Projekte

Laufende Forschungsprojekte

Adel und Königtum im Partherreich Inhalt einblenden

Bearbeiter: PD Dr. Udo Hartmann

Zusammenarbeit: Prof. Dr. Sabine Müller (Marburg)

In dieser Untersuchung, die aus einem Kieler DFG-Projekt hervorgegangen ist, wird zum ersten Mal systematisch das Verhältnis von arsakidischem Königtum und parthischem Adel untersucht. In der Forschung wird das Partherreich zumeist als instabiles Großreich verstanden, in dem Adel und Königtum in einem ständigen Konflikt lagen. Die detaillierte Analyse der Zeugnisse gestattet jedoch eine differenziertere Bewertung der Rolle des parthischen Adels: Er war vor allem eine Machtstütze des über vier Jahrhunderte bestehenden Großreiches, auch wenn Teile des Adels immer wieder versuchten, in Krisensituationen ihre Macht auszubauen. Die Untersuchung betrachtet die Zusammensetzung und die Strukturen des Adels, die Aufgaben der Adligen in Heer und Verwaltung sowie ihre Rolle in den inneren Konflikten im Partherreich und in den Beziehungen zu Rom.

Das Reich der Arsakiden. Geschichte, Strukturen und Kultur der Parther Inhalt einblenden

Bearbeiter: PD Dr. Udo Hartmann

In dieser Monographie soll in der neuen Reihe „Reiche der Alten Welt – Völker, Länder, Dynastien“ des Kohlhammer-Verlages eine aktuelle Überblicksdarstellung zum Partherreich vorgelegt werden, die sowohl die Ereignisgeschichte als auch die Strukturen des Reiches, die Gesellschaft und die Kultur erschließt und zugleich einen schnellen Zugriff auf den aktuellen Forschungsstand ermöglicht.

Imperia sine fine Inhalt einblenden

Bearbeiter: PD Dr. Frank Schleicher

(In Bearbeitung)

Untersuchungen zur georgischen Festung Lesale Inhalt einblenden

Bearbeiterin: apl. Prof. Dr. Annegret Plontke-Lüning

Der Lehrstuhl für Alte Geschichte hat Mittel der Gerda-Henkel-Stiftung für ein historisch-archäologisches Projekt in Georgien erhalten. Anliegen des Projektes ist die landschaftsarchäologische Untersuchung der Region Jgali-Lesale in der Nordwestkolchis, die in der historisch-archäologischen Forschung bislang vollkommen übersehen worden ist. Die Region mit einer außergewöhnlich großen, noch nicht untersuchten Festung spätantikfrühbyzantinischer Zeitstellung sowie einer - anhand von Zufallsfunden zu vermutenden - Nekropole des 8. Jhs. v. Chr. bis zum 3./4. Jh. n. Chr. muß eine Schnittstelle am Weg von der Schwarzmeerküste über den Kaukasus in die nordkaukasischen Steppen gewesen sein. Durch gezielte archäologische Untersuchungen sollen Festung und Nekropole genauer bestimmt sowie die Entwicklung der Region durch einen landschaftsarchäologischen Survey erfaßt werden. In einer Kampagne im Spätsommer 2019 werden die Fragestellungen nun konkretisiert, um, auf diesen Ergebnissen aufbauend, ein größeres Projekt in Angriff nehmen zu können.

Die Arbeiten sind geplant in Kooperation mit den Instituten für Geschichte und für Archäologie der Tbilisi State University, der langjährigen Partneruniversität. Seitens der Jenaer Universität wird der Lehrstuhl für Geoinformatik des Instituts für Geographie am Projekt beteiligt sein.

Die Region Jgali-Lesale von Süden. Markiert sind das Gelände der großen Festung und die kleine mittelalterliche Festung Jgali. Die Region Jgali-Lesale von Süden. Markiert sind das Gelände der großen Festung und die kleine mittelalterliche Festung Jgali. Foto: LS Alte Geschichte

Laufende Promotionsprojekte

Überregionale Heiligtümer als Knotenpunkte aristokratischer Aktivität in der archaischen Zeit Inhalt einblenden

Jessica Kahl, M.A.

(In Bearbeitung)

Zwischen Machtfaktor und Belastungsprobe. Die oströmischen Heermeister von Arcadius bis Anastasius I. Inhalt einblenden

Maximilian Höhn, M.A.

Während im 5. Jahrhundert im Westen des Römischen Reiches mächtige Heermeister wie Stilicho, Constantius, Aëtius und Rikimer die Geschicke maßgeblich bestimmten, ist eine solche Entwicklung im oströmischen Reichsteil nicht zu erkennen. Es gelang den oströmischen Kaisern und anderen zivilen Autoritäten durch die Einrichtung effizienter struktureller und institutioneller Mechanismen, ihr Militär zu kontrollieren und dessen Einfluss außerhalb des Aufgabenbereichs der militärischen Führung zu begrenzen. Nur wenigen Heermeistern wie z. B. Aspar gelang es, dieses System kurzzeitig zu überwinden.

Die Dissertation wird sich diesem Phänomen widmen und dabei den besonderen Charakter des oströmischen Heermeisteramtes aus den inneren strukturellen Faktoren des östlichen Reichsteils heraus erklären. Die Arbeit wird dabei ein umfassendes Bild des Heermeisteramtes im Allgemeinen herausarbeiten und gezielt die Handlungsspielräume der östlichen Heermeister untersuchen. Unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze der Politikwissenschaften zum Verhältnis des zivilen zum militärischen Bereich wird zudem den Umständen und Methoden des oströmischen Kaisertums auf den Grund gegangen, die einem ‚übermächtigen‘ Heermeistertum vorbeugten.

Auf der Grundlage einer systematischen Analyse des politischen und militärischen Agierens aller Heermeister im Ostreich von Arcadius bis Anastasius I. soll erstmals umfassend die Rolle dieser Beamten im Machtgefüge des oströmischen Reiches analysiert werden. Darüber hinaus wird durch die Untersuchung der strukturellen und institutionellen Kontrollmechanismen ein tieferer Einblick in die Organisation und das Funktionieren des oströmischen Reiches gewonnen.

Abgeschlossene Promotionsprojekte

Die Urbs aeterna und der "bessere Teil der Menschheit". Vom Herrschaftsantritt des Honorius bis zur Ermordung Valentinians III. (395–455) Inhalt einblenden

Eine Untersuchung zur politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der stadtrömischen Senatsaristokratie

Dr. des. Hendrik Wagner

Die Zielsetzung der Dissertation untersteht der bis heute vehement geäußerten Forderung, die Geschichte der weströmischen Senatsaristokratie und des Senates für die erste Hälfte des 5. Jh. n. Chr. vorzulegen. Unter Heranziehung aller für diese Zeit zur Verfügung stehenden Quellen wurde die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Senats und der stadtrömischen Senatsaristokratie einer umfassenden Untersuchung unterzogen.

Ein besonderes Anliegen war hierbei, nicht nur die literarischen, epigraphischen und numismatischen Quellen, sondern vor allem auch die archäologischen Zeugnisse in die Betrachtung einzubeziehen. Die archäologischen Zeugnisse wurden hierbei ausführlich diskutiert und zum Teil auch neu datiert und bewertet.

Es ließ sich zeigen, dass die stadtrömische Senatsaristokratie und der Senat durchaus verstanden, die Chancen zu nutzen, die die politische Schwäche der Kaiser, aber auch der Heermeister boten. Um die Handlungsfähigkeit der Zentralgewalt aufrecht zu erhalten, waren sowohl der Kaiser als auch die Heermeister auf die Kooperation der Senatsaristokratie und des Senats angewiesen. Vor allem anhand der Gesetzgebung, Amtsbesetzung und Ehreninschriften ließ sich dies deutlich aufzeigen.

Gleichzeitig bietet die Arbeit einen umfassenden Einblick in das Kulturleben Roms und des römischen Westens in der ersten Hälfte des 5. Jhs. Im Kultur- und Identitätserhalt - gerade auch in der Erhaltung der stadtrömischen Monumente, der Bildung, der altehrwürdigen Ämter und der Spielgebung - stellt die stadtrömische Senatsaristokratie ihren Wert als Bewahrer der Urbs aeterna und der römischen Welt unter Beweis. In der Aristokratisierung des Christentums zeigt sie sich gleichermaßen als Erneuerer und Bewahrer, wobei - umgedreht - die Christianisierung der Senatsaristokratie durchaus auch zerstörerische Züge annehmen konnte. In diesem Kontext ließen sich die senatorischen Kirchenstiftungen, Reliquienkulte, Heiligenlegenden und christlich-senatorischen Bildwelten diskutieren. 

Insgesamt ist eine facettenreiche Studie entstanden, die nicht nur für die Alte Geschichte, sondern auch für die Klassische Archäologie, Theologie, Patristik und christliche Archäologie von großem Interesse sein wird.

 

Gutachter: 

  1. Univ.-Prof. Dr. Timo Stickler
  2. Prof. em. Dr. Angelika Geyer

eingereicht: 24. April 2018

Tag der mündlichen Prüfung: 23. Oktober 2018

Politische Strategien und Diplomatie in den Konflikten zwischen dem spätantiken Rom und den Sasaniden im 5. und 6. Jahrhundert Inhalt einblenden

Dr. Hansjoachim Andres

Sowohl die Diplomatie als auch deren wissenschaftliche Erforschung haben sich nach dem Ersten Weltkrieg erheblich gewandelt. In der Politikwissenschaft wird von einer "new diplomacy" ausgegangen, in welcher die konventionelle Diplomatiegeschichte, die sich auf zwischenstaatliche Verhandlungen auf höchster Ebene beschränkt, von einer breiteren Betrachtung abgelöst wird, welche die zahlreichen Hintergründe internationaler Beziehungen einbezieht.

Für die Altertumswissenschaften gilt dies aber nicht in gleichem Maße. In diesen herrscht nach wie vor das enge Diplomatieverständnis des 19. Jahrhunderts und die mit diesem einhergehenden Grundannahmen über die Diplomatie als in ihrem Wesen ehrliche und ehrenhafte Begegnung staatlicher Mächte auf einer Ebene in einem strengen formalen Rahmen. Somit blieb aber bisher ein Großteil zwischenstaatlicher Aktionen, die heute fraglos der Diplomatie zugeordnet werden, in diesem Zusammenhang unbeachtet.

In der Dissertation wird ein fortlaufendes und ununterbrochenes Band zwischenstaatlicher Beziehungen zwischen Rom und den Sasaniden aufgezeigt, welches zu einer Neubewertung der in den Quellen zu findenden militärischen wie zivilen Konflikten führt. Der Eindruck kurzfristiger und geradezu beliebiger Außenpolitik weicht unter dem Licht der "new diplomacy" diesem Band, das beide Seiten mit allen Mitteln, die vormodernen Staaten zur Verfügung standen, in ihrem Sinne zu modifizieren suchten. Der Untersuchungsraum umfasst, mit Vor- und Rückgriffen, die Zeit von der Teilung Armeniens Ende des 4. Jahrhunderts bis zum Abschluss des fünfzigjährigen Friedens unter Justinian I. und Chosrau I.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Iberien in der Spätantike Inhalt einblenden
Mirian III. auf einem Wandbild in der Swetizchoweli-Kathedrale Mirian III. auf einem Wandbild in der Swetizchoweli-Kathedrale Foto: LS Alte Geschichte

Ein Kleinstaat im Spannungsfeld zweier Imperien

Berabeiter: PD Dr. Frank Schleicher

Während aktuelle Forschungsarbeiten zur Spätantike die Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und dem Perserreich sowie die Kontakt- und Konfliktzonen beider Imperien in Armenien, Mesopotamien und in den arabischen Steppenzonen intensiv in den Blick nehmen, steht der transkaukasische Raum zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer noch weitgehend im Schatten der Forschung. Diese Region war jedoch sowohl für den spätantiken römischen Kaiser als auch für die Sāsāniden ein wesentlicher Bezugspunkt in ihrer jeweiligen geostrategischen Ausrichtung gegenüber dem anderen Großreich: Als nördlicher Abschluß der Konfliktzone zwischen den Imperien besaß der Raum zum einen eine große Bedeutung in den politischen und militärischen Auseinandersetzungen, ihm kam zum anderen aber auch eine Schlüsselstellung bei der Sicherung der Grenzen beider Reiche gegenüber den nördlich des Kaukasus siedelnden Steppenvölkern (Hunnen, Alanen und Chasaren) zu.

Um die Bedeutung der transkaukasischen Region für die beiden spätantiken Großreiche und die Rückwirkungen dieser Lage auf die lokale Entwicklung zu untersuchen, soll die geplante Studie exemplarisch das vergleichsweise gut dokumentierte Königreich Iberien in den Blick nehmen, das jeweils in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem der beiden Großreiche stand. Iberiens politische und kulturelle Entwicklung in der Spätantike, die in der bisherigen Forschung nur knapp bzw. unter weitgehend unkritischer Auswertung des Quellenmaterials aus westlichen und orientalischen Traditionen betrachtet wurde, soll dabei umfassend analysiert werden.

Die Geschichte Iberiens wird unter einer imperialen Perspektive zum einen als ein Fallbeispiel für die Stellung und Positionierung eines abhängigen Kleinstaates an den Grenzen des römischen bzw. persischen Reiches eingehend untersucht. Zum anderen werden unter einer lokalen Perspektive die Konsequenzen dieser geopolitischen Lage für die Entwicklung der staatlichen und sozialen Strukturen Iberiens, die Handlungsspielräume der iberischen Monarchen und die Festigung des lokalen Königtums gegenüber den Großreichen und dem iberischen Adel sowie die religiösen und kulturellen Beeinflussungen der Region durch die Imperien herausgearbeitet. Dabei wird auch die Bedeutung des Christentums bei der Formierung einer lokalen Identität betrachtet.

Schließlich wird unter einer dritten Perspektive die Bedeutung des Königreichs an der Kontaktzone zwischen den Steppennomaden und den Großreichen analysiert. In der Untersuchung sollen die unterschiedlichen Quellengattungen kritisch ausgewertet und in ihrer je eigenen Problematik betrachtet werden, um so zu einer neuen Gesamtwertung der Entwicklung Iberiens zwischen dem 3. und dem 7. Jahrhundert zu kommen und einen wichtigen Beitrag für die Rekonstruktion seiner Geschichte an der Schnittstelle zwischen Antike und Mittelalter zu leisten. Die Studie wird zugleich zum besseren Verständnis der Rolle abhängiger Staaten zwischen Rom und Persien in der Spätantike beitragen.

Im Rahmen des Projektes fand vom 07.07 bis zum 09.07.2016 ein Workshop statt, bei dem die führenden Spezialisten in Jena über ihre aktuellen Forschungen diskutierten. Die Ergebnisse des Workshops wurden 2019 in der Reihe Oriens et Occidens (Band 29) unter dem Titel Iberien zwischen Rom und Iran. Beiträge zur Geschichte und Kultur Transkaukasiens in der Antike veröffentlicht.

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