verschiedenen Plattformen, die in Form von Fotos, Grafiken mit Text und Memes, aber auch in kurzen Videos auftreten können.
In einem anschließenden praktischen Teil des Seminars, teilten sich die Studierenden in zwei Gruppen auf und erarbeiteten für zwei verschiedene Bücher Ideen für einen Instragram Post, einen Slogan und andere mögliche Onlinemarketinginhalte für die jeweiligen Titel. Abschließend wurden diese Ideen im Plenum diskutiert. Die besprochenen Inhalte wurden zudem in anschließenden Aufgaben und einer weiteren Sitzung des Seminars mit der Dozentin Sandra Kerschbaumer aufgearbeitet und vertieft.
Danielle Martens
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Release-Lesung der Anthologie "Feile"
Release-Lesung "Feile" im Stadtlab Jena.
Foto: Paula HanneckeAusklang des Sommersemesters im StadtLab Jena
Am 3. Juli fanden sich Literaturinteressierte und Neugierige in den offenen Räumen des StadtLab Jena ein. Vor der Kulisse der Innenstadt am Löbdergraben präsentierte eine Handvoll Studierender des ersten Jahrgangs des Masterstudiengangs "Professionelles Schreiben" ihre Texte – und luden ein, gemeinsam auf die erste Anthologie des Studiengangs anzustoßen: „Feile: Texte aus der Schreibwerkstatt“ versammelt Arbeiten aus Poesie, Fiktion und Essayistik.
Zwei Monate Vorbereitung flossen in den Abend, organisiert von einem Team um Vannina Horbas. Die Autorin mit einem besonderen Gespür für Poesie gab den Impuls zur Veranstaltung und ergriff gemeinsam mit einigen Kommilitonen die Initiative, um das Sommersemester literarisch ausklingen zu lassen.
Sechs Autor:innen lasen aus ihren Texten: feministische Dialoge mit der Uni-Toilette, poetische Introspektionen, essayistische Ausflüge in die Literaturgeschichte sowie Prosastücke – durch alle Gattungen zog sich das zentrale Thema: Wie lässt sich inneres Erleben für Außenstehende fühlbar machen? Charmant und beherzt führte Muriel Kühl, selbst Teil der Schreibwerkstatt, durch den Abend.
Schon an der Dekofarbe Hot-Pink ließ sich erkennen, dass das Event rund um den Release der “Feile” gebaut war. Einige der Lesebeiträge sind auch in der Anthologie abgedruckt. Für die Umsetzung der Publikation erhielt das zehnköpfige Redaktionsteam freundliche Unterstützung durch das Schreibzentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Wer es nicht zur Lesung geschafft hat, kann ein Exemplar der “Feile: Texte aus der Schreibwerkstatt” gegen eine Spende von 7 bis 10 Euro unter feile@fn.de anfragen.
Mit Texten von:
Ben Lindsay Steppath, Corinna Cörry Schüller, Daniel Drosdek, Danielle Martens, Emma Schuran, Erik Pöch, Ludwig Winter, Michelle Siegle, Muriel Kühl und Vannina Horbas.Wir freuen uns, einige literarische Arbeiten dieses Semesters mit euch teilen zu können – die nächste Ausgabe der “Feile” erscheint im Sommersemester 2026.
Bis dahin bleibt es spannend: Welche neuen Stimmen wird der zweite Jahrgang des Masters "Professionelles Schreiben" einbringen?Wer sich vorstellen kann, selbst Teil der nächsten „Feile“ zu werden, sollte den Bewerbungsschluss für den Master im Blick behalten: Noch bis zum 31. August können sich Interessierte aus allen Fachrichtungen mit Textproben bewerben.
Daniel Drosdek
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Theaterbesuch "Herrscht 07769"
Apokalypse, Frau Kanzlerin!
Unbeantwortete Briefe an Frau Merkel, beantwortete Fragen im Nachgespräch, Nebel und ein heftiger Regen, ein Roman und ein Security Mann. Besuch bei einer Aufführung von "Herrscht 07769" im Theaterhaus Jena.
Es sieht den ganzen Tag so aus, als würde es gleich richtig runterschütten. Der Himmel verdunkelt sich nuancenweise. Immer ein Stückchen dunkler. Irgendwer sagt: „Gleich kommt richtig was runter.“ Wir starten unseren Theaterbesuch in einem frühlingshaft grün verwucherten Biergarten. Im vorgewitterlichen Halbdämmern strahlen die hell erleuchteten Fenster des Innenraumes der Gastronomie ein warmes Licht und gemütliche Stimmung aus. So gemütlich, dass wir draußen bleiben, als es anfängt zu schütten. Der Himmel ergießt sich über uns, über den Köstritzer Sonnenschirm, unter dem wir sitzen und Weinschorlen trinken. „In 10 Minuten fängt die Vorstellung an“ versucht jemand den Regen zu übertönen und wir schauen uns unentschlossen an. Bis zum Theater sind es ca. 100 Meter Fußweg, die wir nicht ansatzweise trocken überstehen werden, wenn wir sie jetzt zurücklegen. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig und so landen wir klatschnass am Eingang vom Theaterhaus, werden von einem netten Herrn begrüßt und betreten dann die Eingangsschleuse, ein Kellergewölbe, von dem aus alle gemeinsam in den Aufführungsraum geleitet werde.
Im Saal sitzen wir auf einmal mitten in der Welt des Protagonisten Herrscht, in Kana, einem Dorf, das dem Jena nahe gelegenen Dorf Kahla nicht nur in der Namensgebung ähnelt. Sitzen also in Kana und sind den Reizen von dieses Ortes maßlos ausgeliefert, dem Nebel, dem Lärm, dem Bass in der Brust, der Brutalität und der Dunkelheit.
Ich wünsche mir, kurz den Raum verlassen zu können, draußen einmal Luft zu holen, mich auf das einzustellen, von dem ich nun weiß, dass es mich erwartet. Aber es gibt kein Zurück, bist du einmal in der Welt von Herrscht, bist du drin in der Dorfgemeinschaft und kommst nicht mehr raus. Es gibt alles, was ein Dorf eben braucht: einen Tresen, an dem getratscht wird und an dem es Bockwurst gibt, eine Tankstelle, Aral, die irgendwann in Flammen aufgeht. Außerdem Boss, der irgendwie das Sagen hat und ein klein wenig Kultur, etwas, auf das stolz geblickt wird, in dem Fall: Bach. On top ein bisschen Vandalismus und viele Charaktere, mit vielen verschiedenen Meinungen.
Mich verwirrt alles maßlos, ich war ewig nicht mehr im Theater und habe mich auf ein sanftes Berieseln gefreut, auf Dialoge, denen ich in Ruhe lausche und Menschen, deren Schauspiel ich bestaunen kann. Stattdessen ist die Bühne überschirmt von einem riesigen Bildschirm, auf dem ich den Teil des auf ungarisch gesprochenen Textes in rasanter Geschwindigkeit mitlese. Und einen Film schaue, der augenscheinlich von einem Kameramann auf der Bühne live gedreht wird. Es fühlt sich an wie eine riesige live Multiscreening-Situation. Dieses Stück hat zu viele Perspektiven und ich Schwierigkeiten zu folgen. Eine Einteilung in drei Teile und die Nummern, die auf dem Bildschirm angezeigt werden, machen es mir nicht leichter. Aber abschweifen ist nicht. Mein Gehirn rattert zu sehr, um Parallelen zu erkennen und Symbole zu verstehen:, den Wolf, der immer wieder an Kanas Wände gesprayt wird, die B88, eine dem Dorf nahegelegene Autobahn, schwarze Bomberjacken. Das Farbschema schwarz, weiß, blutrot, das sich durch das Stück zieht.
Ich orientiere mich nur langsam, kann die immer radikaler werdende Bedrohung und die steigende Verwirrung spüren. Kann Herrscht verstehen, der es versucht, allen recht zu machen. Der allen zuhört und nebenbei Briefe an die Kanzlerin schreibt, um selbst gehört zu werden und seinem Dorf eine Stimme zu geben. Briefe, die bis zur letzten Szene unbeantwortet bleiben und da ist es eigentlich schon zu spät.
Am Ende meines verwirrten und emotionalen Tunnels wartet etwas Klarheit, in Form eines Nachgespräches: ah ja, es geht um einen Roman. Titel: Herrscht 07769, alles in einem Satz geschrieben und noch einiges an Kontext. Zum Beispiel, dass sich die Machart des Films an Fernsehshows der 60er Jahre orientiert hat und die Romanfigur Herrscht an klassische ungarische Romanfiguren angelehnt ist. Die das Nachgespräch begleitende Frage lautet: was nehmen wir mit aus dem Stück? Und der den Abend überschattende Fakt: der nette, lächelnde Herr am Eingang vorhin am Theater war ein anwesender Security. Es hatte bei einer anderen Vorstellung in Rudolstadt eine Konfrontation gegeben, deshalb jetzt Security zum Schutz der Zuschauenden und Beteiligten. Das schmeckt so bitter, wie die Thematik des Stückes an sich. In Kombination fühlt es sich unwirklich an.
Am Ende bleibt aber doch eher ein süßer Nachgeschmack, weil ich so lange nicht mehr im Theater war und alles bekommen habe, was ich mir von einem Theaterbesuch wünsche: Emotionen, Nähe, nachdenken, reden, ein bisschen Verwirrung und Überraschung und Ehrfurcht vor dieser Kunst, außerdem der Wunsch nach Analogem.
Anna Paula Hannecke
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Besuch von Autor Uwe Wittstock
Der Autor Uwe Wittstock zu Besuch im Blauen Salon.
Foto: Peter BraunDer Autor Uwe Wittstock zu Gast im Studiengang
„Alles ist in der Literatur erlaubt, nur nicht Langeweile.“
Gleich zu Beginn des Sommersemesters 2025, am 14. April, kam der Autor Uwe Wittstock nach Jena. Im Mittelpunkt stand dabei sein BuchExterner Link „Februar 33. Der Winter der Literatur“, in dem er von jenem Monat unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung berichtet. Tag für Tag schreitet er voran und verfolgt, wie sich die veränderte politische Situation auf das Leben von etwa 25 Schriftstellerinnen und Schriftsteller auswirkte. Wittstock bezeichnete die Form, die ihm vorschwebte, als „erzählendes Sachbuch“.
In einem ersten, öffentlich zugänglichen Teil, zeichnete der Autor zunächst ausführlich den Entstehungsprozess des Buches nach – von der ersten Idee über die langwierigen Recherchen in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt/Main, in deren Nähe er wohnt, hin zu einem Exposé. Damit trat er an seine Agentur „Graf und Graf“ heran, mit der er bereits früher gearbeitet hatte und die aus den Interessenten einen Verlag auswählte. Mit deren Lektorin Stephanie Hölscher arbeitete er dann das Manuskript aus. Wittstock sprach auch über die Entscheidungen, die der Verlag traf: den Titel, die Cover-Gestaltung und die Werbung. Nicht zuletzt ging es auch um die finanziellen Aspekte.
In einer exklusiven Werkstatt für den Studiengang „Professionelles Schreiben“ gab er sodann einen vertieften Einblick in seine Werkstatt und seinen Schreibprozess. Mehrfach wies er darauf hin, in welchem Maß er von seiner jahrzehntelangen journalistischen Praxis profitiert habe. An konkreten Textstellen zeigte er, dass es ihm immer darum gegangen sei, die bekannten W-Fragen – wer, was, wann, wo, wie und warum – möglichst schnell zu beantworten, um den Lesenden eine Orientierung zu geben. Auch habe er immer den Anspruch an sich gestellt, so verständlich wie möglich zu schreiben, d.h. einfache Satzkonstruktionen zu verwenden und jeden Satz zu überprüfen, ob er für Lesende nachvollziehbar sei.
Im Hinblick auf den Komposition des Buches führte Wittstock aus, er habe aus dem vielen Materialien, darunter Tagebücher, Briefe, (Auto-)Biographien, aber auch die Tagespresse im Februar 1933, möglichst dichte, gut erzählbare Situationen ausgewählt – Momente, in denen sich die Ereignisse zuspitzen, Konflikte auftreten und Entscheidungen getroffen werden. Seinen dramaturgischen Leitgedanken habe er dabei der amerikanischen Literatur entnommen: immer die Spannung zu halten. Daraus habe er schließlich sein zeitgeschichtliches Tableau geformt, das er als Modell mit aktuellem Zeitbezug verstanden wissen will, wie schnell eine Demokratie zerstört werden kann.
Peter Braun
Einblicke ins Studienleben
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Autor Uwe Wittstock berichtet über seinen Schreib- und Schaffensprozess.
Foto: Peter Braun -
Interessierte Zuhörer im Blauen Salon bei der Buchbesprechung zu "Februar 33" mit dem Autor Uwe Wittstock.
Foto: Peter Braun -
Uwe Wittstocks Buch "Februar 33" thematisiert die Umstände der Machtergreifung 1933 aus einer literaturweltlichen Perspektive.
Foto: Peter Braun -
Willkommenslesung zum Semesterauftakt WS2025/26 im Gewölbekeller.
Foto: Paula Hannecke -
Es herrscht gute Stimmung im Gewölbekeller Jena bei der Willkommenslesung 2025/26
Foto: Paula Hannecke
BR Alpha Uni zu Besuch in unserem Studiengang
Im Format Alpha Uni des Bayerischen Rundfunks wurde die Studentin Anna Paula Hanneke in ihrem Studienalltag begleitet. Hier bekommt ihr einen lebendigen Eindruck von Seminaren und Textwerkstätten im Professionellen Schreiben.
Platzhalterbild — Stilisierte Darstellung eines Filmprojektors
Grafik: Freepik