Griechisch lernen in Jena
In Jena kann man auch Neugriechisch lernen. Klicken Sie hier für eine kleine Sprachvorstellung.
Leitung: Prof. Dr. Thede Kahl, Prof. Dr. Alexandra Ioannidou
Reisezeitraum: 8.–18. August 2014
Zielregion: Makedonien (Griechenland und Republik Makedonien)
Anzahl Teilnehmer: 15 Studierende sowie Leitung
Bericht: Alexandra Ioannidou, Thede Kahl, Andreea Pascaru
Gut zehn Tage hinweg führten uns unsere Wege durch das reiche historische, sprachliche und kulturelle Geflecht Südosteuropas, von Thessaloniki im Süden bis nach Demir Kapija im Norden, von den Bergen Zentralmakedoniens bis zu den Dörfern des Meglen. Sofort nach der Ankunft erfreute uns ein kulinarischer Eröffnungsabend und am nächsten Morgen eine Stadtführung durch das byzantinische und osmanische Thessaloniki. Byzantinische Kirchen, osmanische Bauwerke und das jüdische Viertel zeugen von der jahrhundertelangen Vielfalt. Besonders die Begegnung mit Vertretern slawischer Minderheitensprachen, aber auch die die Besuche an der Aristoteles-Universität machten deutlich, dass Thessaloniki noch heute ein Knotenpunkt kultureller und wissenschaftlicher Netzwerke war und ist.
Sotirios Kasimis (1936 - 2020) war einer der letzten aktiven Sprecher der Trakatruki-Varietät von Kizdervent (Kızderbent); hier spielt er für uns Oud
Foto: Thede KahlDie folgenden Tage führten uns in das Hinterland Zentralmakedoniens: Archangelos (Oshani), im Paiko-Gebirge gelegen, bot nicht nur geographische Höhepunkte mit dem Blick auf 2500 m hohe Berge, sondern auch ethnologische Einblicke. Die orthodoxen Klöster der Region und die megleno-vlachischen Gemeinden ermöglichten unseren Studierenden die praktische Anwendung von Interview- und Beobachtungstechniken. Hier konnten sie mündliche Überlieferungen dokumentieren, die teilweise nur noch in älteren Generationen weitergegeben werden – ein seltener Einblick in die lebendige Folklore der Region. Die Fahrt nach Lutraki (Pozar/Banja) wurde gekrönt durch ein Bad in den heißen Quellen in grüner Umgebung. In den umliegenden Dörfern kann man „unsere Sprache“ hören (makedonski). Wir führten dazu Diskussionen mit Athanasios Parisis, dem Vertreter der makedonischen Gemeinde des EBLUL (European Bureau for Lesser-Used Languages). Im Hinterland von Saloniki trafen wir die Nachfahren der 1922 aus Kizderbent (Türkei) vertriebenen Gruppen kennen – deren Sprache eine Kreolisierung aus Südslawisch und Türkisch darstellt.
Weinprobe in Demir Kapija
Foto: Andreea PascaruDie Reise bot auch Einblicke in religiöse Vielfalt: In alevitischen Dörfern besuchten wir Moscheen und führten angeregte Diskussionen über den Islam in der Region. Diese Begegnungen gaben den Studierenden ein realistisches Bild von religiösen Praktiken, Minoritätenrechten und sozialer Integration im ländlichen Makedonien. Eine weitere Besonderheit war die Weinprobe bei Demir Kapija, in einer romantischen, ruhigen Schlucht, durch die der Vardar fließt. Die Schlucht ist noch romantisch und spektakulär, doch die Pläne, dort eine Autobahn zu bauen, werden bald die landschaftliche Schönheit dramatisch verändern. Ein Bad im hier sehr schnell fließenden Vardar, dem längsten Fluss des Landes, zwischen steilen Felsen, rundete die Exkursion ab. Besondere Aufmerksamkeit galt auch der historischen Dimension: Die Region Makedonien war über Jahrhunderte ein Brennpunkt von Migration, Kulturkontakt und politischen Umbrüchen – von den ersten slawischen Siedlungen im 6. Jahrhundert über die osmanische Herrschaft bis hin zu den politischen Konflikten des 20. Jahrhunderts. Unsere Besuche in den Dörfern und Städten machten diese Geschichte greifbar und ermöglichten es den Studierenden, die historische Entwicklung, die ethnische Vielfalt und die aktuelle politische Situation in einen übergreifenden Kontext zu stellen.
Exkursionsgruppe in Diskussion mit meglenitischen Vlachinnen in Koupa (Cupa)
Foto: Thede KahlDie anschließenden Geländetage ermöglichten es den Studierenden, sich in Arbeitsgruppen zu spezialisieren:
Die Studierenden konnten hier seltene Dialekte aufnehmen, ethnologische Beobachtungen anstellen und die vielfältige kulturelle Landschaft Makedoniens unmittelbar erleben. Die Kombination aus theoretischer Vorbereitung, Feldforschung und persönlicher Begegnung machte die Exkursion zu einer einzigartigen Lernerfahrung.