Lage des kleinen Schnittes im Bereich des Felds nördlich vom Zettelbach, im Hintergrund liegt Hellmitzheim

Dornheimer Grund

ein merowingerzeitlicher Siedlungplatz
Lage des kleinen Schnittes im Bereich des Felds nördlich vom Zettelbach, im Hintergrund liegt Hellmitzheim
Foto: Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie

Forschungsprojekt Dornheimer Grund - ein merowingerzeitlicher Siedlungplatz

Zwischen Hellmitzheim und Dornheim, zur Stadt Iphofen im Landkreis Kitzingen, Unterfranken gelegen, liegt die zu Dornheim gehörende Flur "Dornheimer Grund".

Dieses Flurstück bezeichnet die sich in eine leichte Senke neigenden Äcker rund um die Quelle des Zettelbachs, dessen Wasser dem Breitbach zufließt, der wiederum bei Marktbreit in den Main mündet. Dieses Areal war über lange Jahre hinweg intensiv durch einen inzwischen verstorbenen Sammler begangen worden, der hier eine beträchtliche Menge Keramikscherben und Kleinfunde aus unterschiedlichen Zeitepochen auflas. Unter anderem waren in seinem Fundus Objekte aus der Merowingerzeit (6.-8. Jahrhundert) bis ins Spätmittelalter aufgefallen, die möglicherweise mit dem Vorgänger des heutigen Ortes Dornheim, dem ehemaligen "Klein-Dornheim", verbunden werden können.

Diese Ausgangslage führte zur Formulierung zweier Fragestellungen, unter deren Prämisse der Platz untersucht werden sollte. Einmal ergibt sich hier die Chance einen Siedlungsplatz der Merowingerzeit zu greifen, der wertvolle Informationen bieten könnte zu den Kenntnissen über die Siedlungsdynamik und deren Verhältnisse in der Hellmitzheimer Bucht. Bislang liefern hierzu vornehmlich die zahlreichen Bestattungsplätze dieses Raums Erkenntnisse, Siedlungen bzw. Siedlungsfunde sind lediglich über wenige Lesefunde oder minimale Grabungsausschnitte bekannt. Zum anderen könnte dieser Ort durch die mögliche Verbindung mit "Klein-Dornheim" einen wertvollen ortsgeschichtlichen Beitrag zur Frage nach den Kriterien einer ursprünglichen Ortsgründung und späterer Wüstungs- oder Verlagerungsprozesse liefern.

Im Fokus der Untersuchungen 2012-2018 stand jedoch zunächst die Frage nach der Lage, Datierung und Art der merowingerzeitlichen Siedlung.

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Detailaufnahme der beiden Metallverarbeitungsöfen (08.09.2022). Detailaufnahme der beiden Metallverarbeitungsöfen (08.09.2022). Foto: Michael Machert

Ausgrabung 2021 und 2022

Um sich der Frage nach der Siedlungsstruktur des Platzes weiter nähern zu können, wurde die Grabungsfläche in den Jahren 2021 und 2022 im direkten Anschluss an die bisherigen Grabungskampagnen kontinuierlich in westlicher Richtung erweitert. In der über 150 m2 messenden Grabungsfläche wurden neben den bekannten Resten frühmittelalterlicher Grubenhäuser (in den Boden eingetiefte Werkgebäude) weitere spannende Befunde angetroffen, von denen zwei frühmittelalterliche Metallverarbeitungsöfen sowie lineare Gräbchenstrukturen etwas näher beschrieben werden sollen. Der größere der beiden Öfen mit Abmessungen von ca. 50 x 50 cm besaß einen ursprünglich quadratischen Grundriss und war im Bereich der Bodenplatte mit Brettern als konstruktives Element verschalt, wobei der südliche Ofenteil hierbei für die notwendige Luftzufuhr bewusst ausgespart wurde. Der aufgehende Bereich bestand aus Flechtwerk, was anhand zahlreicher verziegelter Hüttenlehmfragmente mit Rutenabdrücken nachweisbar ist. Aus dem Ofeninneren stammen neben einem beinernen Kammfragmentauch die Gussform für eine Scheibenfibelgrundplatte, die diesen Befund in das Frühmittelalter datiert. Der kleinere Ofen (ca. 50 x 40 cm) besaß hingegen eine ovale Form. Zur genauen Konstruktion und Datierung dieses Befundes können aufgrund schlechterer Erhaltung leider keine detaillierten Angaben gemacht werden. Erstaunlich ist jedoch, dass beide Öfen in ein eisenzeitliches Grubenhaus des 3./2. vorchristlichen Jahrhunderts eingetieft gewesen waren und somit ein Nachweis für lokale handwerkliche Tätigkeiten bereits etwa 1000 Jahre vor der frühmittelalterlichen Nutzung gelungen ist.
Südlich der beiden Öfen konnten auf einer Länge von 11-12 m zwei schmale Gräbchen nachgewiesen werden, die jedoch in westlicher und nördlicher Richtung noch nicht vollständig erfasst werden konnten. Zahlreiche Gussformfragmente, von denen eine zur Herstellung aufwendig verzierter Saxscheidenniete diente, stammen aus den Grabenverfüllungen. Das Sax ist ein einschneidiges frühmittelalterliches Schwert, deren lederne Scheiden häufig mit verzierten Nieten geschmückt waren. Neben den Gussformen geben auch zahlreiche aus der unmittelbaren Umgebung der Gräbchen geborgene Eisen- und Buntmetallfragmente, zu denen auch spezialisierte Werkzeuge gehören, Hinweise auf einen metallverarbeitenden Kontext. Eine abschließende Funktionsdeutung sowie die Datierung beider Gräbchen ist noch nicht möglich, da die 14C-Untersuchungen abgewartet werden müssen. Anhand der Gussformen ist zumindest eine frühmittelalterliche Datierung plausibel. Eine Nutzung als Abwassergräben erscheint jedoch möglich, da das Gefälle beider Strukturen größer als 3 % ist. Aus der Verfüllung eines weiteren Gräbchens konnte darüber hinaus das Skelett eines wenige Wochen alten Säuglings geborgen werden.

Die meisten Kleinfunde beider Kampagnen, zu denen neben Keramik- und Tierknochenfragmenten auch Objekte aus Glas, Bein, Bronze und Eisen gehören, stammen aus den Verfüllschichten der Grubenhäuser. Zu den frühmittelalterlichen Highlights gehören, neben den Gussformen und zahlreichen Hinweisen auf ein beinverarbeitendes Gewerbe in Form von abgesägten Geweihresten, Nadeln und Kammfragmenten, wiederum zahlreiche Glasscherben ehemaliger Trinkgefäße. Unter den eisenzeitlichen Funden sind kunstvoll verzierte Glasarmringfragmente, Reste von Sapropelitarmingen sowie zahlreiche Keramikgefäße aus Graphitton zu nennen.
Nach einer vorläufigen Durchsicht des (keramischen) Materials datieren die frühmittelalterlichen Befunde vorrangig in die jüngere Merowingerzeit (besonders ins 7. Jahrhundert), wohingegen die eisenzeitlichen Strukturen größtenteils in den mittleren Abschnitt der jüngeren Eisenzeit (Latène C) gestellt werden können.
In beiden Jahren wurden mehrere hundert Besucher am „Tag des offenen Denkmals“ (12.09.2021 & 11.09.2022) über die Grabungsfläche geführt, was das große öffentliche Interesse an den Grabungsarbeiten verdeutlicht. Die letztjährige Veranstaltung wurde von der Schützengesellschaft Dornheim auch kulinarisch angemessen begleitet, wofür allen Beteiligten recht herzlich gedankt sei. Ein Teil der bisherigen Grabungsergebnisse kann ab März 2023 in einer neuen Dauerausstellung (Sammlung steinAlt) im ehemaligen Dornheimer Schulhaus besichtigt werden. Ein herzliches Dankeschön geht auch an alle Einwohner Dornheims für die alljährliche freundliche Aufnahme sowie die stetige und unkomplizierte Unterstützung.

Ausgrabung 2020 Eintrag erweitern

Ausgrabung 2020

Aufgrund der aktuellen Pandemiesituation konnte die Ausgrabung nicht, wie ursprünglich vorgesehen, parallel zur Sonderausstellung des Knauf-Museums Iphofen "Als Franken fränkisch wurde" stattfinden. Dennoch war es uns möglich, unter Einhaltung eines Hygienekonzepts, die Grabung im August 2020 durchzuführen. Trotz der bekannten Einschränkungen war das Interesse der lokalen Bevölkerung an den archäologischen Untersuchungen sehr hoch.

Um die Bebauung des Platzes besser verstehen zu können, wurde in diesem Jahr eine Fläche geöffnet, die nur wenig nördlich des Grubenhauses der Grabung von 2018 liegt. In dem ca. 100 m2 großen Grabungsschnitt zeigte sich eine archäologische Struktur von 9,5 m Länge und 5,0 m Breite. Dabei handelte es sich um zwei sich schneidende Grubenhäuser unterschiedlicher Größe. Das ältere der beiden Gebäude, ist mit Abmessungen von ca. 6,30 x 4,20 m deutlich größer als das jüngere Grubenhaus mit Abmessungen von ca. 3,60 x 3,40 m. Das jüngere Gebäude war in wesentlich geringerer Tiefe erhalten, was sicherlich mit dem Pflügen dieser Fläche in Verbindung gebracht werden kann. Die Pfostengruben dieses Grubenhauses waren wesentlich flacher und zumeist nur etwa 10 cm tief im Boden erhalten. Die Pfosten des älteren Gebäudes waren im Gegensatz dazu bis zu 50 cm in den anstehenden Fels eingetieft, wie dies bereits für das Grubenhaus der Kampagne von 2018 beobachtet werden konnte. Die meisten Kleinfunde, zu denen neben Keramik- und Tierknochenfragmenten auch Objekte aus Glas, Bein, Bronze und Eisen gehören, stammen aus den Verfüllschichten beider Häuser. Zu den Highlights der diesjährigen Kampagne gehören eine Glasperle mit weißer Fadenauflage und gelben Punkten sowie eine Nadel und ein Kammfragment aus Bein. Hinweise auf ein in der Nähe ausgeübtes Handwerk liefern beispielweise ein abgesägter Hornzapfen (Geweih- und Beinverarbeitung) und einige Eisenschlackenfunde (Metallverarbeitung). Hinzu kommen, auch in dieser Kampagne zahlreiche Glasscherben, die zu verschiedenen Gefäßen gehörten, die auf einen in unmittelbarer Umgebung gelegenen Haushalt hinweisen, der sich derartige Luxusartikel leisten konnte.

Nach einer vorläufigen Durchsicht des keramischen Materials, zu der auch in dieser Kampagne zahlreiche Importkeramiken des Rhein-Main-Gebiets gehören, datieren beide Befunde in einen Zeitraum vom ausgehenden 6. bis ins 7. Jahrhundert.

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Ausgrabung 2016 und 2018

Vornehmlich mit dem Ziel den Bodenaufbau zu begreifen, aber auch in der Hoffnung eventuell bereits anthropogene Strukturen anzuschneiden, wurde im Jahr 2016 ein 2 x 4 m großer Grabungsschnitt im Bereich des Ackers nördlich des Zettelbachs angelegt. Für die Kenntnis des Bodenaufbaus und der Schrumpfungsdynamik sowie Quellfähigkeit des Bodens lieferte dieser Schnitt wertvolle Erkenntnisse.
Archäologische Strukturen konnten jedoch nicht erfasst, wohl aber ein besseres Bild über die kolluviale Überdeckung in bestimmten Bereichen des Areals gewonnen werden.

Für die Grabungskampagne im August 2018 wurde ein Bereich gewählt, der innerhalb eines Dichtezentrums oberflächlich aufgelesener Keramik frühmittelalterlicher Zeitstellung lag und im Bild der Geophysik eine Bodenanomalie in der Größe eines potentiellen Grubenhauses zeigte. Ein solches wurde knapp unter der Ackeroberfläche angetroffen.

Mit den Maßen von 5,50 x 3,70 m zeigte sich der Grundriss des noch etwa 10-30 cm eingetieft erhaltenen Gebäude deutlich im oberen Bereich der bekannten Größenverhältnisse dieser Gebäude. Neben Keramikfragmenten und Tierknochen waren einige bearbeitete Beinobjekte zu finden, wie ein Kammfragment oder Teile von Knochenbeschlägen sowie Glasfragmente, darunter auch Randscherben. Diese bezeugen, ebenso wie Keramikfragmente älterer gelbtoniger Drehscheibenware, Importwaren aus dem Rhein-Main-Gebiet. Vermutlich im Grubenhaus selbst ausgeübtes Handwerk wird durch ein Webgewicht und einen Spinnwirtel nahegelegt, die sich direkt auf der Sohle - also im Bereich des Laufhorizontes - des Hauses fanden.

Eine erste Übersicht über die geborgene Keramik lässt eine zeitliche Einordnung des Befundes in das 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. zu.
Das Befund- und Fundbild zeigt gemeinsam mit den weiteren aus dem Bild der Geophysik zu erkennenden Strukturen eine Lage des Grubenhauses inmitten einer dichteren Zone einer Siedlung, deren Strukturen allerdings durch Erosion und Ackerbau bereits deutlich gefährdet sind.

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Geländesurvey 2014 und 2016

Um das geophysikalisch gewonnene Bild weiterzuentwickeln, wurden für 2014 und 2016 insgesamt drei Kampagnen für eine Geländebegehung mit Einzelfundeinmessung angesetzt. Gemeinsam mit Studenten der FSU Jena und der LMU München konnten über 5800 Einzelfunde aufgelesen werden, die zeitlich von der Jungsteinzeit bis in die Moderne reichten. Neben Keramikfragmenten waren auch Buntmetall-, Eisen- und Bleiobjekte darunter sowie Münzen des Spätmittelalters und der Neuzeit.

Für die gesetzte Fragestellung interessant erwiesen sich die datierbaren Randscherben und Kleinfunde der Merowingerzeit, die ein Spektrum des 6.-8. Jahrhunderts aufwiesen und sich vor allem im östlichen Bereich der Flur - rund um die Zettelbachquelle - massierten. Gemeinsam mit den Ergebnissen der Geophysik erschien nun in diesem Areal die Verortung erhaltener Siedlungsbefunde dieser Zeit am ehesten gewährleistet.
Parallel zu den Geländebegehungen fand eine bodenkundliche Begleitung statt, um Bodenaufbau, Geomorphologie und kolluviale Ereignisse zu begreifen. Für die Erstellung eines Bodengutachtens konnte Michael Hein, heute Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, gewonnen werden.

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Geomagnetik 2012

Um eine Grundlage für weitere Untersuchungsschritte und eine mögliche Orientierung der Siedlungslage zu bekommen, wurde zunächst eine geophysikalische Prospektion angestrebt. Für die Untersuchung konnte das IPHT Jena gemeinsam mit der Firma Supracon AG gewonnen werden. Mithilfe eines SQUID-Magnetometers wurden die gesamten 8 ha Fläche der in Frage kommenden Felder der Flur im Sommer 2012 abgefahren und gemessen.
Die Messergebnisse zeigten in mehreren Bereichen der nördlich und südlich des Zettelbachs und seiner Quelle zwar nicht ganz eindeutige, aber doch interessante Anomalien, die durchaus als Siedlungsanzeiger interpretiert werden können.

Impressionen

Detailaufnahme der beiden Metallverarbeitungsöfen (08.09.2022).
Foto: Michael Machert
Nördlicher Teil der Grabungsfläche 2022 mit den bereits ausgenommen Gräbchen (13.09.2022).
Foto: Michael Machert
Gussformfragment – Scheibenfibelgrundplatte
Foto: Ivonne Przemuß
Gussformfragment – Saxscheidenniet
Foto: Ivonne Przemuß
Latènezeitliches Glasarmringfragment
Foto: Alexander Voigt

Kontakt

Projektleitung/Antragsteller: Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Anja Pütz, Dr. Margarete Klein-Pfeuffer, Dr. des. Michael Marchert
Laufzeit: seit 2012

Fördernde und mitwirkende Institutionen

  •     Stadt Iphofen
  •     Knauf Gips KG, Iphofen
  •     Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  •     Museum für Franken (Würzburg)
  •     FSU Jena, Institut für Geowissenschaften (Dr. Dirk Merten)
  •     Bodengutachter: Michael Hein M.Sc., Archäobotanik: Dipl. Biol. Michèle Dinies
  •     Institut für photonische Technologien Jena (IPhT Jena)
  •     Supracon AG, Jena
  •     Studierende der FSU Jena und LMU München
  •     Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg (Geräteleihe)
  •     das Projekt wird ebenfalls von zahlreichen Bürgerinnen und Bürger aus Dornheim und Hellmitzheim unterstützt
Peter Ettel, Univ.-Prof. Dr.
Leiter des Seminars, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
Löbdergraben 24a
07743 Jena