Abgeschlossene Dissertationen
Bis 2026
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Die literarische Umsetzung kroatischer Geschichte in den Balladen Miroslav Krležas. Vollständige Übersetzung und Interpretation von einundzwanzig ausgewählten Balladen. Entstehungsbedingungen und Rezeption
Promovent:
Gottwald BergkesselBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
Conditio humana, Gott und der Teufel.Die Grundlage dieser Dissertation sind die Balladen des Petrica Kerempuh, ein Zyklus von zuletzt 34 Balladen, der von dem kroatischen Autor Miroslav Krleža erstmals im Jahr 1936 veröffentlicht wurde.
Das Eigentümliche und Charakteristische, die Tiefe und Weite, die literarische Schönheit von Krležas Meisterwerk soll gerade in der Beschränkung auf die dafür ausgewählten Balladen sichtbar werden. Sie sind in einem eigentümlichen Kajkavisch geschrieben, nicht einfach nur im Heimatdialekt von Krleža, sondern in einem „Hybridkajkavisch“ mit verschiedenen anderen Sprachkomponenten. Petrica Kerempuh ist die erzählende Figur, ein Vagant und plebeijscher Prophet um das 16. Jahrhundert, dessen „Geschichten“ so wirkmächtig sind, dass er oft dahinter verschwindet.
Es geht also um Geschichte, nicht von „oben herab“ erzählt, sondern von „unten herauf“, um Herrschaft und Fremdherrschaft, um die Leiden des kroatischen Volkes im „verfluchten Mesopotamien“, der Großregion zwischen Drau, Save und Donau, in schicksalhafter Vernetzung mit anderen Ländern und Völkern.
Die oft „kryptischen“, vom Verfasser ins Deutsche übersetzten Balladen, sind ohne die von ihm vorgenommenen ausführlichen Interpretationen und Erläuterungen nicht zu verstehen. Die Balladen haben eine dreifache Struktur – die „Geschichte“ selbst, als Zweites die in ihr verborgenen Verweise, „Fährten“, Andeutungen über philosophische Texte und Bibelworte, die als Drittes in Beziehung zu der erzählten „Geschichte“ gebracht werden müssen. Diese liefert nur das Hintergrundrauschen einer kroatischen Vergangenheit: verbalisierte Ängste, Emotionen, Gefühle der Ausweglosigkeit, Phantomschmerzen erlittener Peinigungen, Demütigungen, Not und Unterdrückung.
In thematischer und zeitlicher Hinsicht spiegeln die Balladen mehrere Jahrhunderte kroatischer Geschichte wider. Die hauptsächlichen Ereignisse, um die sie kreisen, sind der Bauernaufstand des Matija Gubec von 1573 (von ihm ist in fünf Balladen die Rede) sowie die jahrhhundertelangen Kriege mit dem Osmanischen Reich, die an vielen Stellen zur Sprache kommen.
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Literatur der Zwischenzeit. Die Displaced Persons in der polnischen Literatur
Promovent:
Johann WiedeBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
Die literaturgeschichtliche Dissertation zielt die Erschließung eines bisher nicht gezielt (oder nur peripher durch die Geschichtswissenschaft) untersuchten Forschungsgegenstandes, der Literatur über die Displaced Persons – vor allem KZ-Überlebende, ehemalige Zwangsarbeitenden und Kriegsgefangene – in der polnischen Literatur seit 1945. Sie finden sich beispielsweise in einigen Texten von bekannteren polnischen Autoren wie Tadeusz Nowakowski, Jerzy Stempowski oder Tadeusz Borowski, aber auch vielfach in noch nicht untersuchten und/oder übersetzten kleineren Formen – wie z.B. in DP-Lager-Zeitungen, Reportagen oder Artikeln in der Exilpublizistik.Dieses bewusst literarisch und publizistisch weitgefasste Textmaterial wird anhand strukturierender und gattungsspezifischer Merkmale untersucht. Leitend in der Analyse der Texte ist die Frage, ob sich konstitutive Schreibweisen, Motiven und Erzählformen feststellen lassen, die für ein eigenständiges Genre einer polnischen DP-Literatur sprechen. Dabei berufe ich mich auf die vor allem in der polnischen Literaturwissenschaft geleisteten Vorarbeiten zur Zeugnis- und Lagerliteratur und werfe einen komparatistischen Blick auf andere DP-Literaturen, vor allem zur jiddischen und lettischen DP-Literatur. Mit drei größeren analytischen Analyseteilen zu fiktionalen, dokumentarischen und publizistischen Texten von und über DPs bietet die Forschungsarbeit eine Grundlage für weitere spezifische Analysen und Arbeiten zur polnischen und transnationalen DP-Literatur.
Bis 2017
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Autoren südosteuropäischer Herkunft im transkulturellen Kontext
Promoventin:
Milica GrujičićBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
In der Untersuchung wird aufgezeigt, wie deutschsprachige Autoren südosteuropäischer Herkunft transkulturelle Räume in ihren Werken artikulieren und die Variablen der deutschsprachigen Literatur refigurieren. Zu diesem Zweck werden die Raumkonstruktionen in vier postmodernen migrationsbezogenen Romanen untersucht und ihre Autoren, Florescu, Trojanow, Bodrožić und Stanišić, einer vergleichenden Analyse unterzogen. Die Verfasserin untersucht die Frage nach strukturellen, inhaltlichen und narrativen Ähnlichkeiten zwischen den literarischen Werken, um festzustellen, ob bei Ihnen eine gemeinsame Raumästhetik nachweisbar ist. Die Tragbarkeit eines „Southeastern Turn“ wird dabei geprüft. Lotmans Raumtheorie zeigt sich dabei als besonders gewinnbringend, da sie das Infragestellen von Grenzen anspricht und sich auf transkulturell angelegte Vorstellungen stützt. -
Emotionalität in der polnischen Holocaust-Literatur. Zu Erzähltexten der Generation der Nachgeborenen
Promovent:
Thomas SchmidtBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
Die Dissertation untersucht polnische Erzähltexte der Generation der Nachgeborenen über den Holocaust auf ihre Emotionalität hin. Dabei wird aus einzelnen Ergebnissen und Ansätzen der literaturwissenschaftlichen Emotionsforschung ein wirkungs- bzw. rezeptionsästhetischer Ansatz entwickelt und durch neuere Erkenntnisse etwa der kognitiven Narratologie erweitert. Anhand des gewonnenen systematischen Analyserasters werden in detaillierten Einzelanalysen vier zentrale Romane (Piotr Szewc: Zagłada (1987), Marek Bieńczyk: Tworki (1999), Zyta Rudzka: Ślicznotka doktora Josefa (2006) und Andrzej Bart: Fabryka muchołapek (2008)), die den Beginn der Generation der Nachgeborenen in der polnischen Holocaustliteratur markieren, auf ihre Emotionspotentiale hin untersucht. Herausgearbeitet werden dabei nicht nur die zentralen Emotionen in den Texten und die Strukturen, die Emotionen im Rezipienten auslösen sollen, sondern auch insgesamt die jeweiligen Schreibstrategien und Funktionen der Emotionalisierungspotentiale, etwa hinsichtlich der Vergegenwärtigung des Holocaust.Die Analyseergebnisse werden zum einen literaturgeschichtlich verortet, zum anderen werden sie als Elemente der Erinnerungskultur in Polen auf ihre Funktion im breiteren Kontext der Gedächtnistheorien hin untersucht. Emotionalisierungsstrategien spielen eine wichtige Rolle etwa hinsichtlich der Schaffung einer Gegenerinnerung oder Fähigkeit zur Trauer. Damit wird insgesamt die Erkenntnisleistung von fiktionalen Texten über den Holocaust gegenüber sachlichen und dokumentarischen Texten gegenübergestellt, die u. a. in den sehr vielfältigen Möglichkeiten der Emotionalisierung des Lesers liegt und im Kern auf diese Weise die im Stande ist, die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten.
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Das Corpus Tibullianum in Russland
Mehr erfahrenExterner LinkPromoventin:
Constanze WünscherBetreuerin:
PD Dr. Christine FischerBeschreibung:
Das „Corpus Tibullianum“ gelangt im 18. Jahrhundert über die französische Literatur in das Blickfeld russischer Dichter-Übersetzer. Eine wahre Blütezeit erlebt die produktive russische Tibull-Rezeption in den Jahren von 1794 bis 1831. Wie sich die Dichter-Übersetzer die Textvorlage zunehmend kreativ aneignen und wie sie sich damit auseinandersetzen, zeigt Constanze Wünscher anhand von Reminiszenzen und Allusionen auf das „Corpus“ in russischen Gedichten und (lyrischen) Übersetzungen unterschiedlicher Spielarten. Die untersuchten Texte stammen von namhaften russischen Lyrikern wie Puškin, Lermontov, Batjuškov und Fet, aber auch von heute weitgehend vergessenen Autoren wie Anastasevič und Olin.
Bis 2015
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Resultats- und prozessorientierter Diskurs in der osteuropäischen Gegenwartsliteratur
Promovent/in:
Timo JancaBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
Literarische Werke können als Spiegel gesellschaftlicher Identifizierungsprozesse betrachtet werden. Gemeinhin angenommen wird, dass solche Konzepte sich stets durch einen bestätigenden oder modifizierenden Diskurs manifestieren. Um den Zusammenhang von Diskurs und systemischer Positionierung seiner Teilhaber herzustellen, wird auf die Methodik der Kritischen Diskursanalyse eingegangen. Die von Teun van Dijk in Discourse and Power (2008) vorgeschlagenen vier Grundkategorien einer vollständigen Untersuchung werden als Subjekt- und Themenbestimmung, diskreditierende Fremdcharakterisierung sowie der Fremdnutzen von intimen Wissensbeständen bezeichnet. Anhand dieser vier Aspekte wird die Figurenrede im literarischen Werk hinsichtlich ihrer sprachlichen und semantischen Struktur analysiert. Wie der Titel der Untersuchung andeutet, werden zwei grundlegend verschiedene Gestaltungsmuster für die Dialogführung im literarischen Werk angenommen. Ein solches Vorgehen steht in Übereinstimmung mit Bezrukovs Untersuchung von Ampir "V" (2006) des russischen Schriftstellers Viktor Pelevin, der auf die bedeutende Funktion von Sprache für die Positionierung der Protagonisten zueinander hindeutet (Bezrukov 2014: 152). Für die Analyse wurden Werke von vier osteuropäischen Autoren, darunter Jurij Mamleev, Viktor Pelevin, Paweł Huelle sowie Jurij Andruchovič gewählt, deren Nationen sich hinsichtlich der gesellschaftlichen Entwicklung nach der Wende von 1991 unterscheiden.
Bis 2013
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Die Zeitschrift Literaturnyj kritik im Zeichen sowjetischer Literaturpolitik
Promovent/in:
Nils MeierBetreuung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-FraatzBeschreibung:
„Literaturnyj kritik“ ist der Name einer Zeitschrift für Literaturtheorie und -kritik, die in der Sowjetunion 1933 gegründet und 1940 verboten wurde. Seit dem Verbot gehen die Ansichten darüber auseinander, ob es sich beim Literaturnyj kritik um eine Zeitschrift gehandelt hat, die mehr oder weniger in Opposition zum Stalinschen Regime stand. Für einen oppositionellen Charakter sprechen die Verfemung und das Verbot der Zeitschrift ab 1939, sowie die Einschätzung einiger Mitarbeiter, die nach Ende der Stalin-Ära angaben, dass die Redaktion gegen offizielle Normen opponiert habe. Diese Auffassung findet im Westen vor allem aufgrund der Darstellung des einstigen Redaktionsmitglieds Georg Lukács Beachtung. Gegen einen oppositionellen Charakter sprechen Forschungsergebnisse, die in der Zeitschrift ein reguläres Instrument der offiziellen Literaturpolitik erkennen, wobei allerdings bislang keine eindeutige Begründung erbracht werden konnte. Insgesamt bleibt das Bild auch innerhalb der neueren Forschung uneinheitlich.Der Autor stellt ausgehend von den ideellen und historischen Voraussetzungen sowjetischer Literaturpolitik dar, dass und in welchem Sinne Literatur und Literaturtheorie in der damaligen Sowjetunion als politische Angelegenheit behandelt wurden. Der ideelle Gehalt dieser Literaturpolitik wird anhand von schriftlichen Redeaufzeichnungen oder sonstigen Veröffentlichungen einzelner Politiker, sowie anderweitiger offizieller Verlautbarungen betrachtet. Die Analyse wichtiger Texte des Literaturnyj kritik ergibt, welche Position die Zeitschrift in diesem politischen Kontext einnahm.
Im Ergebnis wird der Literaturnyj kritik als eine Zeitschrift bestimmt, der zwar ein kritisches Potential nicht abgesprochen werden kann, deren vermeintlich oppositioneller Charakter aber vor allem Illusion ist. Es wird erklärt, worin das kritische Element bestand, und warum es sich nicht als solches durchsetzte, sondern sich in eine Instrumentalisierung für die offizielle Literaturpolitik einfügte.