2019

Seminare

2019
Foto: ARCOSUR

Wintersemester 2018/2019

Patagonien - Romane der Jahrtausendwende Inhalt einblenden

Bis ins 19. Jh. konnten sich weite Teile des amerikanischen Südens der Kolonisation durch den erfolgreichen Widerstand der mapuche und anderer Ethnien entziehen und blieben so weitestgehend unabhängig vom spanischen Kolonialreich. Dadurch konnte die indigene Bevölkerung ihre eigenen Kulturtraditionen bis zur gewaltsamen Zurückdrängung, Marginalisierung und genozidalen Vertreibung Ende des 19. Jh. ("Pacificación de la Araucanía", "campañas del desierto") lange Zeit bewahren.
Dieses oft vergessene Kapitel argentinisch-chilenischer Kultur- und Kolonialgeschichte versucht der Patagonien-Roman der Jahrtausendwende aufzuarbeiten. Unter Rekurs auf klassische Erzählgattungen wie den Abenteuer-, Reise- oder Piratenroman antwortet er auf den eurozentristischen Topos der 'patagonischen Leere' mit dem Versuch, ausgelöschte indigene Erfahrungsräume sichtbar zu machen, zu tradieren und diverse Formen des Kulturkontakts zwischen Europa und Amerika narrativ zu inszenieren. Im Seminar soll mithilfe literatur- und kulturtheoretischer Ansätze zu Repräsentation, Fremdheit, Transkulturation, Interkulturalität, etc. die Frage nach der Möglichkeit der Selbst- und Fremddarstellung des 'Subalternen' gestellt und die narrativen Lösungsmodelle, wie der Patagonien-Roman sie anbietet, auf ihre Haltbarkeit und eventuelle Übertragbarkeit hin überprüft werden.

(MA 1 und 2), Mittwoch 14 bis 16 Uhr

Wintersemester 2017/2018

Der neue patagonische Roman (Belgrano Rawson, Valdés, Peluffo, Eckardt, Costa) Inhalt einblenden

Bis ins 19. Jahrhundert galt der amerikanische Süden aus metropolitaner Perspektive als 'barbarische Wüste' oder 'leerer Raum', der wegen seiner 'peripheren' geographischen Lage, der extremen klimatischen Verhältnisse, seiner großen Extension, aber vor allem wegen der Widerstandskraft der indigenen Bevölkerung nicht durch Spanien kolonisiert werden konnte. Erst nach den Nationalstaatsgründungen im 19. Jahrhundert wurden im Rahmen brutaler Militärkampagnen ('Pacificación de la Araucanía' in Chile und 'Campanha del desierto' in Argentinien) große Teile der autochthonen Bevölkerung getötet und vertrieben. Dieser Genozid in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf die Basis für eine staatlich geförderte Besiedelung Patagoniens durch europäische EinwanderInnen. Dadurch definiert sich der grenzüberschreitende patagonische Raum im Süden Argentiniens und Chiles in ganz besonderer Weise durch kulturelle Heterogenität, Transkulturalität und Hybridität, in dem sich indigene, kreolische und europäische (v.a. deutsche und walisische) Kulturtraditionen vermischen und neue Formen von Transkulturalität herausbilden. Insbesondere der neue patagonische Roman, wie er sich ab dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts herausbildet, legt davon beredtes Zeugnis ab und kann als Exponat dieser hybriden, transkulturellen, metaliterarischen und auch politisch hochreflektierten Kultur und Literatur gelten.

Dieser Entwicklung will das Seminar anhand einiger Beispiele des chilenischen und argentinischen neuen patagonischen Romans nachgehen. Die Textauswahl wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben, die relevanten Referenztexte zur Verfügung gestellt.

(MA); Mittwoch, 14 bis 16h; CZS, SR 121

Sommersemester 2017

Leopoldo Marechal y su recepción 'secreta' en la literatura argentina Inhalt einblenden

Das Seminar geht von der Annahme aus, dass das Werk von Leopoldo Marechal (1900-1970), ein Autor, der von argentinischen Kritikern lange Zeit zum Schweigen gebracht wurde, eine Vorläuferrolle in der lateinamerikanischen Erzählung einnimmt. Wir verstehen das Substantiv „Vorläufer“ in dem Sinn, den Borges dem Wort in seinem berühmten Aufsatz „Kafka y sus precursores“ (andere Inquisitionen) in Bezug auf seine Reversibilität gibt; das heißt, nicht nur indem man seine Bedeutung für spätere Werke versteht, sondern auch indem man auch darüber nachdenkt, wie sein Fußabdruck die Lesart der argentinischen Literatur nach der Veröffentlichung des Romans „Marechaliana Adán Buenosayres“ verändert (1948). Das Seminar wird mit einem internationalen Kolloquium abgeschlossen, zu welchem alle Teilnehmer eingeladen sind, im Publikum teilzunehmen. Somit haben sie die Möglichkeit, direkt an einem laufenden Forschungsprojekt teilzunehmen und international anerkannte Experten der argentinischen Literatur in Jena kennenzulernen.

(MA); Dienstag, 16 bis 18h; CZ3, SR 125 (gemeinsam mit Carolin Voigt, M.A.)

Wintersemester 2016/2017

El realismo barroco de Carlos Gamerro o La nueva epopeya argentina Inhalt einblenden

Das Seminar geht von der Definition der „barocken Fiktionen“ des zeitgenössischen argentinischen Schriftstellers Carlos Gamerro (Ficciones barrocas, 2010) aus, um sie auf sein eigenes Werk anwenden zu können. Durch die Analyse von drei Romanen desselben Autors (Las Islas, 1998; El secreto y las voces, 2002; La aventura de los bustos de Eva, 2004) wird die sonderbare Verflechtung zwischen einer höchst metaphorischen, spielerischen und experimentellen Schrift und einem entschieden politischen und referentiellen Ansatz untersucht, welcher immer die entscheidenden und kritischen Momente der argentinischen Geschichte hervorhebt.

(MA); Mittwoch, 14 bis 16h; CZ3, SR 121

Sommersemester 2016

Reducciones, de Jaime Luis Huenún. Poética de la champurria contra la aniquilacón del lenguaje, el territorio y la memoria Inhalt einblenden

In diesem Seminar werden wir uns mit dem Buch „Reducciones“ von dem von den Mapuche-Huilliche-stammenden Autor Jaime Luis Huenún auseinandersetzen, um herauszufinden, wie sich das Buch mit den verheerenden Auswirkungen des westlichen Kolonialismus vom 16. Jahrhundert bis heute befasst (spanischer, chilenischer und transnationaler Kolonialismus) und mit der von Huenún bearbeiteten poetischen Antwort, mit welcher die literarische Modernität – welche auch eine ethische und politische der Emanzipation ist - der Kultur der Mapuche-Huilliche in einer Situation der Subalternität begründet werden soll. Das Buch stellt äußerst territorialisierte Identitätsbilder dar, indem es für die Poesie die Erinnerung an die alten Territorien der Mapuche Huilliche (die Futahuillimapu, welche von Valdivia bis Chiloé reicht) wieder aufleben lässt. 
Außerdem ist es ein Buch, das sich mit der gegenwärtigen Globalisierung, der Deterritorialisierung und ihren verfremdenden Auswirkungen auf die indigene Kultur und Sprache, beschäftigt.  
Die Dichtung von Huenún ist also eine Art Berichtigung der Ansichten gegen die imperiale Sprache, die die Kultur der Mapuche zerbrechen ließ, aber auch gegen diese Trümmer, wenn sie, aufgrund wiederholten Niederlagen, zu Hindernissen der Emanzipation der indigenen Bevölkerung werden.

Das Seminar wird  auf spanisch gehalten.

(MA); Donnerstag, 12 bis 14 h; (zus. mit Prof. Dr. Sergio Mansilla, Universidad Austral de Chile (Valdivia)

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