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Andreas Neumann

Geschlechtergeschichte
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Foto: Gemeinfrei

Kontakt

Andreas Neumann, Dr.
Lehrbeauftragter
Andreas Neumann
Raum 204
Zwätzengasse 3
07743 Jena

Zur Person

Vita Inhalt einblenden
  • 15. Juli 2020 Promotion zum Dr. phil. an der FSU Jena (Prädikat: summa cum laude)                                                                                                                         
  • seit 10/2019 Lehrbeautragter am LS für Geschlechtergeschichte bei Prof. Dr. Gisela Mettele am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • seit 09/2019 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsgeschichtlichen Forschungsstelle im Universitätsarchiv Jena

  • 05/2019 Einreichung der Dissertationsschrift und Eröffnung des Promotionsverfahrens                                                                                                                    
  • 01/2019 – 8/2019 Redakteur der „Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Jena“

  • 11/2015 – 11/2018 Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung

  • 08/2014 – 11/2015 Postgraduales Lehramtsstudium im Fach Sozialkunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • 11/2011 – 12/2015 Studentische Hilfskraft im Universitätsarchiv Jena

  • 2008 – 2014 Studium an der FSU Jena in den Fächern Geschichte, Philosophie und Erziehungswissenschaft (Abschluss: Erstes Staatsexamen mit Auszeichung)
Forschung Inhalt einblenden

Forschungsinteressen:

  • Universitäts- und Bildungsgeschichte des 19./20. Jahrhunderts
  • Sozialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs
  • Medizin- und Körpergeschichte der Geschlechterdifferenz im 19. Jahrhundert
  • Geschichte der Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich
  • Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte (Geschichte der Geschichts- und Sozialwissenschaft in Deutschland)
  • Historische Diskursanalyse und Wissenssoziologie

Aktuelles Forschungsprojekt:

Die akademischen Ehrungen an der Universität Jena im kurzen 20. Jahrhundert. Von den institutionellen Umständen der Ehrungen bis zum politischen Handeln der Geehrten

Das mediale und breitere öffentliche Interesse zeigt die Notwendigkeit einer systematischen Erforschung akademischer Ehrungen. Systematisch und nicht nur entlang von Einzelfällen sollte die Forschung deshalb geschehen, weil erst eine Aufarbeitung der komplexen Verleihungsumstände jenseits von Einzelpersonen die strukturellen Beziehungen zwischen den politischen Tätigkeiten von öffentlich geehrten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufzeigt. Kurz ausgedrückt, offenbart diese Form der Erforschung, das nicht auf eine Einzelperson reduzierbare Wechselverhältnis zwischen Staat, Universität und Gesellschaft bzw. Politik, Wissenschaft und breiterer Öffentlichkeit. Das Agieren einzelner Geehrter über Systemgrenzen hinweg, also beim Übergang von Weimarer Republik, Nationalsozialismus und DDR wird zudem erst in dieser strukturellen Ebene verstehbar. Nähere Informationen zum Forschungsprojekt finden sich auf der Seite der Universitätsgeschichtlichen Forschungsstelle im Universitätsarchiv Jena.

Abgeschlossenes Forschungsprojekt (Dissertation):

„Vom Eintritt der Frauen in die Universitäten des Deutschen Kaiserreiches. Eine Studie zur Theorie und Praxis wissenssoziologischer Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft“

Die Zulassung von Frauen an die Universitäten des Deutschen Kaiserreiches geschah in den Jahren zwischen 1900 und 1909 durch Beschlüsse der einzelnen deutschen Regierungen. Diese Zeit erscheint lang für ein Begehren, dessen Rechtmäßigkeit außerhalb Deutschlands bereits allgemeine Anerkennung fand. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, wie lang der Prozess tatsächlich dauerte: Die sich formierende deutsche Frauenbewegung erhob die ersten Forderungen nach höherer Bildung für Frauen bereits 35 Jahre früher. Nun ließe sich sagen, Institutionen und ihre Akteurinnen und Akteure sind träge, denn das Wesen von Institutionen ist gerade ihre Beständigkeit. Dennoch fragt sich: Weshalb dauerte dieser Wandel an den deutschen Universitäten besonders lang und welche Weichenstellungen führten schließlich eine Änderung herbei?

Nur wenige Arbeiten zum sogenannten Frauenstudium thematisieren das Spannungsverhältnis zwischen Kontinuität und Dynamik, dem sich die Institution unter dem Druck gesellschaftlicher Wandlungsprozesse ausgesetzt sah. Keine Arbeit durchmaß dieses Spannungsverhältnis bislang in einer Breite, welche die Wechselwirkungen zwischen den drei Ebenen des Wissens, der Institution und der Subjekte umfasst. Dieses Spannungs- und Abhängigkeitsverhältnis enthält den Schlüssel zum Verständnis der nur langsam sich vollziehenden institutionellen Öffnungsprozesse sowie deren begrenzter Reichweite.

Um die Wechselwirkungen zwischen Wissen, Institution und Subjekt in den Blick zu bekommen, unterliegt die Studie einer Perspektive, die den Streit um die akademische Frauenbildungsfrage als ein Diskursfeld begreift: In diesem Diskursfeld traten soziale Akteure und Akteurinnen auf, die sich in institutionellen Feldern bewegten und dadurch mit Machtpotenzialen ausgestattet waren, die es ihnen erlaubten, als Sprechende auftreten zu dürfen. Die Waffe dieser Akteurinnen und Akteure war das Wort und ihr Ziel die Aktivierung von Deutungsmustern, die festlegten, welche Probleme als legitim galten, und welche Problemlösungen sich durchsetzten. Eine derartige Aktivierung von Deutungsmustern sorgte dafür, dass sich Wissen, Institution sowie die Vorstellungen über den legitimen Handlungsspielraum von Subjekten veränderten.

Die zentrale These lautet: Innerhalb des Diskursfeldes zur akademischen Frauenbildungsfrage ereignete sich ein struktureller Konsens zwischen konservativen und liberalen Diskursstrategien. Dieser Konsens bewirkte eine dynamische Stabilisierung des universitären Feldes. Ein zentraler Teil dieser Stabilisierung der klassischen Männeruniversität betrifft die Konstruktion der sogenannten Ausnahmestudentin. Die kaum zu erreichenden Erwartungen an diese hochbegabten Ausnahmen waren ein wichtiger Baustein dessen, was als gläserne Decke für einen subtilen Ausschluss von Frauen aus universitären Karrierewegen sorgte und sorgt.

Empirisch rekonstruieren lässt sich das Diskursfeld durch zeitgenössische Publikationen zum Thema des Frauenstudiums: In einem halben Jahrhundert zwischen 1866 und 1918 entstanden etwa 450 derartige Publikationen. Diese Schriften sind Fragmente des Wissens und der Macht. Sie helfen zu verstehen, auf welche Weise sich die Spannungen kanalisierten und Veränderungen bewirkten. Sie fragten danach, wie und weshalb Frauen einen Platz an den Universitäten finden sollten; sie fragten danach, was dies aus den Universitäten und noch bedeutsamer, was dies aus den Frauen machen würde. Diese Fragen und Antworten klassifizierten sowohl den Gegenstand der Universität als auch das Subjekt der Studentin. Letztere konnte sich schließlich in die Universitäten immatrikulieren; längst etabliert hatte sich dabei das Wissen über die Position dieses Subjekts innerhalb der Universität; dieses Wissen fand sich eingeschrieben in ihren Körper, in ihren Geist und in ihr Verhalten. Schranken, die einst dafür sorgten, die Studentin von der deutschen Universität auszuschließen, zogen sich in das Innere der sozialen Akteure und Akteurinnen zurück und bildeten dort eine kaum sichtbare, dafür umso wirksamere Grenze. Frauen erhielten Eintritt, mussten dabei jedoch Frauen im Sinne eines spezifisch deutschen Weiblichkeitsideals bleiben. Dieser prekäre Status im öffentlichen Raum gestattete es lediglich Ausnahmen, sich vom Schicksal ihrer Gattung zu emanzipieren: Die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung in Bildung und Beruf bot sich lediglich einer begabten Elite.

Publikationen Inhalt einblenden

Monografie

  • Gelehrsamkeit und Geschlecht. Das Frauenstudium zwischen deutscher Universitätsidee und bürgerlicher Geschlechterordnung (1865–1918) (=Wissenschaftskulturen. Teilreihe III: Pallas Athene), Stuttgart [erscheint voraussichtlich 2021]

Herausgaben

  • Walter Rüegg: Zwischen Hochschule und Öffentlichkeit. Beiträge aus 50 Jahren Universitätsgeschichte und Hochschulpolitik, hrsg. v. Joachim Bauer, Ruth Meyer Schweizer, Andreas Neumann, Stefan Gerber und Notker Hammerstein, Stuttgart 2016.

Aufsätze

  • Studentinnen: russisch – jüdisch – staatsgefährdend? Zur prekären Pionierrolle russländischer Studentinnen im Deutschen Kaiserreich sowie deren Ausgrenzung an der Universität Jena, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte (Manuskript bei den Herausgebern).
  • Vom „Unkenteiche alter Vorurtheile“ zur Erfahrungskunde? Die Bedeutung praktischer Erfahrung in veröffentlichten Umfragen zum „Frauenstudium“ unter Hochschullehrern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zwischen 1894 und 1918, in: Martin Göllnitz/Kim Krämer (Hgg.): Vom akademischen Elfenbeinturm zum Studium Generale: Funktion, Aufgabe und Status von Hochschulen und Hochschullehrenden im öffentlichen Raum     (=Beiträge zur Geschichte der Universität Mainz Neue Folge; Bd 17), Göttingen 2020, S. 267-294.
  • Polarisierung oder Konsens? Universitätspolitische Entscheidungsprozesse zur Öffnung des Studiums für Frauen an der Jenaer Universität 1892 – 1907, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte Jg 74 (2020), S. 131-159.
  • Produktive Polarisierung: Medizinisches Geschlechterwissen als Dynamisierungsfaktor in der Frauenbildungsfrage des späten 19. Jahrhunderts, in: Muriel González/Falko Schnicke (Hgg.): Popularisierung von Geschlechterwissen seit der Frühen Neuzeit. Konzepte und Analysen (= HZ Beiheft; Bd.79), Berlin 2020, 149-182
  • Interdisziplinäre Brücken – disziplinäre Blockade? Potentiale der WDA in der historischen Forschung am Beispiel der Frauenbildungsfrage, in: Saša Bosančić/Reiner Keller (Hgg.): Perspektiven wissenssoziologischer Diskursforschung; Bd. 2 (= Theorie und Praxis der Diskursforschung), Wiesbaden 2019, S. 227 – 243.
  • Universitätsgeschichte und Hochschulpolitik im Licht humanistischer Soziologie, in: Walter Rüegg: Zwischen Hochschule und Öffentlichkeit. Beiträge aus 50 Jahren Universitätsgeschichte und Hochschulpolitik, hrsg. v. Joachim Bauer und Ruth Meyer Schweizer, Stuttgart 2016, S. 23 – 36.
  • Inmitten von Zeiss und Salana. Überlegungen zum Antisemitismus als Schnittmenge zwischen völkischer Weltanschauung und NS-Ideologie am Beispiel Jena, in: Janine Patz (Kokont), Matthias Quent/Peter Schulz/Andreas Neumann (Hgg.): Antisemitismus am Beispiel Thüringen und Jena. Geschichte, Erscheinungsformen und Virulenz, Jena 2012, S. 25 – 58.

Lexikonbeiträge

  • Art. „Frauenstimmrecht“, in: Jena: Lexikon zur Stadtgeschichte, hrsg. v. Rüdiger Stutz/Matias Mieth, Berching 2018, S. 213.
  • Art. „Verein Frauenwohl“, in: Jena: Lexikon zur Stadtgeschichte, hrsg. v. Rüdiger Stutz/Matias Mieth, Berching 2018, S. 680 – 681.
  • Art. „Frauenstudium“, in: Jena: Lexikon zur Stadtgeschichte, hrsg. v. Rüdiger Stutz/Matias Mieth, Berching 2018, S. 213 – 214.

Rezensionen

  • Rezension zu: Gehring, Magdalena: Vorbild, Inspiration oder Abgrenzung?. Die Amerikarezeption in der deutschen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert. Frankfurt am Main  2020. ISBN 978-3-593-51104-7, In: H-Soz-Kult, 23.10.2020, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-28820
  • Rezension zu: Briatte, Anne-Laure: Bevormundete Staatsbürgerinnen. Die »radikale« Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich. Aus dem Französischen von Meiken Endruweit. Frankfurt am Main  2020. ISBN 9783593508276, In: H-Soz-Kult, 18.05.2020, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-28636
  • Ostermeyer, Serjoscha P.: Der Kampf um die Kulturwissenschaft. Konstitution eines Lehr- und Forschungsfeldes 1990 – 2010, Berlin 2016, in: H-Soz-Kult, 08.09.2017, URL: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-25800
  • Stange-Fayos, Christina: Publizistik und Politisierung der Frauenbewegung in der wilhelminischen Epoche. Die Zeitschrift Die Frau (1893 – 1914). Diskurs und Rhetorik, Frankfurt am Main 2014, in: H-Soz-Kult, 15.06.2016, URL: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-24238
  • Birn, Marco: Die Anfänge des Frauenstudiums in Deutschland. Das Streben nach Gleichberechtigung von 1869 – 1918, dargestellt anhand politischer, statistischer und biographischer Zeugnisse, Heidelberg 2015, in: H-Soz-Kult, 24.02.2016, URL: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-23490
Lehre Inhalt einblenden

WiSe 2020/21 

  • Seminar: Planziel oder Nebenwiderspruch? Die Frauenförderung an DDR-Hochschulen am Beispiel Jenaer Professorinnen

SoSe 2020

  • Seminar: Anything Goes!? Was Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie zur eigenen Forschung beitragen

WiSe 2019/20 

  • Seminar: Die soziale Frage und die erste Frauenbewegung
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