Dreiländereck - Kososvo-Montenegro-Serbien

Albaner und Slawen auf dem Balkan: Ein alternativer interdisziplinärer Blick auf Symbiosen, Gemeinsamkeiten und Kooperationen bei einer vermeintlichen „Konfliktgemeinschaft“

Mittwoch, 09.Dez.2020, 19:00 Uhr​
Dreiländereck - Kososvo-Montenegro-Serbien
Foto: Christoph Giesel

Meldung vom: 04. Dezember 2020, 16:06 Uhr

Von und mit Dr. Christoph Giesel

Zoom-Meeting:

https://uni-jena-de.zoom.us/j/96358135602 

Meeting-ID: 96358135602, Kenncode: 579660

Das aktuelle wissenschaftliche und politische Interesse an der heutigen slawisch-albanischen Kontaktzone Südosteuropas, die sich auf die Staaten Albanien, Serbien, Montenegro, Kosovo und Nordmazedonien erstreckt, richtet sich in erster Linie stark auf das bis heute andauernde, länderübergreifende slawisch-albanische Konfliktverhältnis, welches im Zuge des Zerfalls Ex-Jugoslawiens ab den 1980er Jahren zunehmend gewaltsam eskalierte. Der Betrachtungsfokus dieser Thematik beschränkt sich sowohl auf südosteuropäischer als auch internationaler Ebene dabei i.d.R. auf die zumeist als naturgemäß und unüberbrückbar wahrgenommenen Unterschiede, Differenzen und Konflikte zwischen Slawen und Albanern. Thematisierungen von historischen sowie aktuellen politischen, sozialen, kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten, Beziehungen, Symbiosen bzw. Osmosen, Interferenzen und Kooperationen zwischen Albanern und Südslawen sowie Diskussionen zu Bedeutung, Stellenwert und Potenzial dieser Phänomene im Rahmen der Bemühungen um Konfliktbeilegungen und interethnischer Versöhnungsarbeit entsprechen hingegen eher der Ausnahme. Neben einigen wenigen historischen, kulturellen und sozialen Aspekten werden slawisch-albanische Interferenzen dabei am häufigsten noch in der Sprachwissenschaft berücksichtigt.

Seit dem 19. Jh. kristallisierten sich bis heute andauernde nationalideologisch- politisch motivierte Konkurrenzkämpfe zwischen slawischen und albanischen Politakteuren und ihren jeweiligen Unterstützern in der Bevölkerung mit dem Ziel einer Schaffung größtmöglicher, ethnisch homogener Nationalstaaten in einem multiethnischen Milieu heraus. Im Zuge dieser Entwicklungen kam es schrittweise zur Ignorierung, Marginalisierung, Verdrängung und partiellen Eliminierung dieser Erscheinungen einhergehend mit einem Verlust damit verbundener Wissens- und Erfahrungswerte. Das erwirkte (nicht zuletzt unter dem Eindruck der intensiven slawisch-albanischen Konflikte auf politischer und sozialer Ebene) langfristig auch eine mangelhafte Wahrnehmung dieser Thematik und ihrer Aspekte sowohl bei einem Großteil der örtlichen albanischen und slawischen Bevölkerung als auch in internationalen Fachkreisen und Medien.

Beim Studium verschiedener historischer und zeitgenössischer Quellen und im Zuge aufmerksam durchgeführter Feldforschungen stößt man auch heute in der historischen und zeitgenössischen slawisch-albanischen Kontaktzone von Bosnien bis nach Makedonien gehäuft auf sehr facettenreiche und  mehrdimensionalen Erscheinungen an slawisch-albanischen Symbiosen, Interferenzen und Kooperationen aus Vergangenheit und Gegenwart. Hierbei handelt es sich auch um Fakten, Erscheinungen und Prozesse, die sich optimal als Grundlage für Konfliktvermeidungs- und Konfliktlösungsstrategien bzw. zur Förderung einer stärkeren politischen und gesellschaftlichen Annäherung zwischen Slawen und Albanern auf dem Balkan anbieten.

Der Vortrag befasst sich selektiv und interdisziplinär mit zahlreichen historischen, politisch-sozialen, kulturellen, ethnologischen und linguistischen Aspekten und Beispielen slawisch-albanischer Symbiosen, Verschmelzungen, Gemeinsamkeiten, wechselseitigen Assimilationsprozessen und Beziehungen in Südosteuropa.

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