Autoritäre Herrschaft und politische Inhaftierung in Syrien (1970-2024): Repression, Erinnerung und Aufarbeitung
Modul: Ara RGP
Sednaya Gefängnis, Syrien
Foto: Mohammad Bash
Kursinhalt
Der Kurs untersucht die Entwicklung des syrischen Herrschaftssystems unter Hafez al-Assad (1970-2000) und Baschar al-Assad (2000-2024). Im Mittelpunkt stehen die Mechanismen gesellschaftlicher und politischer Kontrolle, die Rolle der Sicherheitsapparate sowie die Funktion von Gefängnissen als Instrumente der Herrschaft und Kontrolle. Die Untersuchung der Gefängnisse stützt sich unter anderem auf die Arbeit und die Methoden der syrisch-deutschen NGO Prisons Museum (https://prisons.museum/en/syriaExterner Link). Dabei werden architektonische und räumliche Analysen mit Zeitzeugenberichten ehemaliger Gefangener sowie Dokumenten der syrischen Sicherheitsapparate in Beziehung gesetzt.
Auch die Herausforderungen der syrischen Gegenwart werden thematisiert: Fragen der Übergangsjustiz, des Erinnerns und Gedenkens sowie der Aufarbeitung des Schicksals der Verschwundenen und der Opfer des Assad-Regimes. Dabei wird die Rolle von Dokumentation, historischer Forschung und zivilgesellschaftlicher Initiativen diskutiert, die sie für die gesellschaftliche Aufarbeitung politischer Gewalt und den Einsatz der Zivilgesellschaft für Übergangsjustiz und das Weltrechtsprinzip in Deutschland und Europa spielen können. Der Kurs verbindet historische, politikwissenschaftliche, journalistische und anthropologische Zugänge. Neben wissenschaftlicher Fachliteratur werden Berichte syrischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen, Dokumente syrischer Sicherheitsbehörden, Zeugenaussagen ehemaliger Gefangener sowie digitale Rekonstruktionen von Gefängnissen herangezogen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Methoden der Oral History, der Analyse institutioneller Gewalt sowie der räumlichen Untersuchung von Gefängnissen als Herrschaftsinstrumenten (forensic architecture).
Die Veranstaltung wird ergänzt durch einen öffentlichen Vortrag von Amer Matar, Gründer and Co-Direktor von Prisons Museum.
Bernhard Hillenkamp arbeitet für die libanesische NGO Umam Documentation and Research (https://www.umam-dr.org/EN/Externer Link) und hat in diesem Rahmen die Ausstellung „Sednaya: Syria's Architecture of Repression and Death” mitorganisiert, die vom 26. März bis 27. September 2026 in der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen gezeigt wird (https://umam-dr.org/EN/event_detail/145/Externer Link).
Kursdetails
- Angebotsturnus: einmalig
- Ablauf: Blockseminar. Ein erstes Treffen findet am 4. November um 12 Uhr statt.
- Kursleitung: Bernhard Hillenkamp
- Teilnahmeleistung: Regelmäßige Teilnahme
- Prüfungsleistung: Klausur
- Leistungspunkte: 5 ECTS