Fachdidaktik Deutsch

Die Fachdidaktik Deutsch vertritt das Gebiet der Deutschdidaktik in seiner ganzen Breite. Das eröffnet die Chance, die einzelnen Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts nicht nur systematisch zu betrachten, sondern insbesondere auch auf ihre Bezugspunkte und Wechselwirkungen hin zu untersuchen. Solche Wechselwirkungen treten z. B. auf, wenn Schülerinnen und Schüler über Texte schreiben oder wenn Gespräche über Literatur geführt werden. Auch in der Professionalisierung von Deutschlehrkräften – einem Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls – fließen alle Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts zusammen.

In Forschung und Lehre kooperiert der Lehrstuhl für Fachdidaktik Deutsch mit den angrenzenden Disziplinen – germanistischer Literatur- und Sprachwissenschaft, Pädagogik, Psychologie und anderen Fachdidaktiken. Wir verstehen Fachdidaktik Deutsch als berufsfeldorientierte Wissenschaft, die empirische Forschung und Theorieentwicklung verzahnt und zur Weiterentwicklung des Deutschunterrichts beiträgt.

Aktuelles

  • 3. Jenaer Fachtag Deutsch

    "Vielfalt im Deutschunterricht"
    11. November 2026 | 9:00 - 15:30 Uhr

    Der diesjährige Fachtag zeigt Wege auf, wie Lehrkräfte im Deutschunterricht der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler begegnen und fachliches Lernen gezielt fördern können.

    Siegel Uni Jena in Regenbogenfarben im Vordergrund einer Veranstaltung
    Foto: Nicole Nerger (Universität Jena)

Projekte

  • Angebotsseitige Qualität im Literaturunterricht (QuaLITy)

    Das Projekt QuaLITy zielt auf empirische Erkenntnisse über die Praxis alltäglichen Literaturunterrichts, wie er ohne gezielte Einflussnahme von außen unter authentischen Bedingungen stattfindet. Es greift auf Vorarbeiten aus dem Projekt KoALa und aus dem abgeschlossenen PromotionsprojektExterner Link von Florian Hesse zurück. Von 2023 bis 2025 wurden im Projekt Unterrichtsreihen mit je drei Stunden zu Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ videografiert. Außerdem wurden Interviews mit den Lehrpersonen geführt und Schüler:innenfragebögen zur Ermittlung von Nutzungs- und Wirkungsdaten eingesetzt.

    Projektbezogene Publikationen:

  • Schreiben mit KI im Lehramt

    Projekthintergrund:

    Schreiben gilt als Kulturtechnik, die in unserer Gesellschaft eine „Scheinselbstverständlichkeit“ (Zanetti, 2015, S. 7) ist: Denn während Schreibkompetenz im schulischen Lernen und im Alltag vielerorts eine zentrale Rolle spielt, ist doch nicht selbstverständlich, dass sie in notwendigem Maße erworben wurde und vorliegt. Obgleich systematische empirische Befunde ausstehen (vgl. Philipp, 2018, S. 15), verbleibt die Vermutung, dass zahlreiche Lernende und sogar Studierende die Mindeststandards im Schreiben nicht erfüllen. Ursächlich dafür sind u. a. unzureichende Gelegenheiten zur Entwicklung von Schreibkompetenz in Schule und Studium.
    Mit der Veröffentlichung von ChatGPT wurde die Debatte um die Selbstverständlichkeit des Schreibens neu entfacht: Generative KI erzeugt in Sekundenschnelle Texte, die Struktur und Kohärenz derart gut simulieren, dass sie sogar angehende Lehrkräfte für ‚menschengemacht‘ halten (z.B. Schicker & Akbulut, 2023, S. 178). Mitunter auch deshalb wird beim Schreiben mit KI-Anwendungen stellenweise von einer Koaktivität von Mensch und KI/Computer gesprochen, bei der die KI mit variierendem Aktivitätsniveau mit dem Menschen (mit)schreibt (Steinhoff, 2023). Hierdurch scheint das Schreiben jedoch nicht grundsätzlich ‚schneller‘ oder ‚leichter‘ zu werden (Förster, 2023, S. 7; Fyfe, 2023, S. 1402). Vielmehr setzt das Schreibens im ‚neuen‘ Kontext von KI die Ausbildung weiterer (Teil-)Kompetenzen (z.B. Textkritik) voraus (z.B. Rödel, 2023).

    Zielgruppe:

    Das Projekt ‚Schreiben mit KI im Lehramt‘ richtet sich an Lehramtsstudierende aller Fächer. Diese begegnen der sich wandelnden Situation des Schreibens in einer Doppelrolle: Sie sind einerseits selbst Lernende vor allem im wissenschaftlichen Schreiben, das in ihrem Studium zentrale Lern- und auch Prüfungsform ist. Hier eröffnet KI neue und bisher ungeahnte Räume (Fyfe, 2023, S. 1402; Underwood, 2021), die von der Eignung als Hilfsmittel bei Recherchen und Strukturierung hin zur KI-unterstützten Überarbeitung von Texten reichen. Andererseits sind sie zukünftige Lehrende, die Schüler:innen im Schreiberwerb unterstützen sollen, der nicht weniger durch das wahrgenommene disruptive Potenzial von KI-Anwendung (Buck & Limburg, 2023) beeinflusst wird.

    Ziele des Projekts:

    Das Projekt „Schreiben mit KI im Lehramt“ hat sich zum Ziel gesetzt, Lehramtsstudierende beim Absolvieren dieser neuen und vielfältigen Herausforderungen zu unterstützen. Hierzu sollen in Zusammenarbeit mit dem Schreibzentrum der FSU Jena ein extracurricularer Selbstlernkurs zum Schreiben für Lehramtsstudierende sämtlicher Fächer entworfen, erprobt und empirisch evaluiert werden. Konkret verfolgt das Projekt die folgenden Ziele:

    • Entwicklung von Lehr-Lern-Modulen
    • Erprobung der Lehr-Lern-Module bei Studierenden unterschiedlicher Lehramtsfächer
    • Wissenschaftliche Begleitung/Evaluation der Module in einem Design-Research-Format (DBR)
    • Generierung von Beiträgen zum wissenschaftlichen Diskurs (Tagungsbeiträge, Artikel)

    Projektbeteiligte:

    Dr. des. Gerrit Helm, Projektleitung und Ansprechpartner
    Dr. des. Florian Hesse, Projektleitung
    Prof. Dr. Iris Winkler, Projektleitung

    Marie Anett Moser, Studentische Assistentin
    Kilian Dingeldey, Studentischer Assistent

    Projektpublikationen:

    Helm, Gerrit & Hesse, Florian (i.V.): Potenziale generativer KI für das sprachlich-literarische Lehren und Lernen im erstsprachlichen Unterricht. [Arbeitstitel].

    Quellen:

    Buck, I., & Limburg, A. (2023). Hochschulbildung vor dem Hintergrund von Natural Language Proces-sing (KI-Schreibtools). die hochschullehre, 6. Förster, A. G. (2023). Mit KI übersetzen. leseforum.ch, 3.
    Fyfe, P. (2023). How to cheat on your final paper: Assigning AI for student writing. AI & Society, 38(4), 1395–1405. https://doi.org/10.1007/s00146-022-01397-zExterner Link
    Philipp, M. (2018). Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik und der systematischen schulischen Schreibförderung (6., erweiterte Auflage). Schneider Verlag Hohengehren GmbH.
    Rödel, M. (2023). ChatGPT und Textkompetenz: Wie sieht die Zukunft des Schreibens in der Schule aus? Mitteilungen des Deutschen Germanistikverbands, 70(4), 373–381.
    Schicker, S., & Akbulut, M. (2023). ChatGPT – maschinelle und menschliche Textsortenkompetenz. In S. Schicker & L. Miškulin Saletović (Hrsg.), Sprachliche Handlungsmuster & Text(sorten)kompetenz (S. 169–197). Graz University Library Publishing. https://doi.org/10.25364/978390337426311Externer Link
    Steinhoff, T. (2023). Literalität oder Digitalität? Sowohl als auch! Überlegungen zu einer postdigitalen Deutschdidaktik am Beispiel des Lesens und Schreibens unter besonderer Berücksichtigung Künstlicher Intelligenz. leseforum.ch, 3.
    Underwood, T. (2021). Science fiction hasn’t prepared us to imagine machine learning. tedunder-wood.com. https://tedunderwood.com/2021/02/02/why-sf-hasnt-prepared-us-to-imagine-machine-learning/Externer Link
    Zanetti, S. (Hrsg.). (2015). Schreiben als Kulturtechnik: Grundlagentexte (2. Auflage). Suhrkamp Verlag.

  • Schulen nutzen KI für Lesen, Literarisches Lernen und Schreiben (SKILLS)

    Die Idee des Projekts ist es, Lehr-Lern-Konzepte zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren, die die Förderung von Basiskompetenzen und den Einsatz von KI im (Deutsch-)Unterricht der Grundschule zusammendenken. Zentrale Bausteine sind die Entwicklung und Durchführung von Lehrkräftefortbildungen, die fachdidaktische und KI-bezogene Kompetenzen integriert vermitteln, begleitete Erprobungen des erworbenen Wissens im Unterricht sowie eine nachhaltige Verankerung der Fortbildungserträge durch eine medienbezogene Schulentwicklung. Insgesamt sind an dem Projekt zwölf Grundschulen in drei Bundesländern beteiligt, die von einem Team der Uni Jena sowie zwei Schulentwicklerinnen der Pacemaker Initiative begleitet werden.

    Projektleitung: Dr. Gerrit Helm, Dr. Florian Hesse

    Mitarbeitende: Aneta Wichers; für die Pacemaker Initiative: Carolin Arnold und Julia Soeffner

    Förderer des Projekts: Auridis Stiftung, Victor Rolff-Stiftung

    Zeitraum: 2025 bis 2028

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  • Erzählerische Vermittlung als Schwellenkonzept im Literaturunterricht (NarraTeach)

    Dieses Projekt wird in Kooperation mit Prof. Dr. Dorothee WieserExterner Link (HU Berlin) durchgeführt.
    Im Mittelpunkt des Projekts NarraTeach steht die Frage, wie narratologisches Wissen für den Literaturunterricht didaktisch so modelliert und aufbereitet werden kann, dass es das Verständnis erzählender Texte unterstützt. Damit greift das Projekt ein doppeltes Problem auf: Zum einen gibt es bislang keine übersichtliche, fachlich konsistente „Übersetzung“ narratologischen Wissens für die Praxis. Zum anderen bleiben Erzählanalysen in der Schule oft Selbstzweck.
    In NarraTeach betrachten wir die erzählerische Vermittlung – also den Umstand, dass sowohl das Wie als auch das Was des Erzählens von der Erzählinstanz beeinflusst werden – als zentrales Merkmal von Narrationen. Wir nehmen an, dass die Reflexion erzählerischer Vermittlung das Verständnis von Erzählungen in Literatur wie im Alltag grundlegend verändert. Davon ausgehend schlagen wir ein didaktisches Modell erzähltheoretischen Wissens vor. Dieses setzt gängige Kategorien der Erzähltextanalyse in Relation zum übergeordneten Prinzip der erzählerischen Vermittlung. Es wählt statt abstrakter Termini hierarchisierte Untersuchungsfragen als Ausgangspunkt für Textanalysen. Letztere werden – über übliche Deskriptionen hinausgehend – unter dem Aspekt ihrer Verstehensrelevanz ausgewählt und gewichtet.
    Das Projekt ist als Forschungszyklus angelegt, der theoretische, empirische und transferorientierte Ansätze verknüpft. Abgeschlossen sind die theoretische Grundlegung, die empirische Untersuchung von Fähigkeiten zur Erzähltextanalyse bei angehenden Lehrpersonen sowie die erste Entwicklung eines PraxisangebotsExterner Link. Aktuell steht die wissenschaftliche Begleitung und Untersuchung des Praxistransfers auf der Agenda.

    Projektbezogene Publikationen:

    Wissenschaftliche Artikel:

    • Winkler, Iris/Wieser, Dorothee (2025): Fähigkeiten zur Erzähltextanalyse in Abhängigkeit vom Aufgabensupport: Eine Studie mit Lehramtsstudierenden des Faches Deutsch. In: Zeitschrift für Sprachlich-Literarisches Lernen und Deutschdidaktik, 5. https://doi.org/10.46586/SLLD.Z.2025.12112Externer Link
    • Wieser, Dorothee / Winkler, Iris (2025): Narratologisches Wissen für Lehrpersonen: Didaktische Modellierung eines literaturwissenschaftlichen Schwellenkonzepts. In: Zeitschrift für Sprachlich-Literarisches Lernen und Deutschdidaktik, 5. https://doi.org/10.46586/SLLD.Z.2025.12443Externer Link

    Unterrichtsmodell:

    • Wieser, Dorothee / Winkler, Iris (2025): Angewandte Erzähltheorie für die Unterrichtspraxis in der Sekundarstufe I. Von der didaktischen Modellierung zum ErzählNavigator. SLLD-U. https://doi.org/10.46586/SLLD.440Externer Link

    Praxismaterial:

Mitarbeiter/innen