Bild der Chroniken Ettenheim-Münster

Anne Greule, M.A.

Mittelalterliche Geschichte
Bild der Chroniken Ettenheim-Münster
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Anne Greule
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Anne Greule
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Fürstengraben 13
07743 Jena
Vita Inhalt einblenden
  • 2009 - 2013 Bachelorstudium der Geschichte und Latinistik in Jena

  • 2011 - 2012 einjähriger Studienaufenthalt an der University of Jyväskylä (Jyväskylän Yliopisto), Finnland

  • 2013 Bachelorarbeit über 'behinderte' Priester in der Kanonistik

  • 2010-2013 Tutorin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte bei Prof. Dr. Achim Hack

  • 2013 - 2015 Masterstudium 'Mittelalterstudien' in Jena; Praktika bei den Monumenta Germaniae Historica und im Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig (März - Juli 2014)

  • 2015 Masterarbeit zur Mariologie des Alain von Lille

  • 2014 - 2015 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit bei Prof. Dr. Susanne Daub

  • 2010 - 2015 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes

  • seit Oktober 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte

  • 04 - 06/2017 und 10 - 12/2019 Forschungsstipendiatin am Deutschen Historischen Institut Paris
Forschung Inhalt einblenden
  • mittelalterliche Ideengeschichte, Kanonistik, Dis/ability History, Handschriftenkunde

  • Dissertationsprojekt: "Die Predigten des Alain von Lille (gest. 1203) vor dem Hintergrund der Entwicklung der Universität Paris"

"Die Liebe wird Wissensfülle genannt, denn hin zu ihr streben das Gesetz und die Propheten. Sie ist die Vollendung jeglichen Wissens, das formgebende Prinzip jeder Lehre. Wissen ohne Liebe macht hochmütig, mit Liebe aber erbaut es. […] Denn die Fülle des Wissens und die Vollendung der Liebe streben hin zum Erbarmen der göttlichen Majestät, und spiegeln sich in ihren eigenen Antlitzen, da sie sich einander zuwenden, weil weder das Wissen ohne Liebe vervollkommnet, noch die Liebe ohne Wissen vollendet wird." Die Beschäftigung mit den ethischen Implikationen von Wissen ist kein Phänomen der Moderne, wie dieses Zitat eines mittelalterlichen Gelehrten illustriert. Wissen und Lehrinhalte müssen auf einem soliden Tugendfundament ruhen, damit sie ihre Bestimmung erreichen. Umgekehrt gilt aber auch für die ethische Vervollkommnung, dass sie ohne Wissen nicht erzielt werden kann; das Verhältnis ist also ein wechselseitiges. Das Zitat ist einer Modellpredigt entnommen, die als Beispiel für eine Predigt zum dritten Adventssonntag erdacht wurde.

Bei ihrem Urheber handelt es sich um den Magister Alain von Lille (lateinisch Alanus ab Insulis), der in der zweiten Hälfte des 12. 

Jahrhunderts in Paris und in Südfrankreich wirkte und dessen Ruhm unter seinen Zeitgenossen und Nachfolgern seinem heutigen allgemeinen (Nicht-)Bekanntheitsgrad diametral entgegensteht. In der geistesgeschichtlichen Spezialforschung gilt er jedoch als herausragende Persönlichkeit, die sich in einer Phase der Wissenstransformation, als die das ‚lange 12. Jahrhundert‘ gemeinhin gilt, in zentrale intellektuelle Debatten einschaltete. 

Philosophiehistoriker haben immer wieder betont, welche bedeutende Rolle etwa die Abgrenzung von ‚Naturphilosophie‘ und Theologie sowie die Frage nach perfekter Erkenntnis im philosophisch-theologischen Oeuvre Alains spielen. Weitere seiner Wirkungsfelder, sowohl theorie- als auch praxisbezogen, waren die Seelsorge und die Bekämpfung von Heterodoxien, namentlich der Katharer und Waldenser.

Alains Reflexionen zum moralischen Fundament von Wissen/Wissenschaft und zur klaren Abgrenzung der fachlichen Disziplinen müssen vor dem Hintergrund der geistesgeschichtlichen und sozialen Transformationsprozesse um 1200 gesehen werden. Kennzeichen und Ergebnis dieser Transformation ist die Entstehung der Institution ‚Universität‘ während dieser Zeit. Relativ gut nachvollziehen lassen sich dank der hervorragenden Forschungslage die primären institutionellen Schritte hin zur Pariser Universität, deren Ausformung weit ins 13. Jahrhundert reicht. Grundlegend ist jedoch, dass sich in den Quellen erstmals zwischen 1205 und 1210 der Begriff der universitas für den Zusammenschluss der Pariser Magister und Studenten finden lässt, die an den verschiedenen Schulen der Stadt lehrten und lernten. Die ersten überlieferten Statuten datieren auf 1215, wobei deren Inhalte möglicherweise bereits einige Jahre zuvor in Geltung waren. In den ersten Dekaden des Jahrhunderts bildeten sich auch die zentralen Gliederungselemente der Universität, nämlich die Nationen und Fakultäten mit ihren jeweiligen Ämtern.

Um die Entstehung einer völlig neuartigen Institution besser verstehen zu können, müssen jedoch nicht nur die organisatorischen und strukturellen Entwicklungsschritte erforscht, sondern im gleichen Maße die kultur-, kommunikations- und ideengeschichtlichen Aspekte dieses Prozesses in den Blick genommen werden. An diesem bisher weniger stark beachteten Punkt setzt meine Dissertation an und fragt danach, wie die Transformation des Bildungswesens auf intellektueller und kommunikativer Ebene mitgestaltet wurde. In der Annahme, dass die Umbruchphase den Zeitgenossen bewusst war, soll am Beispiel des Magisters Alain von Lille untersucht werden, wie die Akteure des Pariser Schulwesens in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts versuchten, ihr Wirken mit einem ethischen Fundament zu versehen, es zu legitimieren, und schließlich ihre diesbezüglichen Ansätze zu vermitteln. Magisterpredigten eignen sich für diese Ziele in besonderer Weise als Quelle, da sie sowohl einen paränetischen Charakter aufweisen als auch theoretisch-intellektuell fundiert sind. 

In der Untersuchung von Alains Predigten möchte ich daher zu zeigen versuchen, wie der Magister seine Ansichten und Modelle zu Bildung und Erkenntnis, sowie deren ethische Implikationen veranschaulichte, legitimierte und bewarb, und damit zur schrittweisen Formation der Universität als einer bis heute bestehenden Institution beitrug.

Publikationen Inhalt einblenden
  • Knowledge and temporal felicity in Albert the Great and Alan of Lille, in: Przegląd Tomistyczny XXV (2019), S. 9-49 [mit Lisa-Maria Knothe]
  • [mit Friederike Stöhr] Art. "Der Körper der Geistlichen: Mittelalterliche Kanonistik und Rechtspraxis", in: Dis/ability history der Vormoderne. Ein Handbuch, hrsg. von Cordula Nolte, Bianca Frohne, Uta Halle und Sonja Kerth, Affalterbach 2017, S. 303-305.
  • [mit Ludwig Schmugge und Friederike Stöhr] Art. "Klerus - wieviel Normabweichung darf sein?", in: Dis/ability history der Vormoderne. Ein Handbuch, hrsg. von Cordula Nolte, Bianca Frohne, Uta Halle und Sonja Kerth, Affalterbach 2017, S. 268-271.
  • Das ›a‹ im maneat. Thomas Müntzers Regenbogenfahne als Teil eines Diskurses, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte 65 (2011), S. 25-42.

Übersetzungen

  • Abraham Hinckelmann, Vorwort, in: Al-Coranus S. Lex Islamitica Muhammedis, Filii Abdallae Pseudoprophetae, Hamburg 1694, [S. 17-18] (übersetzt von Anne Kathrin Greule), veröffentlicht in: Hamburger Schlüsseldokumente zur deutsch-jüdischen Geschichte, <https://dx.doi.org/10.23691/jgo:source-45.de.v1>
  • Mitwirkung an der Übersetzung von Defamatory Text Concerning Simon Lefmans, "Niedersächsische Nachrichten von Gelehrten neuen Sachen" [Lower Saxon Notices for New Learned Matters] of November 2, 1733 (Vol. LXXXVI), pp. 737-746. (translated by Richard S. Levy), edited in: Key Documents of German-Jewish History, <https://jewish-history-online.net/source/jgo:source-143>

Rezensionen

Tagungsberichte

Lehre Inhalt einblenden

Sommersemester 2019

  • Seminar: Homo Deus - Unsterblich werden im Mittelalter

Wintersemester 2018/2019

  • Seminar: Mit einem Pariser Gelehrten durch das 12. Jahrhundert
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