Raffael Schmidt, M.A.

Post-Doc im DFG-Graduiertenkolleg 2792: Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter

Kontakt

Raffael Schmidt

Foto: Raffael Schmidt

Telefon: +49 3641 9-42802

E-Mail: raffael.schmidt@uni-jena.de

Informationen zum Graduiertenkolleg finden Sie hierExterner Link.

  • Vita

    26.09.1997

    Geboren in Troisdorf

    2015 

    Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Leverkusen

    2015-2019 

    Bachelor der Geschichtswissenschaft (Schwerpunkt: Alte Geschichte) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Titel der Abschlussarbeit: „Pyrrhos von Epiros und der Tarentinische Krieg – eine Analyse der Quellenlage“)

    2018-2020 

    Studentische Hilfskraft an den Instituten für Klassische Philologie und Alte Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    2020-2021

    Orientierungstutor des Studiengangs „Antike Kultur“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    2020-2022 

    Master der Geschichtswissenschaft (Schwerpunkt: Alte Geschichte) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Titel der Abschlussarbeit: „Römische Niederlagen von Cannae bis Arausio – Erklärungsansätze und Konsequenzen“)

    2021-2023 

    Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Klassische Philologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    2022-2023

    Lehrbeauftragter des Instituts für Klassische Philologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    2023

    Promovierendensprecher des DFG-Graduiertenkollegs 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“

    Januar 2023 - April 2026

    Doktorand am DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

    seit April 2025 

    Lehrbeauftragter des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

    seit Mai 2026

    Post-Doc im DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena"

  • Forschungsschwerpunkte
    • Livius (mit Schwerpunkt auf den verlorenen Büchern)
    • Autoren der Livius-Tradition (insbesondere Florus, Iulius Obsequens und Orosius)
    • Römische Republik
    • Griechische Klassik (insbesondere die Geschichte der Stadt Argos)
    • Antike Stoffe im internationalen Autorenkino
  • Publikationen
    • Die Livius-Tradition. Studien zu den Postlivianern und den libri amissi des Livius (Dissertation, Veröffentlichung in Vorbereitung)
    • Ein bellum iustum gegen Rom? Zur diskursiven (Re-)Konstruktion des Galliersturms (390/387 vC) in der Livius-Tradition, in: Diez, G./ Steilmann, E. (Hgg.), Gerechter Krieg in der Antike (akzeptiert, erscheint voraussichtlich 2026).
    • Ovid und Hitchcock. Die Metamorphoses als Prätext für Vertigo (1958), in: Bezzel, H. und Marshall, S., Heteronome Texte (akzeptiert, erscheint voraussichtlich 2027).
    • Bemerkungen zu den Begriffen epitoma und breviarium in der lateinischen Literatur (eingereicht, in Peer Review)
    • Zusammen mit Mehner, A. und Viola, D., Tagungsbericht: (Re)Create: Towards a Theory of Heteronomous TextsExterner Link, in: Hsozkult, 23.01.2025
    • Zwei Prozesswellen gegen imperatores victi im 2. Jahrhundert v. Chr. Zur Vertrauenskrise der römischen Republik (eingereicht, in Peer-Review)
    • Mit Friedrich, E. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, in Vorbereitung. Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)
    • The Livian Pompeius Magnus – a Fallen Alexander, in: Friedrich, E./Schmidt, R. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, in Vorbereitung. Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)
    • Introduction, in: Friedrich, E./Schmidt, R. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, in Vorbereitung. Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)
    • Philipp V., in: Bräckel, O. et al. (Hgg.), Amici Populi Romani. Prosopographie der auswärtigen Freunde Roms (In Vorbereitung, erscheint Dezember 2026)
    • Perseus, in: Bräckel, O. et al. (Hgg.), Amici Populi Romani. Prosopographie der auswärtigen Freunde Roms (In Vorbereitung, erscheint Dezember 2026)
  • Vorträge
    • Römische Militärdesaster von Cannae bis Arausio. Erklärungsansätze und Konsequenzen, 13.12.2021, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    • Die Livius-Tradition zwischen informationeller Heteronomie und autonomer Identität, 23.05.2023, Friedrich-Schiller-Universität Jena
    • Epitoma oder Breviarium? Terminologische Klärungen am Beispiel postlivianischer Werke, 13.11.2023, Friedrich-Schiller-Universität Jena
    • Livius rekonstruieren? Das Personenportrait des Marius im Spiegel der Livius-Tradition, 16.11.2023, Universität Graz
    • Die Livius-Tradition: Rezeption und Rekonstruktion. 21.06.2024, Mommsen-Gesellschaft e. V., Göttingen
    • Livy – Reception and Reconstruction, 09.09.2024, Friedrich-Schiller-Universität Jena
    • Das Portrait des Tib. Gracchus in den libri amissi des Livius, 30.11.2024, Friedrich-Schiller-Universität Jena
    • Die Livius-Tradition als historischer Diskurs: Überlegungen zur (Re-)Konstruktion der Römischen Republik in der Kaiserzeit, 16.12.2024, GRK 2792, Friedrich-Schiller-Universität Jena
    • Livius rekonstruieren? Das Portrait des Scipio Aemilianus in den livianischen libri amissi, 27.01.2025, Philipps-Universität Marburg
    • The Livian Pompey Magnus. A Fallen Alexander?, 14.11.2025, Universität Rostock

Projekte

  • Die Livius-Tradition. Studien zu den Postlivianern und den libri amissi des Livius (abgeschlossen)

    Die Studie verfolgt zwei wesentliche Ziele:

    1. eine Analyse des Verhältnisses zwischen Livius und den jeweiligen Autoren der Livius-Tradition.

    2. eine approximative Rekonstruktion ausgewählter Personenportraits aus den verlorenen Büchern des Livius (libri amissi).

    Zu diesem Zweck ist die Arbeit in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil befasst sich mit den Autoren der Livius-Tradition. Diese werden in zwei Gruppen unterteilt: Zum engeren Kreis werden Autoren historiographischer Genera gezählt, deren Darstellungen der Römischen Republik zu einem großen Teil auf historischen Informationen des Livius beruhen. Hierzu gehören Florus, die Anonymi der Periochae sowie der Oxyrhynchia Liviana, Eutrop, Festus, Iulius Obsequens und Orosius. Zum weiteren Kreis gehören demgegenüber Autoren, die Livius entweder nur als Nebenquelle verwendeten (Velleius Paterculus,…) oder aber Genera angehören, die in ihren Genremustern stark von der Historiographie abweichen, wie die Epik (Lukan,…) oder die Exempla-Literatur (Valerius Maximus,…).

    In einzelnen Kapiteln werden daraufhin die Autoren des engeren Kreises der Livius-Tradition untersucht (Kap. 2–8). Jedes dieser Kapitel ist wiederum gegliedert in einen Teil, der die Kontexte von Autor und Werk aufarbeitet und dabei etwa zu Fragen der Datierung oder der Autorenidentität Stellung bezieht, sowie in einen zweiten Teil, in dem das Verhältnis zu Livius untersucht wird. Der Begriff „Verhältnis“ ist in diesem Zusammenhang multivalent zu verstehen, weil er zum einen das Quellenverhältnis (unmittelbar oder mittelbar?) einschließt, für dessen Erarbeitung eine Revision der mittlerweile durch zahlreiche jüngere Einzeluntersuchungen überholten Ergebnisse der älteren Quellenforschung ansteht, und weil er zum anderen auch die Methoden der Verarbeitung des livianischen Prätextes meint. Bei diesen Methoden geht es um Selektion und Modifikation der livianischen Informationen, um die ideologische und literarische Agenda – kurz: Was machen die Autoren der Livius-Tradition aus welchem Grund mit dem livianischen Prätext? Auch die Autoren des weiteren Kreises der Livius-Tradition werden anschließend in einem Überblickskapitel behandelt (Kap. 9). Insgesamt ergibt sich in diesen Kapiteln das Bild eines äußerst heterogenen Spektrums von Werken, in denen sich jeweils ein Prozess der strategischen Selektion und Transformation livianischer Informationen vollzieht. Ihr gemeinsames Charakteristikum ist daher ein hervorstechendes Spannungsverhältnis zwischen derivativer und autonomer Textgestaltung.

    In einem Zwischenschritt wird daraufhin auf Basis der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Einzeluntersuchungen ein Bild des Gesamtzusammenhangs der Livius-Tradition präsentiert (Kap. 10). Dies umfasst zunächst die Zusammenführung der Befunde zu den Quellenverhältnissen der Livius-Tradition in Form eines visualisierten Gesamtschemas. Anschließend wird die livianische Tradition als historischer Diskurs beschrieben: Die postlivianischen Autoren instrumentalisieren die Erinnerung an die republikanische Vergangenheit für ihre jeweilige literarische, ideologische und politische Agenda. Sie kommunizieren folglich mit zwei Ebenen: zum einen mit dem livianischen Prätext, dessen kanonische Autorität sie sich zunutze machen; zum anderen mit den Lesern und Kontexten ihrer Gegenwart, auf die sie durch das strategisch geformte Bild der Vergangenheit einzuwirken versuchen. Die Werke der Livius-Tradition nahmen demnach als transformierte Echos des Livius eine zentrale Rolle für die intersubjektive Wahrnehmung der republikanischen Vergangenheit ein.

    Im zweiten Teil der Studie folgen schließlich die Rekonstruktionen livianischer Personendarstellungen aus den libri amissi (Kap.11). Methodisch basieren diese auf drei Säulen. Die erste Säule, die die Hauptlast trägt, bilden die im ersten Teil erarbeiteten Befunde zu den Autoren der Livius-Tradition. Die zweite Säule bildet die Erschließung von „annalistischen“ Traditionsursprüngen und -tendenzen, die das Werk des Livius maßgeblich beeinflusst haben. Die dritte Säule bilden intratextuelle Referenzen im erhaltenen Livius-Text. Untersucht werden als Auswahlprobe dabei die Portraits von Scipio Aemilianus, Tiberius Gracchus, Gaius Marius, Mithridates VI. Eupator, Pompeius Magnus sowie – als Rückblick auf die verlorene zweite Dekade in Ab urbe condita – Pyrrhos, Fabricius Luscinus und Curius Dentatus. Es ergeben sich bei einigen Rekonstruktionsvorschlägen (Marius, Pompeius, Mithridates) äußerst ambivalente Deutungsrahmen, die den in der Forschung zuletzt immer wieder betonten offenen Charakter des livianischen Werks verdeutlichen. Genauso zeigt sich jedoch auch die hohe Flexibilität des Livius, der einige Personen (Scipio Aemilianus, Tib. Gracchus) einseitig darstellte und dabei in Aspekte seiner literarischen Makrostrategie integrierte. Insgesamt tritt durch die Befunde zu den libri amissi eine hohe Intrakonnektivität des Gesamtwerks hervor, das trotz seines erheblichen Umfangs unbedingt als Werksganzes zu verstehen ist. Die republikanische Krise, deren livianische Gesamtbewertung sich durch die Untersuchungen schemenhaft abzeichnet, scheint bei Livius derweil mehr auf individuellen moralischen Mängeln zentraler Akteure und weniger auf systemischen Dysbalancen beruht zu haben.

  • Argos. Kritische Geschichte einer klassischen Polis zwischen Anspruch und Wirklichkeit (550–322 v.Chr.)

    Das Projekt beleuchtet die politische Geschichte des klassischen Argos (ca. 550–322 v. Chr.). Die Stadt verlor am Übergang von der archaischen zur klassischen Zeit ihre frühere Machtstellung auf der Peloponnes an das ihr zumeist feindlich gesinnte Sparta. Zu einem dauerhaften Verlust des hegemonialen Einflusses in der Argeia oder gar zu einer politischen Abhängigkeit vom mächtigen Nachbarn kam es in klassischer Zeit hingegen nie. Im Gegenteil: Trotz großer Rückschläge versuchte Argos bis zum letzten Viertel des 4. Jahrhunderts immer wieder, politische Handlungsspielräume zurückzugewinnen oder zu erweitern. Mit strukturellen Besonderheiten wie einer Demokratie eigenen Zuschnitts, ausgeprägten mythopoetischen Vergangenheitskonstruktionen und rätselhaften Territorialerweiterungen eröffnet Argos einen instruktiven Zugang zur Erforschung des sog. Dritten Griechenland.

    Ziel des Projekts ist es, bekannte Ereignisabfolgen, Prozesse und strukturelle Zusammenhänge aus dezidiert argivischer Perspektive zu erhellen. Zur Schärfung des Verständnisses dieser bemerkenswerten Polis in klassischer Zeit müssen auf zwei zentralen Ebenen unterschiedliche Perspektiven systematisch zusammengeführt werden:

    Erstens auf der Ebene der Quellen: Bislang wurden archäologische, epigraphische und literarische Zeugnisse allzu häufig getrennt analysiert. Da – von wenigen Fragmenten des Akusilaos abgesehen – sämtliche Schriften argivischer Autoren der Klassik verloren sind und literarische Darstellungen Argos nahezu ausschließlich aus externer Perspektive erfassen, kommt den materiellen und epigraphischen Überrestquellen als innenperspektivischem Korrektiv besondere Bedeutung zu. Eine integrierende Gesamtbetrachtung des gesamten Quellenmaterials ist daher unerlässlich. Zweitens auf der Ebene des geschichtswissenschaftlichen Zugangs: Sozial-, kultur-, institutions- und ereignisgeschichtliche Fragestellungen leisten jeweils für sich genommen wesentliche Beiträge zum Verständnis des klassischen Argos, entfalten ihr volles Erkenntnispotential jedoch erst im Zusammenwirken. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die zentrale Leitfrage des Projekts: Mit welchen politischen Mitteln verfolgte Argos zwischen etwa 550 und 322 v. Chr. sein Ziel der Ausbildung bzw. Rückgewinnung einer hegemonialen Stellung auf der Peloponnes?

    Eine monographische Studie, die sich systematisch der ereignisreichen und von tiefgreifenden Transformationen geprägten Geschichte des argivischen Staates zwischen ca. 550 und 322 v. Chr. widmet, liegt bislang nicht vor. Das Projekt adressiert somit ein bisher unzureichend behandeltes Desiderat der Forschung.