Do, 27.6.2019, 16:15 Uhr: Jan Patrick Zeller (Universität Hamburg) - Gestrecktes Belarussisch, verwässertes Polnisch? Die „Trasjanka“ in Belarus, das Schlesische in Polen

SR 221 MMZ, Ernst-Abbe-Platz 8
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Meldung vom: 27. Juni 2019, 10:27 Uhr

„Trasjanka“ bezeichnet eine Mischung aus Heu und Stroh, mit anderen Worten: Schlechtes, gestrecktes Viehfutter. Dieser Begriff wurden auf Formen der Rede übertragen, die als gemischt (und daher in vielen Augen als minderwertig) betrachtet werden: Als Trasjanka gilt Rede in Belarus, die sowohl Elemente des Russischen als auch des Belarussischen enthält. Auch im Begriff „Wasserpolnisch“ für das Schlesische in Polen schwingt, obwohl ursprünglich neutral als am Wasser der Oder gesprochenes Polnisch verstanden, die Konnotation eines verwässerten Polnischen mit, und zwar in diesem Fall eines historisch vom Deutschen verwässerten Polnischen. Heute befindet sich das Schlesische, das eine der wenigen noch stark gebrauchten Varietäten des polnischen Dialektkontinuums ist, unter dem Einfluss des Standardpolnischen.
Diese Formen der gemischten Rede sind in ihren Gebieten weit verbreitet und Gegenstand zahlreicher, in der Regel nicht nur linguistisch geprägter Diskussionen. Aus Sicht der modernen Dialektologie sind solche Formen zwischen autochthonen Mundarten und Standardsprache im Zuge der allgemein-europäischen Entwicklung der Aufgabe der Dialekte und / oder ihrer Konvergenz mit den Standardsprachen, nichts Ungewöhnliches. Die Trasjanka und das Schlesische wurde jedoch lange Zeit nicht mit dem Instrumentarium der modernen, variationslinguistischen Dialektologie untersucht. In dem Vortrag werden die soziolinguistischen und kontaktlinguistischen Aspekte dieser Formen gemischter Rede anhand von Korpusanalysen betrachtet.


Es ergeht herzliche Einladung!

Ruprecht von Waldenfels

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