Die 3D-Rekonstruktion der Neuen Synagoge in Breslau von 1872 ist bereits Teil der Browseranwendung.

Langfristige Lösung zur Veröffentlichung von 3D-Modellen in den Geisteswissenschaften

Team aus Jena, Mainz und Dresden veröffentlicht die Alpha-Version des DFG-3D-Viewers
Die 3D-Rekonstruktion der Neuen Synagoge in Breslau von 1872 ist bereits Teil der Browseranwendung.
Foto: Clemens Beck/AI Mainz

Meldung vom: | Verfasser/in: Anna-Sophie Barbutev | Zur Original-Meldung

Ein Konsortium aus Universität Jena, Hochschule Mainz und Sächsischer Landesbibliothek Dresden veröffentlicht die erste Version eines kostenlosen und frei zugänglichen webbasierten 3D-Viewers. Die Anwendung ist eine langfristige Lösung zur Bereitstellung von 3D-Modellen in den Geisteswissenschaften.

Zum ersten Mal machen Forschende aus Jena, Mainz und Dresden die Alpha-Version ihres DFG-3D-Viewers öffentlich zugänglich. Interessierte Nutzerinnen und Nutzer finden die erste Version des Modellbetrachters auf der Projektwebseite unter: http://dfg-viewer.de/dfg-3d-viewer. Durch den DFG-3D-Viewer werden 3D-Modelle aus Bereichen wie Architektur, Kunst und Technik zugänglich gemacht. Zur Erprobung des 3D-Viewers wird parallel dazu ein Repositorium repräsentativer 3D-Modelle aufgebaut. Zum Beispiel wird bald eine 3D-Rekonstruktion der ersten Dampfmaschine durch das Deutsche Museum in München in diesen Datenspeicher eingepflegt. Weitere Modelle wie eine hypothetische 3D-Rekonstruktion des Mainzer Doms um 1200 oder der Neuen Synagoge in Breslau von 1872 sowie eine Reihe von zerstörten polnischen Holzsynagogen sind bereits Teil der Browseranwendung.

Langfristige Bereitstellung von 3D-Rekonstruktionsmodellen

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) entwickeln die Forschenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Hochschule Mainz – University of Applied Sciences und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden diese browserbasierte 3D-Viewerinfrastruktur, die eine einfache Datenhaltung und -anzeige von 3D-Daten und den dazugehörigen Metadaten ermöglicht und langfristig verfügbar ist. Seit April vergangenen Jahres arbeitet die Projektgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Sander Münster (Juniorprofessur Digital Humanities, Jena), Prof. Dr.-Ing. Piotr Kuroczyński (Professor für Angewandte Informatik und Visualisierung im Bauwesen, Mainz) und Sebastian Meyer (Stabsstelle Digitale Bibliothek, Dresden) im Rahmen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts an der Entwicklung der Anwendung.

Der DFG-3D-Viewer soll Rohdatensätze und Metainformationen nicht nur langfristig nutzbar machen, sondern auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Diskurs an virtuellen Modellen ermöglichen. Mit der Zeit soll der Zugriff auf weitere Repositorien für 3D-Modelle erweitert und somit eine interdisziplinäre Nutzung ermöglicht werden.

Mit dem DFG-3D-Viewer steht deutschlandweit eine einfach bedienbare Plattform zur Speicherung und Zugänglichmachung von 3D-Rekonstruktionsmodellen zur Verfügung. Wir freuen uns sehr darüber, diese in einer Testversion öffentlich zugänglich zu machen“, sagt der Jenaer Projektleiter Sander Münster.

Werkzeug für Forschung und Wissensvermittlung

Seit den 1990er Jahren wird computergestützte 3D-Rekonstruktion als Werkzeug für Forschung und Wissensvermittlung in den Geisteswissenschaften eingesetzt. Die Erstellung dieser quellenbasierten 3D-Rekonstruktionen ist komplex und zeitaufwändig. Außerdem ist die Weitergabe und Veröffentlichung von digitalen 3D-Modellen schwierig. Oft werden Ergebnisse nur als zweidimensionale Abbildungen veröffentlicht. Dabei gehen immer wieder Informationen verloren, die für eine spätere Nutzung nicht verfügbar sind. Im Ergebnis ist die Nachhaltigkeit der Forschungsergebnisse nicht gegeben.

Trotz bestehender prototypischer Infrastrukturen fehlt in der geisteswissenschaftlichen Forschung mit einem objektspezifischen Fokus bislang eine domänenübergreifend etablierte langfristige und niedrigschwellige Lösung für die Bereitstellung von 3D-Modellen. Hier setzt das DFG-Projekt 3D-Viewer an. Dafür verfolgen die Forscher einen Community-Ansatz: Die meisten Objekte sollen durch die wissenschaftliche Community nach festgelegten Standards hochgeladen werden, damit sie auch für darauf aufbauende Forschung genutzt werden können.

Kontakt:

Juniorprofessur für Digital Humanities mit Schwerpunkt Bild- und Objektdaten
Sander Münster, Juniorprof. Dr.
JenTower
Leutragraben 1
07743 Jena