Neue Blicke auf den ältesten Stadtplan der Welt
Konferenz und Ausstellung: An der Universität Jena steht das hundertjährige Bestehen der Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer im wissenschaftlichen Fokus
Eine Tontafel aus der Hilprecht-Sammlung.
Foto: Nicole Nerger (Universität Jena)
Meldung vom: | Verfasser/in: Stephan Laudien
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Am Donnerstag (25.06.) wird um 18 Uhr im großen Ausstellungssaal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB, Bibliotheksplatz 2) die Ausstellung »Ausgegraben, angesammelt, ausgestellt: Wie der älteste Stadtplan der Welt nach Jena kam« eröffnet. Bereits zwei Stunden zuvor, um 16 Uhr, eröffnet Enrique Jiménez nach den Grußworten die Konferenz »Hundert Jahre Hilprecht-Sammlung« mit dem Vortrag »From Nippur to Jena. The Origins of Hilprecht’s Cuneiform Collection«. Gehalten wird der Vortrag in englischer Sprache im Hörsaal 24 im Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1). Sowohl der Vortrag als auch die Ausstellungseröffnung sind öffentlich, Gäste sind willkommen, der Eintritt ist frei.
Die erste Frau Hilprechts wurde Namensgeberin der Sammlung
Die Ausstellung erzählt, wie eine der bedeutendsten Keilschriftsammlungen in Deutschland an die Universität Jena kam. Konzipiert und realisiert wurde die professionelle Schau im Rahmen eines zweisemestrigen Projektseminars zur Kuratorischen Praxis am Seminar für Kulturanthropologie/Kulturgeschichte. Mit ausgewählten Exponaten aus der Hilprecht-Sammlung, interaktiven Medienstationen, Dokumenten und Filmen lädt sie zu einem abwechslungsreichen Rundgang ein.
»Wir zeigen den ältesten Stadtplan der Welt, einen medizinischen Text und den Vertrag über einen Hauskauf, der 4.500 Jahre alt ist«, sagt Jonas Klöker, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Seminar für Altorientalistik. Aus der Sammlung gibt es auch ein Prisma zu sehen und eine Weihplatte. Das Prisma ist ein rechteckiger Quader mit Schriftzeichen, der wohl zu Unterrichtszwecken diente. Die Weihplatte zeigt eine Gottheit und war vermutlich ein Weihgeschenk an einen Tempel.
Jonas Klöker verweist darauf, dass neben ungefähr 2.700 Tontafeln noch weitere Artefakte in der Hilprecht-Sammlung aufbewahrt werden. Zusammengetragen hat sie im Wesentlichen der Deutsch-Amerikaner Hermann Volrath Hilprecht (1859 – 1925), der sie nach seiner ersten Frau Ida, geborene Haufe, benannte: Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities. In der Ausstellung und der zweitägigen Konferenz stehen die Geschichte der Sammlung und heutige wissenschaftliche Fragestellungen dazu im Fokus.
Die zweitgrößte Sammlung ihrer Art in Deutschland
Seit 1926 befindet sich die Sammlung im Eigentum der Universität Jena. Letztlich ein Glücksfall, ist es doch die zweitgrößte Sammlung ihrer Art in Deutschland. In der zweitägigen Konferenz wird es u. a. um den Zustand der Stücke und ihren Erhalt gehen, darüber spricht die Berliner Restauratorin Carmen Gütschow. Andreas Schropp aus Hamburg stellt den mobilen hochauflösenden Röntgentomographen »ENCI« vor, mit dem Blicke ins Innere der Tontäfelchen möglich sind. Susanne Paulus (Chicago) spricht über ihre aktuellen Ausgrabungen in Nippur im heutigen Irak und Johannes Hackl (Jena) wirft gemeinsam mit Joachim Oelsner (Leipzig) einen »neuen Blick auf den Stadtplan von Nippur«.
Die Ausstellung »Ausgegraben, angesammelt, ausgestellt: Wie der älteste Stadtplan der Welt nach Jena kam« wird im großen Ausstellungssaal der ThULB bis zum 18. Oktober gezeigt. Die Konferenz »Hundert Jahre Hilprecht-Sammlung« findet vom 26. bis 27.06. im Astoria-Hörsaal der Universität statt (Unterm Markt 8). Die Vorträge sind öffentlich, ein Teil kann per Zoom verfolgt werden. Einige Referate sind in englischer Sprache.
Das Programm im Internet: hier.
Kontakt:
Jonas Josef Johann Klöker
- jonas.kloeker@uni-jena.de
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