Der Humanist Bessarion aus Trapezunt (1403-1472), Ölgemälde

Die Forschungsstelle Bessarion

beschäftigt sich mit kaum erforschten Aspekten der griechischen Kultur. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die Visualisierung selten gesprochener Dialekte, die Untersuchung griechischer Präsenz in Kleinasien und die Dokumentation bedrohten immateriellen Kulturerbes.
Der Humanist Bessarion aus Trapezunt (1403-1472), Ölgemälde
Foto: Walker Art Gallery, Liverpool, WAG 3279

Im September 2023 wurde auf Initiative der Professur für Südslawistik und des Verbandes der Vereine der Pontosgriechen in EuropaExterner Link an der Friedrich-Schiller-Universität die Forschungsstelle Bessarion zur Förderung der neugriechischen Studien in Forschung und Lehre eingerichtet. Die feierliche Eröffnung fand am 8. Nov. 2023 statt. 

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Thede Kahl
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Sotirios Rousiakis
Externe Mitarbeiterinnen: Dr. Isabella GreisingerExterner Link, Andreea PascaruExterner Link
Förderer: Stiftung Elliniko Spiti – Griechisches HausExterner Link, Griechische Gemeinde Frankfurt/Main HessenExterner Link, Vereinigung der Griechischen Lohnkürschner, AHEPA Frankfurt A617 – Johann Wolfgang GoetheExterner Link, AHEPA München A618 – Friedrich von ThierschExterner Link 
Verein Euxinos Pontos - Cardinal BessarioExterner Link (Nürnberg) 
Mitglieder des Netzwerkes: Vanishing Languages and Cultural HeritageExterner Link (Vienna), Universität MakedonienExterner Link (Thessaloniki), Genozid-Ausschuss des Verbandes der Vereine des Griechen aus Pontos in EuropaExterner Link (München), Verein Euxinos Pontos - Cardinal BessarioExterner Link (Nürnberg)

Wer war Bessarion?

Der Namensgeber der Forschungsstelle, Bessarion von Trapezunt, war ein byzantinischer Humanist, Theologe, Diplomat, Philologe und Kardinal. Er trug nach dem Fall Konstantinopels (1453) maßgeblich zur Verbreitung der griechischen Kultur und Sprache in Europa bei und wurde 1463 lateinischer Patriarch von Konstantinopel im Exil.

Forschungsbereich A: Neugriechische Dialekte als lebendige Tradition

Mehrsprachiger Wegweiser
Foto: Tsakonisch-standardgriechisches Willkommensschild in Tyros (© Andreea Pascaru)
Aufgaben
Erfassung, Visualisierung und Archivierung des sprachlichen und kulturellen Erbes der weniger erforschten griechischen Dialekte; Beschreibung der momentanen Situation und Entwicklung von Strategien zu deren Schutz.
Lokale Schwerpunkte: Makedonien, Dodekanes, Pontos, Kappadokien.
Humoristische Verse in einem Café (Agiassos 2017)
Foto: Humoristische Verse in einem Café (Agiassos 2017, © Thede Kahl)
Ziele
Ausbau der Jenaer Langzeitarchive LaZAR und EthnoThesaurus um griechisches ethnolinguistisches Material; Zurverfügungsstellung von Forschungsdaten für Linguisten, Kulturanthropologen und andere Interessierte; Formulierung von Empfehlungen zum Schutz bedrohter griechischer Sprachvarietäten.

Forschungsbereich B: Griechen in Kleinasien während der spätosmanischen Zeit 

Osmanisches Staatsarchiv in Istanbul
Foto: Osmanisches Staatsarchiv in Istanbul (© Başbakanlık Osmanlı Arşivi)
Forschungsthema
Lebensbedingungen der griechisch-orthodoxen Bevölkerung in Kleinasien im Zeitraum zwischen dem Hatt-ı Humayun (1856) und dem Vertrag von Lausanne (1923)
Sichtung eines Fermans (Karvali 2023)
Foto: Sichtung eines Fermans (Karvali 2023, © Thede Kahl)
Ziele
Aufbau eines Netzwerkes zur Untersuchung spätosmanischer Quellen; Analyse osmanischer Archivdokumente hinsichtlich der christlich-muslimischen Koexistenz im spätosmanischen Kleinasien; Aufarbeitung für wissenschaftlichen Veröffentlichungen

Forschungsbereich C: Bedrohtes immaterielles Kulturerbe

Despina Tsolakidou am Webstuhl (Asimenio 2021)
Foto: Despina Tsolakidou am Webstuhl (Thourio 2021, © Thede Kahl)
Aufgaben
• Dokumentation lokaler Produkte des immateriellen Kulturerbes und ihre Herstellungsmethoden
• Erforschung traditioneller Techniken und Kenntnisse
• Identifizierung von Gefährdungen und Entwicklung von Schutzmaßnahmen
• Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur langfristigen Erhaltung unter Einbindung lokaler Gemeinschaften
Kosmas Konstantinidis beim Raki-Brennen (Vathylakkos 2018)
Foto: Kosmas Konstantinidis beim Raki-Brennen (Vathylakkos 2018, © Thede Kahl)
Beispiele für traditionelle lokale Produkte
• Anbau von Mastix (Pistacia lentiscus) auf Chios
• Seidenraupenzucht in Soufli
• Krokus (Safran) in Kozani und Serres
• Töpferei auf Rhodos, Kreta, Lesvos u.a.
• Pelzindustrie im Westen Makedoniens
• "gerösteter" Raki auf Amorgos
• Knoblauchanbau in Nea Vyssa
• Metallschmiede in Epirus
u.v.m.
Tsabika Moustaka verrät geheimes Melekouni-Rezept (Koskinou 2023)
Foto: Tsabika Moustaka verrät geheimes Melekouni-Rezept (Koskinou 2023, © Thede Kahl)
Bedeutung lokaler Kulturen und Sprachen
Die Kenntnis lokaler Produkte und ihrer traditionellen Herstellung kann Sprecher*innen von Dialekten in ihrer Beziehung zu ihrem kulturellen Erbe bestärken und eine positive Einstellung unterstützen. Somit kann ihre wissenschaftliche Dokumentation nicht nur dazu beitragen, bedrohtes kulturelles Erbes zu bewahren, sondern verleiht ihr sogar neue wirtschaftliche und soziale Bedeutung.
Kaleidoskop lokaler griechischer Produkte, zu denen Untersuchungen geplant sind
Kaleidoskop lokaler griechischer Produkte, zu denen Untersuchungen geplant sind
Collage: Thede Kahl
Information

Die Forschungsselle hat bislang kein eigenes Organ, kooperiert aber eng mit dem Jahrbuch "Hellenika"Externer Link.

Die Arbeiten an den Forschungsbereichen A und C wurden bereits begonnen und laufen mindestens bis August 2026. Die finanzielle Unterstützung des Forschungsbereichs B wird in Zusammenarbeit mit dem Genozid-Ausschuss des Verbandes der Vereine der Pontosgriechen in Europa (München) und dem Verein Euxinos Pontos - Kardinal Bessario (Nürnberg) koordiniert.

Eindrücke von der Einweihung am 8.11.2023 (Film und Schnitt: Thede Kahl)