Ein Teil der Exkursionsgruppe genießt die Stadt von oben

Exkursion 2012 Istanbul

Studienreise der FSU „Schmelztiegel Istanbul: Einblicke in die andere Türkei“
Ein Teil der Exkursionsgruppe genießt die Stadt von oben
Foto: Thede Kahl

Pause in Fener

Foto: Ioana Nechiti

Leitung: Thede Kahl
Bericht: Erdin Uygut

Als wir uns auf unsere Studienreise nach Istanbul vorbereiteten, lag die Exkursion noch ein halbes Jahr vor uns. Unter der Leitung von Prof. Kahl hatten wir uns in den vergangenen Semestern intensiv mit dem byzantinischen und osmanischen Kulturerbe vertraut gemacht. In den Seminaren über Kulturgeschichte Byzanz/Carigrad und frühe südslawische Dokumente hatten wir die Stadt bereits in Texten, Handschriften und Ikonen erkundet, uns in den Beschreibungen des Konstantinpalastes und der Konstantinsvita vertieft, und auf diese Weise einen ersten Zugang zu den Facetten Istanbuls gewonnen. Unsere Gruppe, die sich aus Studierenden der Südslawistik und der Südosteuropastudien zusammensetzte, konnte sich so auf die Exkursion einstimmen – sprachlich, kulturell und historisch.

Imbiss im Ägyptischen Basar in Istanbul

Foto: Anika Schachtschneider

Endlich vor Ort, begann die Faszination sofort zu wirken. Schon der erste Blick auf die Sultan-Ahmet-Moschee, die berühmte Blaue Moschee, ließ uns staunend innehalten. Die blauen Fliesen schimmerten in der Morgensonne, die sechs Minarette ragten imposant in den Himmel, und wir fühlten uns, als stünden wir mitten in der Geschichte. Vom Goldenen Horn bis zur Galata-Brücke, vom Topkapı- bis zum Dolmabahçe-Palast, wir durchschritten die Stadt wie durch ein lebendiges Museum. Jede Straße, jeder Basar, vom lebhaften Großen Basar bis zum ägyptischen Gewürzmarkt, war erfüllt von Gerüchen, Farben und Stimmen, die die multikulturelle Seele Istanbuls offenbar werden ließen. Die Chora-Kirche und das Museum für türkische und islamische Künste gaben uns Einblicke in die Kunstfertigkeit vergangener Jahrhunderte, während die Hagia Sophia und die Süleymaniye-Moschee uns die Synthese von christlicher und islamischer Architektur eindrücklich vor Augen führten.

Offizieller Empfang in der Black Sea Economic Cooperation

Foto: Ioana Nechiti

Neben den kunst- und kulturhistorischen Entdeckungen standen auch die lebendigen Seiten der Stadt auf unserem Programm. Wir diskutierten mit Vertretern der bosniakischen, bulgarischen und griechischen Gemeinden, besuchten das griechisch-orthodoxe Patriarchat und die Neve-Shalom-Synagoge und wurden vom stellvertretenden Direktor der Organization of the Black Sea Economic Cooperation in einer fürstlichen Villa am Bosporus empfangen. Die Gespräche machten deutlich, wie komplex das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen und Religionen in Istanbul noch immer ist und welche historischen Schichten das soziale Gefüge prägen.

Eine Gasse in Balat

Foto: Thede Kahl

Etwas ganz Besonderes war die Führung durch die Architektur der Stadtviertel Balat und Fener mit Dr. Aslı Odman. Kaum jemand kennt die Viertel so genau wie sie, die uns nicht nur durch die engen Gassen und pastellfarbenen Häuser führte, sondern auch die aktuellen Probleme der ehemals stark christlich besiedelten Viertel erklärte. Seit 1923 haben sich hier neue Bevölkerungsgruppen niedergelassen, darunter Pomaken, Albaner und Kurden, mit denen wir ebenfalls sprechen konnten. Besonders eindrücklich war die Problematik der sehr alten Holzhäuser, die trotz ihres kulturellen Wertes oft dem Verfall preisgegeben sind und deren Bewahrung große Herausforderungen für Stadtplanung und Denkmalschutz darstellt.

Die Exkursion war nicht nur eine Reise durch die Stadt, sondern in erster Linie eine Reise durch die Zeit! Jede Führung, jede Begegnung, von der Raumplanung an der Peripherie bis zu den Konzerten der Minderheiten, vertiefte unseren Blick auf Istanbul als Schmelztiegel von Kulturen, Sprachen und Religionen. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das die sorgfältige Vorbereitung in den Seminaren und Vorlesungen lebendig werden ließ.