Digitale Datenbank Exilphilosophie 1933–1945
DFG Projektförderung
Karte DDEP
Screenshot: Maja Redlin
Wortmarke DDEP
Grafik: Maja RedlinDas Exil zur Zeit des Nationalsozialismus kennzeichnet eine Zäsur in der Geschichte der deutschsprachigen Philosophie. Zahlreiche einflussreiche Fachvertreter:innen verloren während der 1930er-Jahre ihre (universitäre) Anstellung und wurden zur Emigration aus dem nationalsozialistischen Herrschaftsbereich gezwungen. Doch nicht nur auf individualbiographischer Ebene hat der Nationalsozialismus drastische Spuren hinterlassen. Auch viele bekannte Strömungen der zeitgenössischen Philosophie hätten ohne das Exil und den damit einhergehenden Länderwechsel eine andere Entwicklung genommen. Es ist somit keineswegs übertrieben, das Exil als eines der prägendsten Ereignisse für die Philosophie des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen.
Die Digitale Datenbank Exilphilosophie 1933–1945 (DDEP) verfolgt das Ziel, die deutschsprachige Philosophie im Exil erstmals prosopographisch zu erschließen und zugänglich zu machen. Im Zentrum steht die umfangreiche Sammlung bio- und bibliographischer Daten rund um die Emigration, d. h. Kurzbiographien, Werke und Deposita sowie strukturierte Angaben zu Emigrationswegen, Karriereverläufen und Strömungen.
Die DDEP ist ein Datenrepositorium, auf das verschiedene Anwendungen zugreifen können. Die Einträge werden sowohl von externen Expert:innen als auch vom Redaktionsteam erstellt – letzteres insbesondere bei Philosoph:innen, zu denen es bislang keine oder kaum Forschung gibt. Alle Einträge werden konsequent zweisprachig (Deutsch/Englisch) angelegt, alle Personen mit Normdaten (GND, VIAF etc.) verknüpft und alle Lebensstationen datiert und georeferenziert (GeoNames) erfasst. Ein Editorial Board überprüft die wissenschaftliche Qualität der Einträge.
Struktur der Datenbank
Foto: DDEPDie Publikation der Daten erfolgt in zwei Formen: Das Web-Frontend basiert auf der Software NodegoatExterner Link. Dort kann das Datenmaterial nach unterschiedlichen Parametern geordnet, durchsucht und ausgewertet werden. Es eröffnet einen einfachen, visuell ansprechenden Zugriff, um neue Perspektiven auf Entstehung, Transformation und Fortbestand philosophischer Theorien unter den Bedingungen des Exils zu gewinnen. Am Ende der Projektlaufzeit erscheint auf Basis der Datensammlung zudem ein mehrbändiges Print-Lexikon im Schwabe Verlag (Berlin/Basel).
Die Aufbereitung und Bereitstellung der Daten folgt den FAIR-Prinzipien: Die Nachnutzbarkeit für andere Projekte ist durch unterschiedliche Exportformate (RDF, CSV, JSON etc.) und eine API sichergestellt. Die strukturierten Forschungsdaten werden unter CC0, die redaktionellen Texte unter CC BY 4.0 freigegeben. Alle Datenstände erhalten persistente Identifikatoren und werden über die Projektlaufzeit hinaus gesichert.
Projektstatus: Das Projekt befindet sich aktuell in der Projektphase 2, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die wesentlich den Aufbau des Datenbestands umfasst. Förderzeitraum: 02/2026–01/2029 (mehr InformationenExterner Link). Die Projektphase 1 wurde von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur sowie dem Zukunftsfonds der Republik Österreich unterstützt und beinhaltete die Programmierung, die Strukturierung der Datenbank und das Design. Förderzeitraum: 01/2023–12/2023.
Kontakt: Sie erreichen uns unter ddep@uni-jena.de.
Projektteam
- Dr. Max Beck (Universität JenaExterner Link / Österreichische Akademie der WissenschaftenExterner Link)
- Dr. Nicholas Coomann (Universität JenaExterner Link)
- Dr. Roman Yos (Universität WuppertalExterner Link)
Editorial Board
Leitung:
- Prof. Dr. Christoph Demmerling (Universität JenaExterner Link)
Mitglieder:
- Prof. Dr. Peter E. Gordon (Harvard UniversityExterner Link)
- Prof. Dr. Malachi H. Hacohen (Duke UniverityExterner Link)
- Prof. Dr. Gerald Hartung (Universität WuppertalExterner Link)
- Prof. Dr. Kerstin Schoor (Universität Frankfurt/OderExterner Link)
- Prof. Dr. em. Friedrich Stadler (Universität WienExterner Link)
- Prof. Dr. Sander Münster (Universität Jena)
- Dr. Sidonie Kellerer (Universität KölnExterner Link)
- Dr. Sylvia Asmus (Deutsche NationalbibliothekExterner Link)
Publikationen
Max Beck, Nicholas Coomann, Roman Yos (Hg.): Philosophie im Exil 1933–1945: Philosophische und philosophiehistorische Fragen, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 74 (2026), Nr. 3, 248–298. URL: https://www.degruyterbrill.com/de/journal/key/dzph/74/3/htmlExterner Link
Max Beck: Philosophieren im Exil. Logischer Empirismus und Kritische Theorie 1933–1945, Basel/Berlin: Schwabe Verlag 2026. URL: https://schwabe.ch/Max-Beck-Philosophieren-im-Exil-978-3-7965-5597-8Externer Link
Max Beck, Nicholas Coomann, Roman Yos, Christoph Demmerling: Das Publikationsverhaltens exilierter Philosoph:innen 1933–1945. Die Verknüpfung des Datenbestands der Deutschen Nationalbibliothek mit der Digitalen Datenbank Exilphilosophie durch Data Mining und generative KI, in: Berichte aus den DH-Förderprogrammen der Deutschen Nationalbibliothek. URL: https://d-nb.info/1365338908Externer Link
Max Beck, Nicholas Coomann (Hg.): Historische Erfahrung und begriffliche Transformation. Deutschsprachige Philosophie im Exil in den USA 1933–1945 (= Emigration – Exil – Kontinuität. Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung, Bd. 16), Berlin/Münster/Wien u.a.: LIT Verlag 2018. URL: https://www.lit-verlag.de/isbn/978-3-643-50887-4Externer Link
Medienecho
Frankfurter Rundschau, 15.03.2023. URL: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/flucht-vor-den-nazis-als-das-denken-auszog-92147667.htmlExterner Link
Deutschlandfunk, "Kultur heute", 06.02.2023. URL: https://www.deutschlandfunk.de/forschung-zur-exilphilosophie-an-der-uni-jena-roman-yos-im-gespraech-dlf-9bc6cef1-100.htmlExterner Link
MDR Kultur, "Kultur kompakt", 06.02.2023. URL: https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung-823794.htmlExterner Link
WDR 5, "Scala", 03.02.2023. URL: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala/audio-wdr--scala---ganze-sendung-1608.htmlExterner Link (ab Min. 28:30)
Deutschlandfunk, "Kultur heute", 03.02.2023. URL: https://www.deutschlandfunk.de/kulturmeldungen-03-02-dlf-0a59fe05-100.htmlExterner Link (ab Min. 2:10)