Auelehm aus der Hochflutebene der Weißen Elster bei Pegau.

Seit wann beeinflussen Menschen die Landschaftsentwicklung?

Zweifel an menschgemachter Landschaftsentwicklung während der Steinzeit
Auelehm aus der Hochflutebene der Weißen Elster bei Pegau.
Foto: Hans von Suchodoletz

Meldung vom: 25. Oktober 2021, 10:00 Uhr | Verfasser/in: Ulf Walther | Zur Original-Meldung

Die Wissenschaft ist sich darin einig, dass das Wirken des Menschen seine Umwelt signifikant beeinflusst und verändert. Doch seit wann, darüber herrscht noch Uneinigkeit. Bislang galt der Auelehm, der unter anderem an der Weißen Ester zu finden ist, als Indiz für menschengemachte Landschaftsentwicklung seit der Steinzeit. Doch dies stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Peter Ettel von der Universität Jena nun in Frage.

Die Suche der Wissenschaft fokussiert sich auf das sogenannte Holozän, eine Epoche, die am Ende des Eiszeitalters vor ca. 11.700 Jahren begann und bis in die Gegenwart reicht. Deren erste Jahrtausende wiederum fallen mit den Spätphasen des von der Archäologie als Steinzeit bezeichneten ältesten Abschnitts der Menschheitsgeschichte zusammen. Als eines der markantesten Merkmale der Geowissenschaft, an denen sehr früher menschlicher Einfluss auf die Entwicklung der Landschaft in Mitteleuropa erkannt werden konnte, galt bisher der Auelehm. Dabei handelt es sich um Flussablagerungen, welche nach dem Verständnis jahrzehntelanger Auenforschung aus Rodungen im Einzugsgebiet der Flüsse und dem anschließenden Abtrag der blanken Böden durch Spülprozesse resultieren. In allen landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten Mitteleuropas gilt der Auelehm bislang als zuverlässiges Indiz für einen solchen teils bis in die Jungsteinzeit zurückreichenden menschlichen Einfluss auf die Umwelt.

„Internationale Berühmtheit in der Forschung hat der Auelehm der Weißen Elster. Er gilt bislang als einer der ältesten Auelehme überhaupt“, so Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Physischer Geograph an der Universität Leipzig und Leiter der Studie. „Wir haben jedoch Zweifel an dieser Hypothese, da unsere neuen Ergebnisse eher auf eine Herkunft der Auelehme aus Gebieten schließen lassen, welche nicht von jungsteinzeitlichen Rodungen beeinflusst waren, nämlich auf die damals bewaldeten Oberläufe des Flusses.“

Hypothesen müssen neu überdacht werden

Ein geographisch, archäologisch und geophysikalisch ausgerichtetes Team aus Leipzig, Jena, Tübingen und Magdeburg stellt damit die grundsätzliche Frage erneut, nämlich, seit wann der Mensch in die Landschaftsentwicklung eingreift, so Zielhofer: „Es gibt in der Tat deutliche naturwissenschaftliche Hinweise, dass wir die vormals formulierten Hypothesen überdenken müssen, aber ein abschließender Beweis steht aus meiner Sicht noch aus.“ Der Co-Autor und Archäologe Prof. Dr. Ulrich Veit von der Universität Leipzig ordnet die neuen Erkenntnisse ein: „Wir haben überzeugende Daten, aber diese stehen im Kontrast zum bisherigen Forschungsstand. Es wird auch in der Archäologie weitere Diskussionen über diese Frage geben, davon müssen wir aktuell ausgehen.“

Die Studie entstand im Rahmen des DFG-Projektes „Auswirkungen von Rapid Climate Changes und menschlicher Aktivität auf die holozäne hydro-sedimentäre Dynamik Mitteleuropas (Modellregion lössbedecktes Weiße Elster-Einzugsgebiet)“ und wurde in der Zeitschrift „Science of the Total Environment“ unter dem Titel „Overbank silt-clay deposition and intensive Neolithic land use in a Central European catchment – Coupled or decoupled?” veröffentlicht.

An dem Projekt sind Wissenschaftler:innen der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Eberhard-Karls-Universität Tübingen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig (UFZ) und der Universität Leipzig beteiligt.

Information

Original-Publikation:

Ballasus Helen et al. Overbank silt-clay deposition and intensive Neolithic land use in a Central European catchment – Coupled or decoupled? Science of the Total Environment (2021), DOI: 10.1016/j.scitotenv.2021.150858

Kontakt:

Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
Peter Ettel, Univ.-Prof. Dr.
Leiter des Seminars, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
Telefon
+49 3641 9-44890
Fax
+49 3641 9-44892
Löbdergraben 24a
07743 Jena
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