Morphologie und Syntax thüringischer Dialekte

Vergleichsanschluss in thüringischen Dialekten (Ergebnis der Nachauswertung von ThWB-Fragebögen)

Vergleichsanschluss in thüringischen Dialekten (Ergebnis der Nachauswertung von ThWB-Fragebögen)

Karte: Ergebnis der Nachauswertung von ThWB-Fragebögen

Morphologie und Syntax thüringischer Dialekte

Die Dialekte zeichnen sich nicht nur durch einen besonderen Wortschatz (Lexik) und besondere Laute (Phonologie) aus, sondern auch durch einen besonderen Satzbau (Syntax) und eine besondere Wortformenbildung (Morphologie). Lexik und Phonologie der thüringischen Dialekte sind bereits gut erforscht, Syntax und Morphologie dagegen noch kaum. Unsere Arbeit an der Professur für Sprachwandel und sprachliche Variation hat das Ziel, dazu beizutragen, genau diese Forschungslücke zu schließen.

In Kürze startet das neue DFG-finanzierte Forschungsprojekt (Morpho-)Syntax thüringischer Dialekte (MoSTh) unter Leitung von Prof. Dr. Agnes Jäger. In diesem Projekt sollen die Syntax und Morphosyntax thüringischer Dialekte auf Grundlage umfassender Neuerhebungen untersucht werden. Die Daten sollen dabei vor dem Hintergrund aktueller dialektologischer und syntaxtheoretischer Forschung ausgewertet und einerseits mit benachbarten Dialektregionen und andererseits mit älteren Sprachdaten aus dem thüringischen Dialektgebiet verglichen werden. Dies trägt dazu bei, die syntaktisch-strukturellen Eigenschaften ausgewählter Konstruktionen aus dem verbalen, (pro-)nominalen und satzsyntaktischen Bereich sowie die Interaktion von Syntax und Morphologie besser zu verstehen und mit areallinguistischen und diachronen Mustern zu korrelieren (s. Projektbeschreibung: https://gepris.dfg.de/project/585954895).

Aktuell ist die Projektmitarbeiterstelle (65%, E 13 TV-L, befristet auf 3 Jahre) ausgeschrieben:
https://jobs.uni-jena.de/jobposting/f02d4786242a4affd3b33d8d0117911320408d590Externer Link
Wir freuen uns über Bewerbungen bis 14.11.2026!

Wenn Sie selbst einen thüringischen Dialekt sprechen und Interesse haben, an einer unserer nächsten Dialekterhebungen teilzunehmen, melden Sie sich gern unter dialektforschung@uni-jena.de

An der Professur für Sprachwandel und sprachliche Variation werden zudem Dialektfragebögen aus dem Archiv des Thüringischen Wörterbuchs unter syntaktischer und morphologischer Perspektive neu ausgewertet. Dabei geht es u.a. um die unterschiedliche Ausprägung von Vergleichskonstruktionen (z.B. Das wesse mai doch vill basser bi eui! / Das wessj fehl besser als wie ihr! ‚Das wissen wir/weiß ich viel besser als ihr!‘ – s. Karte), Reflexivkonstruktionen (z.B. Mi hon sich geerd. ‚Wir haben uns geirrt.‘), ge-Infinitiven (z.B. Kannste mech in de Arbsen e Steck Worscht nîn geschnît. ‚Kannst du mir in die Erbsen ein Stück Wurst hineinschneiden?‘), Verbformen (z.B. ech han/hun/hon ‚ich habe‘) und anderen syntaktischen und morphologischen Phänomenen in thüringischen Dialekten. Erste Ergebnisse wurden bereits auf Tagungen und bei Kolloquien u.a. in Münster und Marburg präsentiert. Darüber hinaus wurde 2023 als Pilotstudie eine Fragebogenerhebung an ausgewählten Orten im thüringischen Dialektgebiet durchgeführt. 
Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Tagungsposter (Morpho-)Syntax des Thüringischen

Tagungsposter (Morpho-)Syntax des Thüringischen

Foto: Professur für Sprachwandel und sprachliche Variation

 

Im Frühjahr 2025 fand an der Universität Jena die Tagung "(Morpho-)Syntax des Thüringischen und angrenzender Dialekträume" statt (Link zur Tagungswebseite mit Programm und Abstracts der Vorträge).