Redepult mit Unterlagen

Lifespan change: Sprachliche (In-)Stabilität von Individuen im ostmitteldeutschen Raum

Vortrag von Beat Siebenhaar (Universität Leipzig) und Simon Oppermann (Universität Leipzig)
Redepult mit Unterlagen
Foto: Adobe Stock
Diese Veranstaltung ist beendet.
Veranstaltungseckdaten
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Beginn
Ende
Veranstaltungsart
Vortrag
Ort
Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
Fürstengraben 30, Seminarraum, 2.OG
07743 Jena
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Videochat
Zum Zoom – Videochat ·Passwort p3rs0n4l
Datenschutzhinweisepdf, 172 kb
Referenten
Beat Siebenhaar
Simon Oppermann
Barrierefreier Zugang
nein
Öffentlich
ja

Sprachwandel stellt eine partielle Veränderung der Sprache einer Sprachgemeinschaft über eine bestimmte Zeit dar und wird von den Individuen dieser Sprachgemeinschaft getragen. Veränderungen der Gemeinschaft und ihrer einzelnen Individuen können dabei, müssen aber jedoch nicht zwangsläufig übereinstimmen (z. B. Beaman, 2021;Bowie, 2019; Sankoff, 2018). ImOstmitteldeutschen Sprachgebiet hat ein neuer Regiolekt vielerorts die alten Basisdialekte abgelöst (Rocholl, 2015, S. 309; Siebenhaar, 2019, S. 430) und die horizontalen Unterschiede zwischen benachbarten Dialekten einerseits und die vertikalen Unterschiede zwischen Dialekt und Standard andererseits nivelliert. In unseren aktuellen Untersuchungen zur Individuellen Variation im Lebenslauf (IVaL) konnten wir beobachten, dass sich dieser gesellschaftliche Trend zum dialectlevelling auf individueller Ebene nicht direkt widerspiegelt (Oppermann& Siebenhaar, 2023a; 2023b).

Für dieUntersuchung der Veränderung des Sprachgebrauchs von Individuen greifen wir auf die Zoo-Dokusoap „Elefant, Tiger & Co.“ zurück, welche das Personal des Leipziger Zoos bei der Arbeit begleitet und seit 2003 wöchentlich im MDR ausgestrahlt wird. Aktuell können 12 Personen, hauptsächlich Tierpfleger:innen aus dem obersächsischen Raum, über 16 Jahre hinweg instrumentalphonetisch untersucht werden. Bisher standen Zentralisierung, Monophthongierung und Koronalisierung im Vordergrund. Eine Ausweitung auf weitere vokalische, konsonantische und auch prosodische Variablen des ostmitteldeutschen Regiolektssowie auf weitere Personen und Erhebungszeiträume ist bereits geplant.

Literatur
Beaman, Karen V. 2021. Coherencein Real- and Apparent-Time: A sociolinguistic variationist investigation oflanguage change in Swabia. QMUL, London, United Kingdom [= unpublizierteDissertation]
Bowie, David. 2019. Individual variation in the development of theWestern Vowel System of Utah. Linguistics Vanguard 5 (2): 20180020.
Oppermann, S. &Siebenhaar, B. 2023a. What’s That Phthong? Automated Classification of Dialectal Mono- and Standard Diphthongs. In: Skarnitzl, R.; Volín, J. (Eds.), Proceedingsof the 20th International Congress of Phonetic Sciences, Prague, Czech Republic (pp. 3637–3642). Guarant International.
Oppermann, S. &Siebenhaar, B. 2023b. Tracing coronalisation across the lifespan [Poster]. Phonetik und Phonologie im deutschsprachigenRaum (P&P19), Bern, Switzerland.
Rocholl, M. J. 2015. Ostmitteldeutsch – eine moderneRegionalsprache? Eine Untersuchung zu Konstanz und Wandel im thüringisch-obersächsischen Sprachraum. Olms.
Sankoff, Gillian. 2018. Language Change Across the Lifespan. Annual Review of Linguistics 4:297–316.
Siebenhaar, B. 2019. Ostmitteldeutsch: Thüringisch und Obersächsisch. In J.Herrgen, J. E. Schmidt (Eds.), Deutsch: Sprache und Raum – Ein InternationalesHandbuch der Sprachvariation (pp. 407–435). De Gruyter.