Anna Sophie Hellmuth
Dissertationsprojekt: „Kleinstaatliche Dynastinnen als monarchische Akteurinnen in Europa 1800–1870. Adelheid von Sachsen-Meiningen (1792–1849), Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1786–1861), Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792–1854) und Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach (1808–1877)“
Kleinstaatliche Prinzessinnen aus Thüringen – Adelheid von Sachsen-Meiningen, Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Therese von Sachsen-Hildburghausen und Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach – erscheinen in der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts oft nur als Randfiguren, als schmückendes Beiwerk größerer Dynastien. Dieses Projekt setzt genau hier an und nimmt sie als eigenständige, transnationale Akteurinnen ernst, die zwischen 1800 und 1870 tief in die monarchischen Verflechtungen Europas eingewoben waren.
Aus protestantisch-frömmigen, bildungsorientierten Höfen hervorgegangen, nutzten sie Heiraten nicht nur als dynastische Pflicht, sondern als Sprungbrett in Großmächte wie Großbritannien, Bayern und Preußen. Das Projekt beleuchtet die Rollen dieser Dynastinnen in der politischen Repräsentation und Legitimation monarchischer Herrschaft, ihre Einflussnahme auf Außendarstellung, Hofalltag und Wohltätigkeit sowie ihre transformative Wirkung auf dynastische und transnationale Netzwerke. In ihren neuen Kontexten verschmolzen familiäre Rollen, höfische Repräsentation und politische Einflussnahme zu einem Geflecht, in dem Kindererziehung, Regentschaftsszenarien oder die Inszenierung der „Landesmutter“ zu hochpolitischen Praktiken wurden.
Zugleich traten diese Frauen als Stifterinnen, Wohltäterinnen und Kulturvermittlerinnen auf, die über Konfessions- und Landesgrenzen hinweg Werte, Personen und Ideen in Bewegung setzten. Indem das Projekt ihre Handlungsspielräume und Strategien freilegt, rückt es die scheinbaren Nebenfiguren ins Zentrum und zeigt: Gerade die Fürstinnen der thüringischen Kleinstaaten markieren bislang unterschätzte Schnittstellen einer europäischen Politik- und Kulturgeschichte, die ohne sie unvollständig erzählt bleibt.
wiss. Werdegang
- seit 11/2025 – wissenschaftliche Assistentin an der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- seit 10/2025 – Doktorandin an der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- seit 08/2025 – Honorardozentin an der Volkhochschule Jena, Deutsch und Geschichte für den Haupt- und Realschulkurs
- 04/2021 - 09/2025 – Studium Lehramt an Gymnasien (Jenaer Modell) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fächer: Deutsch und Geschichte – Abschluss: Erstes Staatsexamen
- 10/2019 - 03/2021 – Studium Lehramt an Gymnasien (Jenaer Modell) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fächer: Deutsch und Wirtschaftslehre/Recht
Robert Proske, M.A.
Dissertationsprojekt: "Amtleute, Reformpolitik und Krisenkommunikation in den ernestinischen Staaten Thüringens 1770-1870"
In einer Zeit der 'multiplen Krisen' und der gesellschaftlichen Herausforderungen des aktuellen sozialökonomischen Transformationsprozesses geraten die Reformfähigkeit der Verwaltung und die kommunikativen Möglichkeiten von lokalen Entscheidungsträgern als Vermittler zwischen Regierung und lokaler/regionaler Bevölkerung wieder in den Fokus des geschichtswissenschaftlichen Interesses. Für
den industriellen Transformationsprozess Thüringens bieten sich dabei die (Justiz-) Amtleute im Besonderen an, da das Amt als Behörde eine besondere Rolle bei der Institutionalisierung von Herrschaft am Übergang zwischen Früher Neuzeit und Moderne besaß. Die Amtleute waren dabei ein "Scharnier" oder eine "Schnittstelle" zwischen den jeweiligen kleinstaatlichen Regierungen und den Bürgern und Bürgerinnen der kleineren Städte und Orte. Sie waren als Informationsquelle, aber auch zur Umsetzung herrschaftlicher Reformprojekte und Gesetzesvorhaben wichtige Bezugspunkte. Während die Ortsbeamten als Gruppe und die Reformpolitik der Regierungsbeamten bereits auch für thüringische Staaten behandelt wurden, ist die Forschung zu den Amtleuten als Akteuren der Reformpolitik in den ernestinischen Kleinstaaten im Zeitraum zwischen 1770 und 1870 noch ein Desiderat. Das Dissertationsprojekt möchte an dieser Stelle ansetzen, um neben einer kollektivbiografischen Aufarbeitung der Amtleute als soziale Gruppe besonders deren Einfluss auf die Reformgesetzgebung und die Kommunikation zwischen Bevölkerung und Regierung während der prägenden Krisenzeiten im Untersuchungszeitraum erstmalig zu beleuchten.
wiss. Werdegang:
- ab April 2024 Doktorand an der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- ab April 2022 wissenschaftlicher Assistent an der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- 2020-2023 Studium der Neueren Geschichte (M.A.) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
- 2016-2019 Studium der Geschichte und der Ur- und Frühgeschichte (B.A.) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Oskar Kilian Wasielewski, M. A.
Dissertationsprojekt:
Kleinstaatliche Diplomatie auf europäischer Ebene. Das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg auf dem Wiener Kongress
Sachsen-Gotha und Altenburg erlebte als größter thüringischer Staat seit dem Ende des Alten Reichs 1806 außenpolitische Unsicherheiten und wechselnde Bündnisse. Auf dem Wiener Kongress musste sich das Herzogtum ohne dynastische Verbindung zu einer Großmacht behaupten und seine Interessen bei der Neuordnung Europas und den Verhandlungen zum Deutschen Bund einbringen. Im Promotionsvorhaben wird gefragt, welche Möglichkeiten der Einflussnahme es für den Thüringer Kleinstaat gab und inwiefern die thüringischen Staaten als Konkurrenten oder Partner in Wien auftraten. Dabei soll insbesondere auf die Ordnungsvorstellungen und Handlungsstrategien des Herzogtums sowie auf die Nutzbarmachung von politischen Netzwerken eingegangen werden.
Curriculum Vitae
- 06/2022 - 05/2024: Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- seit April 2022: Promotionsvorhaben mit dem Titel: „Kleinstaatliche Diplomatie auf europäischer Ebene. Das Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg auf dem Wiener Kongress“
- 04/2019 - 03/2022: Studium der Neueren Geschichte (M.A.) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
- 10/2015 - 03/2019: Studium der Geschichts- und Politikwissenschaft (B.A.) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dr. phil. Ferdinand Kämpfer (Promotion 2025 abgeschlossen)
Dissertationsprojekt: Die thüringische Einheitsfrage während der Revolutionsjahre 1848/49. Mit besonderer Betrachtung der reußischen Fürstentümer und des Herzogtums Sachsen-Altenburg
Die Regenten und Staatsminister der Thüringer Kleinstaaten versuchten während der Revolution von 1848/49 eine erstmalige vollumfängliche politische und administrative Einheit zu bilden. Die Realisierung eines solchen Projektes scheiterte nicht nur am dynastischen Selbstbewusstsein der Thüringer Fürsten und Herzöge, sondern auch an der Sturheit einzelner Minister auf den Einheitskonferenzen zu Gotha. Neben der staatspolitischen Ebene spielte die Bevölkerung eine erhebliche Rolle. Erstmals in der Geschichte richtete sich diese mit Petitionen und Briefen an die jeweiligen Landesherren und drückte neben politischen Forderungen ihre (Wunsch-)Zugehörigkeit zu einem einheitlichen Thüringen, zu ihrem Heimatstaat, zu ihrer Region oder gar zum Königreich Sachsen aus. Für das Dissertationsvorhaben liegt der Fokus sowohl auf der Rolle der Thüringischen Staaten, allen voran der reußischen Fürstentümer und des Herzogtums Sachsen-Altenburg, vielmehr jedoch auf der Bevölkerung und deren Bezug zum Begriff "Thüringen". Damit deckt die Arbeit neben der politischen Ereignisgeschichte auch die Thüringer Alltagsgeschichte ab.
wiss. Werdegang:
- 2022-2025: Doktorand an der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens
- 2020-2022: Masterstudium Geschichte transkulturell an der Universität Erfurt
- 2019 (März-Nov.): Praktikum als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität
Potsdam bei Prof. Dr. Geppert
- 2016-2020: Bachelorstudium Geschichte, Politik und Gesellschaft an der Universität Potsdam