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Pressemitteilung zu Podiumsgespräch zur Ausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945–1956)“ am 28.4.2026 an der Universität Jena
Foto des Podiums (von links nach rechts: Dr. Katharina Steinberg, Katharina Gräb, Dr. Julia Landau, Dr. Anne-Christine Hamel, Vertr.-Prof.in Dr. Agnes Arndt)
Foto: Nadin FriebeHaftschicksale von Frauen in sowjetischen Speziallagern und im DDR-Strafvollzug
Begleitend zur Ausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945–1956)“ der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten fand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena am 28.4.2026 unter der Leitung von Dr. Agnes Arndt, Lehrstuhlvertretung für Neueste Geschichte / Zeitgeschichte, ein Podiumsgespräch mit der Kuratorin Katharina Gräb, der Kuratorischen Mitarbeiterin Dr. Katharina Steinberg (beide Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam), Dr. Julia Landau und Dr. Anne-Christine Hamel (beide Gedenkstätte Buchenwald) statt.
Wanderausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945–1956)”
Die Ausstellung wurde von der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam zusammen mit anderen Einrichtungen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten konzipiert und mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Vorgestellt werden die Biografien und Haftschicksale von zwölf Frauen, die von sowjetischen Militärtribunalen in der SBZ zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Sie kamen zunächst in das Speziallager Sachsenhausen, nach dessen Auflösung schlossen sich für sie Haftzeiten in weiteren Gefängnissen der DDR wie dem Gefängnis Hoheneck an.
Mit Fotos, Zeitzeugenberichten und Erinnerungsstücken der porträtierten Frauen werden das System der sowjetischen Besatzungsjustiz und die Haftbedingungen in den Speziallagern und in den DDR-Strafanstalten beleuchtet, wird damit verbundenes Unrecht und Leid dargestellt, gleichzeitig aber auch die Selbstbehauptung der Inhaftierten thematisiert. Berücksichtigt wird nicht zuletzt auch der Aspekt der Rehabilitierung der Inhaftierten. Als Ganzes rückt die Ausstellung damit ein fast vergessenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte in den Mittelpunkt.
In ihrem Grußwort zum Podiumsgespräch betonte Prof.in Dr. Bärbel Kracke, Vizepräsidentin für Universitätsgemeinschaft und Engagement der Universität Jena, am Dienstag abend, dass es bewegend sei, nicht nur die Biografien der Inhaftierten zu lesen, sondern auch z. B. einen bestickten Serviettenring als Exponat zu sehen, ein Geschenk einer der inhaftierten Frauen an eine Mitgefangene und damit Ausdruck von gegenseitiger Unterstützung und Solidarität im Speziallager.
Kuratorin Katharina Gräb äußerte ihre große Freude, dass die Ausstellung „frauenHAFT“ nun an dem Ort gezeigt wird, wo vor fast 80 Jahren Eva Müthel, eine der porträtierten Frauen, studiert hat: „Obwohl Müthel nach ihrer Haft erfolgreich als Autorin und Journalistin gearbeitet hat, ist sie kaum bekannt. Die Ausstellung trägt dazu bei, dass die Schicksale der Frauen öffentlich werden und ihrer gedacht werden kann. Auch für Angehörige ist die Ausstellung eine Möglichkeit, sich mit der schwierigen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.“
Eva Müthel (1926-1980), Studierende an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Die Universität Jena ist die zweite Station der Ausstellung, die über Eva Müthel einen engen Bezug zur Universität Jena besitzt. Denn sie war bis zu ihrer Verhaftung 1948 an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät immatrikuliert. Eva Müthel wurde 1954 aus ihrer Haft nach West-Berlin entlassen, anschließend beschrieb sie die Erlebnisse ihrer Haftzeit in dem Roman „Für dich blüht kein Baum“. Dieser erschien 1957 und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Haft im Fokus
Bewusst wurden in der Ausstellung Frauen mit unterschiedlichen Haftgründen porträtiert. Sie waren beispielsweise verurteilt worden, weil sie selbstgebrannte Spirituosen an sowjetische Soldaten verkauft hatten, aber auch wegen Misshandlungen von KZ-Häftlingen während der Zeit des Nationalsozialismus oder wegen Spionage. Aber: „Über die Haftgründe wurde unter den Frauen nicht gesprochen. Während der Haftzeit verband sie eine große Solidarität und nach der Entlassung blieben sie in engem Kontakt.“, sagte Katharina Steinberg.
Ausgehend vom Speziallager Nr. 2 / Buchenwald zeigte Anne-Christine Hamel anhand mehrerer Beispiele, dass die inhaftierten Frauen dort ebenfalls ganz unterschiedliche Haftgründe und Biographien besaßen. Sie ging auch auf das Alter der inhaftierten Frauen ein und stellte nicht zuletzt u. a. heraus: „Minderjährig waren zum Zeitpunkt der Verhaftung in etwa 4% der Frauen. Hinzu kam etwa ein Dutzend an Kleinkindern, die gemeinsam mit ihren internierten Müttern im Lager lebten und von der Lagerverwaltung nicht als Häftlinge verzeichnet wurden.“
Julia Landau warf drei Fragen auf, die später vom Podium diskutiert wurden: „Lässt sich für die sowjetischen Internierungen und Verhaftungen eine Form von geschlechtsspezifischer Verfolgung feststellen, unterschied sich der Umgang mit den Frauen von dem der Männer? Welche Erfahrungen machten Frauen in Haft und Internierung, welche Folgen trugen sie von der Haft davon? Gab es eine besondere, geschlechtsspezifische Verarbeitung weiblicher Haft, wurden Frauen im Kontext sowjetischer Verhaftungen bestimmte Rollen zugeschrieben?“
Zum Abschluss des Podiumsgesprächs unterstrich Agnes Arndt die ausgesprochen große Bedeutung sowohl der Ausstellung als auch der Aufarbeitung der Schicksale der in den Speziallagern inhaftierten Frauen. Die Untersuchungen dazu hätten, wie auch das Gespräch gezeigt habe, bereits viele neue Erkenntnisse erbracht, und über diese würden sich weitere Forschungsstränge ergeben.
Einen 360-Grad-Rundgang der Ausstellung finden Sie auf der Website der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: https://www.stiftung-bg.de/frauenhaft-sowjetische-repression-und-ddr-strafvollzug-1945-1956/Externer Link