Apfelblüte in Schillers Garten

Lesung und Gespräch mit Dorothee Riese (Leipzig)

Die Gunst des Augenblicks 2026 - Prosa der Gegenwart
Apfelblüte in Schillers Garten
Foto: Jennifer Günther
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Veranstaltungseckdaten

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Beginn
Ende
Veranstaltungsarten
Lesung/Vortrag
Ort
Schillers Gartenhaus
Schillergäßchen 2
07745 Jena
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Veranstaltungssprache
Deutsch
Barrierearmer Zugang
nein
Öffentlich
ja
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Die Gunst des Augenblicks - Prosa der Gegenwart

Lesung und Gespräch mit der Schriftstellerin Dorothee Riese (Leipzig) in Schillers Gartenhaus am Mittwoch, dem 1. April 2026, um 19.30 Uhr (Moderation: Boris Celeste Hoge-Benteler).

Dorothee Riese:  ›Wir sind hier für die Stille‹ (Berlin Verlag)

Cover 'Wir sind hier für die Stille"

Foto: Berlin Verlag

Die Geschichte einer Kindheit als soziales Experiment: Anfang der 1990er Jahre wandert die fast sechsjährige Judith mit ihren Eltern von Deutschland nach Rumänien aus. Ihr Ziel ist ein abgelegenes Dorf in Transsilvanien am Rande der Karpaten. Judith soll in einer ursprünglichen, vom Kapitalismus freien Gemeinschaft aufwachsen. Mit wachem Blick erkundet sie den Ort, seine Menschen, Geschichte und Sprache. Bald wird sie zur Wahl-Enkelin der alten Siebenbürger Sächsin Lizitanti, von der sie einen Hahn geschenkt bekommt. Und sie lernt Irina kennen, die mit ihrer Ziege im Milchauto mitfährt. Irina ist eine von dort. Judith möchte das auch sein, wenngleich sich die Freundin dieser Aneignung widersetzt. Bald stellt der Widerspruch zwischen mitgebrachter Utopie und vorgefundener Realität die Familie vor immer größere Fragen.

Einmal träumte sie, als Engel im Kohleschuppen der Schule zu wohnen. Als sie es erzählte, sagte Kurt zur Mutter: ›Siehst du. Siehst du.‹ Und er freute sich, seinen Freunden schreiben zu können, dass sie nicht zufällig nach Rumänien gegangen waren, sondern dass es Vorsehung gewesen war, dass es so sein sollte und dass sie hier eine Aufgabe gefunden hätten und eine Lebensweise, mit der sie die Menschen nicht ausbeuteten und die Schöpfung bewahrten. Die Mutter zögerte allerdings, bevor sie nickte. Judith überlegte, ob Unkrautsuppe auch zur Schöpfung zählte.

Aus: ›Wir sind hier für die Stille‹, S. 145.

 »Ist Fremdsein eine unüberwindbare Grenze – auch wenn man den Alltag miteinander teilt? Mit Dorothee Riese betritt eine Autorin die literarische Bühne, der es gelingt, mit den Mitteln der Sprache das, was hinter der Sprache liegt, spürbar zu machen.« — Jenny Erpenbeck

Die Autorin: Dorothee Riese

Dorothee Riese

Foto: Christiane Gundlach

Dorothee Riese, geboren 1989 bei Göttingen und in Rumänien aufgewachsen, studierte Internationale Literaturen, Slawistik und Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas in Tübingen, Moskau, Frankfurt (Oder) und im südsibirischen Barnaul. Zum Studium des literarischen Schreibens kam sie nach Leipzig. Sie arbeitete an der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar und ist für das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.


Der Eintritt ist frei.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Instituts für Romanistik, der Zweigstelle Jena der Südosteuropagesellschaft, von Schillers Gartenhaus und der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek.