Call for Papers: Holocaustfilme als Mittel im Kampf um Deutungshoheit? Europa im Kalten Krieg
Internationale Tagung: Holocaustfilme als Mittel im Kampf um Deutungshoheit? Europa im Kalten Krieg (Jena, 15.-16.02.2027; Einreichungsfrist: 08.05.2026)
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Call for Papers: Holocaustfilme als Mittel im Kampf um Deutungshoheit? Europa im Kalten Krieg
Internationale Tagung: Holocaustfilme als Mittel im Kampf um Deutungshoheit? Europa im Kalten Krieg (Jena, 15.-16.02.2027; Einreichungsfrist: 08.05.2026)
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Erinnerung oder Aufarbeitung? Erfahrungs- und Wissensproduktion in Holocaustfilmen der DDR, BRD und Italien 1945-1990“ veranstalten wir mehrere Workshops, um die entwickelten Thesen kritisch mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren.
Eine zentrale These unseres Projektes ist es, dass die Filme über den Holocaust nicht wie häufig angenommen „erinnern“ und auf ihre Gedenkfunktionen untersucht werden müssen, sondern wir fragen, ob sich Holocaustfilme, die zur Zeit des Kalten Krieges entstanden sind, nicht viel eher als Teil eines Kampfes um Deutungshoheit über den Holocaust verstehen lassen. Demnach steht noch nicht fest, ob es den Filmen und den Auseinandersetzungen mit ihnen um eine Aufarbeitung, d.h. eine Darstellung historischer Fakten, oder eine Erinnerung, d.h. die Darstellung einer abgeschlossenen Vergangenheit geht. Mit der Unbestimmtheit zwischen Aufarbeitung und Erinnerung ist auch das Schwanken der Filme zwischen auf die Gegenwart hin offenen und geschlossenen Zeitformen verbunden. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines Kampfes um Deutungshoheit zwischen den Blöcken von links und rechts bzw. Ost und West in den ehemals faschistischen Ländern zur Zeit des Kalten Krieges.
Im Fokus unseres Projektes stehen Italien und Deutschland als ehemals faschistische Länder, in denen nach Kriegsende unmittelbar eine kulturelle und vor allem audiovisuelle Auseinandersetzung mit dem Holocaust einsetzt, die bis in die Gegenwart anhält, sich dabei aber historisch verändert. Während des Kalten Krieges waren die ehemals faschistischen Länder auf exemplarische Weise von der Blockbildung betroffen: Die Gründung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR führte zu einer zwischenstaatlichen Polarisierung, während sich in Italien innerhalb eines Staates kommunistische und christdemokratische Kräfte gegenüberstehen.
Wie, so lautet unsere Frage für die geplante Tagung vom 15. bis 16.2.2027 in Jena, hat sich der Kalte Krieg auf die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust nicht nur in DDR, BRD und Italien, sondern auch im weiteren europäischen Kontext ausgewirkt. Denn auch wenn Deutschland und Italien exemplarisch betroffen sind, finden sich ähnliche Konstellationen auch in anderen europäischen Ländern – etwa eine innergesellschaftliche Spaltung in Katholizismus/Kommunismus in Polen, eine heterogene Kriegserfahrung zwischen Kollaboration/Widerstand in Frankreich.
Eingeladen sind Nachwuchswissenschaftler:innen, Filmkurator:innen und Archivar:innen aus Fachbereichen wie Film- und Medienwissenschaft, Geschichte, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft. Erwünscht sind 20-minütige Beiträge, die sich mit folgenden Themen befassen:
- Auswirkungen des Kalten Krieges auf Kultur- und Filmpolitik von DDR, BRD und Italien und im übrigen Europa
- die Rolle einzelner Akteure, Gruppierungen oder Institutionen bei der Entstehung und Verbreitun von europäischen Holocaustfilmen
- Rezeption und öffentliche Wirkung von Holocaustfilmen
- filmanalytische Fallstudien zu einzelnen Holocaustfilmen
- ländervergleichende Perspektiven
- Entstehung und Verbreitung von Holocaustwissen durch Filme
Die Konferenzsprache ist Englisch. Ausgewählte Beiträge sollen in einem Sammelband veröffentlicht werden.
Die Tagung vom 15. bis 16.2.2027 wird von der Professur für Filmwissenschaft der Universität Jena veranstaltet. Sie findet im Rahmen des Forschungsprojekts „Erinnerung oder Aufarbeitung? Erfahrungs-und Wissensproduktion in Holocaustfilmen der DDR, BRD und Italien 1945-1990“ statt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.
Bewerber:innen senden bitte bis zum 08.05.2026 ein Abstract (300 Wörter) und eine Kurzbiographie (max. 150 Wörter) an naemi.haar@uni-jena.de und louisa.maier@uni-jena.de. Wenden Sie sich bei Fragen gern an Naemi Haar und Louisa Maier.